Ausstand ab Donnerstagabend Verdi ruft zu bundesweiten Streiks bei der Post auf

Die Gewerkschaft Verdi ging mit einer ambitionierten Forderung in die Tarifverhandlungen mit der Post, bislang ohne Erfolg. Nun startet Verdi-Verhandlungsführerin Andrea Kocsis die nächste Eskalationsstufe: Schon ab Donnerstagabend sollen Post-Mitarbeiter bundesweit streiken.
"Die Beschäftigten in den Betrieben werden eine klare Antwort geben": Verdi-Verhandlerin Andrea Kocsis spricht sich für Streiks bei der Post aus

"Die Beschäftigten in den Betrieben werden eine klare Antwort geben": Verdi-Verhandlerin Andrea Kocsis spricht sich für Streiks bei der Post aus

Foto: Kay Herschelmann / ver.di

Der Verbraucher in der Bundesrepublik müssen wegen eines Streiks mit Verzögerungen bei Briefen und Paketen der Deutschen Post rechnen. Die Gewerkschaft Verdi rief am Donnerstag zu bundesweiten Protesten auf, die noch am Donnerstagabend beginnen sollten. Zuvor war auch die zweite Runde der Tarifverhandlungen zwischen dem Bonner Konzern und der Gewerkschaft ohne greifbare Ergebnisse geblieben. "Die Beschäftigten in den Betrieben werden nun eine klare Antwort geben und ihren Forderungen mit Streiks Nachdruck verleihen", sagte Verdi-Verhandlungsleiterin Andrea Kocsis. Die Post kündigte an, in der dritten Verhandlungsrunde am 8. und 9. Februar ein Angebot auf den Tisch legen zu wollen.

Die Gewerkschaft fordert 15 Prozent mehr Lohn für die rund 160.000 Tarifbeschäftigten in Deutschland bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Die Post hatte die Gehaltsforderung bereits mehrfach als realitätsfern abgewiesen. Sie strebt zudem eine längere Laufzeit an.

"Unsere Tarifforderungen sind notwendig, gerecht und machbar", bekräftigte Kocsis dagegen nach den Gesprächen in Köln. Mit Verweis auf die hohe Inflation sagte sie, es sei angesichts von Milliarden-Gewinnen der Post "eine Provokation, dass die Arbeitgeber den Ausgleich von Reallohnverlusten verweigern". Verdi rufe nun die Beschäftigten in allen Brief- und Paketzentren bundesweit ab Donnerstagabend und für den Freitag zum Streik auf. In den folgenden Tagen sollen weitere Proteste folgen. Bei der Post seien rund 140.000 der 160.000 Tarifbeschäftigten in Entgeltgruppen eingruppiert, in denen das Monatsgrundentgelt zwischen 2108 und 3090 Euro brutto betrage. Gerade diese Beschäftigten seien "im besonderen Maße von der hohen Inflation betroffen".

Die Post betonte, sie habe Verdi bei den Gesprächen in Köln "eine Reihe von konkreten Vorschlägen gemacht, in denen es vor allem um die Bausteine und Struktur der Lohnerhöhungen ging." In den Gesprächen sei die Basis geschaffen worden, um in der neuen Gesprächsrunde Anfang Februar ein Angebot vorzulegen.

Post erwartet Rekordgewinn dank Auslandsgeschäft

Die Post und Verdi hatten sich zuletzt im September 2020 auf Lohnerhöhungen verständigt. Die Einigung sah damals bei einer Laufzeit von 28 Monaten unter anderem vor, dass die Löhne und Gehälter zum 1. Januar 2021 um 3 Prozent und am 1. Januar 2022 noch einmal um 2 Prozent stiegen.

Die rund um den Globus aktive Deutsche Post, die weltweit rund 590.000 Menschen beschäftigt, fährt den Löwenanteil ihrer Gewinne längst außerhalb des traditionellen Briefgeschäfts in der Bundesrepublik ein. Insgesamt rechnet der Konzern für 2022 mit einem operativen Rekord-Gewinn (Ebit) von 8,4 Milliarden Euro, das Brief- und Paketgeschäft in Deutschland soll dazu rund 1,35 Milliarden Euro beitragen.

Beim Brief kämpft die Post mit sinkenden Sendungsmengen und schrumpfenden Erträgen bei steigenden Kosten. Zudem häuften sich zuletzt Beschwerden von Kunden. An der Preisschraube können die Bonner aber vorerst nicht drehen. Denn das Porto etwa für den Standardbrief von derzeit 0,85 Euro ist vom Regulierer Bundesnetzagentur planmäßig bis Ende 2024 festgeschrieben worden. Deshalb könne der Konzern "Kostensteigerungen nicht einfach an unsere Kunden weitergeben". Die Teuerungsrate in Deutschland lag mit im Mittel 7,9 Prozent im vergangenen Jahr so hoch wie nie seit Bestehen der Bundesrepublik.

cr/Reuters
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