Logistiktochter DHL Deutsche Post übernimmt Mainzer Seefrachtspezialisten

Die Deutsche Post baut ihr Geschäft mit dem Verschiffen von Getränken aus und kauft für 1,5 Milliarden Euro das Mainzer Unternehmen Hillebrand. Der Chef des Logistikspezialisten ist ein alter Bekannter.
Logistik über jeden Transportweg: Zu Lande und in der Luft ist das Unternehmen schon gut aufgestellt - allein auf dem Wasserweg bedarf es noch der Optimierung

Logistik über jeden Transportweg: Zu Lande und in der Luft ist das Unternehmen schon gut aufgestellt - allein auf dem Wasserweg bedarf es noch der Optimierung

Foto: Jan Woitas/ picture alliance / dpa

Der Logistikkonzern Deutsche Post DHL will den Mainzer Seefrachtspezialisten J.F. Hillebrand übernehmen, um sein Geschäft mit dem Verschiffen von Getränken auszubauen. Man habe einen Vertrag unterschrieben, um für rund 1,5 Milliarden Euro bis zu 100 Prozent des Mainzer Konzerns zu übernehmen, teilte die Tochter der Deutschen Post am Dienstag in Bonn mit. Verkäufer ist der belgische Finanzinvestor Cobepa.

Hillebrand ist vor allem in der Seefracht aktiv und bringt beispielsweise Whiskey von irischen Brennereien zu den Lagern von Großhändlern und Supermarktketten. Das Unternehmen ist gewissermaßen als Makler tätig - es werden also Containerkapazitäten gebucht, um Produkte über die Weltmeere zu verschiffen und Großhändler mit Getränken zu beliefern.

Mit seinen rund 2700 Mitarbeitern erwirtschaftete das Unternehmen zuletzt einen Jahresumsatz von 1,4 Milliarden Euro. Für 2021 rechnet Hillebrand mit einem Transport von 500.000 Standardcontainern. Zum Vergleich: DHL kam 2020 auf 2,9 Millionen Standardcontainer in der Seefracht. Zu den Kunden von Hillebrand gehören dem Unternehmen zufolge unter anderem die Campari Group oder der Großbrauer Anheuser-Busch InBev.

Die Nachrichtenagentur Bloomberg hatte bereits vor einigen Tagen über das Interesse der Post an dem Unternehmen berichtet . Um das Mainzer Unternehmen hatten sich Insidern zufolge auch mehrere Finanzinvestoren bemüht - die Post konnte sich aber letztlich durchsetzen.

Hillebrand-Chef kommt von DHL

Die Übernahme sei "eine hervorragende Ergänzung unseres bestehenden Portfolios", erklärte DHL-Chef Frank Appel (60). "Im Einklang mit unserer Konzernstrategie stärken wir unser logistisches Kerngeschäft und sorgen für langfristiges profitables Wachstum." Hillebrand-Chef Cees van Gent, der in der Vergangenheit selbst einmal bei DHL beschäftigt war, sagte, er freue sich "nun darauf, unsere Kräfte mit der Deutschen Post DHL Group zu bündeln" und verwies auf die 177-jährige Geschichte von Hillebrand.

Damit der Kaufvertrag gültig wird, bedarf es noch der Zustimmungen verschiedener Kartellbehörden auf der Welt, etwa von der Europäischen Union und von den USA. DHL will den Kauf aus der eigenen Kasse bezahlen, also ohne neue Kredite - da das Geschäft brummt beim Logstikriesen, ist die Kasse gut gefüllt.

Die Frachtsparte galt wegen niedriger Margen und nach einer misslungenen Umstellung der Datenverarbeitung lange als Sorgenkind des Bonner Konzerns. Nachdem Tim Scharwath Mitte 2017 an die Spitze der Sparte mit ihren 42.000 Mitarbeitern rückte und sie sanierte, änderte sich das. Im ersten Halbjahr 2021 kletterte der Umsatz der Sparte auf knapp zehn (Vorjahr: 7,7) Milliarden Euro, der operative Ertrag (Ebit) legte auf 528 (264) Millionen Euro zu, die Umsatzrendite erreichte 5,3 (3,4) Prozent. Mit der Übernahme soll das Geschäft nun weiter wachsen. Im Bereich der Seefracht konkurriert die Post unter anderem mit Kühne + Nagel oder DSV Panalpina.

mg/dpa-afx, Reuters