Boom in der Corona-Krise Post-Chef Appel hebt die Jahresprognose – und Weihnachten kommt erst noch

Nach einem sehr guten zweiten, hat der Logistikkonzern auch ein erfreuliches drittes Quartal hinter sich. Nun peilt er höhere Gewinne an. Der Aktienkurs erreicht schon mal einen neuen Rekordwert.
Freut sich schon auf Weihnachten: Post-Chef Frank Appel.

Freut sich schon auf Weihnachten: Post-Chef Frank Appel.

Foto: picture alliance/dpa

Spätestens seit heute ist klar: Die Deutsche Post zählt zu den Gewinnern der Corona-Krise. Dank anhaltend hoher Paketmengen erwartet der Vorstand um Frank Appel (59) nun noch höhere Gewinne als ohnehin schon. Nachdem sich die Manager intern über die vorläufigen Zahlen für das dritte Quartal beraten hatten, hoben sie per Adhoc-Mitteilung auch die Prognose für das Gesamtjahr deutlich an. Der Logistikkonzern erwartet nun einen operativen Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) zwischen 4,1 und 4,4 Milliarden Euro. Bisher lagen die Erwartungen bei 3,5 bis 3,8 Milliarden Euro. Besser sind die Aussichten nun auch beim Free Cashflow: Hier hat der Konzern nun 1,8 anstatt 1,4 Milliarden Euro auf dem Zettel. Verantwortlich für die höhere Prognose sind vor allem die DHL-Divisionen.

Die Investoren reagierten prompt. Die Aktien der Bonner  stiegen daraufhin zwischenzeitlich auf ein neues Rekordhoch von 41,66 Euro und überboten die alten Bestmarke aus dem Jahr 2017. Mit einem Plus von rund vier Prozent zählten damit auch zu den besten Werten deutschen Leitindex Dax. Auch die Aktienkurse von Konkurrenten wie UPS  oder Fedex  legten nach den Meldungen zu.

Parallel veröffentlichte der Konzern auch Eckdaten für das dritte Quartal. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) erreichte demnach 1,37 Milliarden Euro, nach 942 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Darin enthalten seien auch Sondereffekte: Zum einen die einmalige Bonuszahlung von 300 Euro für jeden Beschäftigten des Konzerns, die sich auf 170 Millionen Euro summiert; zum anderen eine Einmalzahlung für die Mitarbeiter der Sparte Post & Paket Deutschland im Rahmen der kürzlich beendeten Tarifverhandlungen, die rund 45 Millionen Euro ausmacht.

Den Free Cashflow konnten die Bonner im dritten Quartal von 507 Millionen im Vorjahr auf mehr als eine Milliarde Euro steigern. Die Sendungsmengen seien weiterhin auf einem hohen Niveau, heißt es. Der Konzern geht zudem von einem durch den Online-Handel getriebenen sehr starkes Weihnachtsgeschäft aus. "Unser Geschäft hat sich im dritten Quartal sehr gut entwickelt", kommentierte Post-Chef Appel die vorläufigen Zahlen. "Wir konzentrieren uns jetzt voll und ganz auf die Vorbereitungen für ein außergewöhnlich starkes Weihnachtsgeschäft."

In der Prognose für das Gesamtjahr enthalten sind weiterhin die Kosten für das Aus des Streetscooters , die sich in diesem Jahr auf 350 Millionen Euro belaufen. Im kommenden Jahr fallen demnach noch weitere 50 Millionen Euro an. Die endgültigen Zahlen für das dritte Quartal legt die Deutsche Post am 10. November vor.

Trotz Corona-Krise läuft es für die Post in den vergangenen Monaten gut. Vor allem das Paketgeschäft entwickelte sich positiv während der Pandemie. Die ursprüngliche Prognose für das Jahr 2020 hatte der Konzern wie viele andere Unternehmen zu Beginn der Krise zurückgezogen. Eigentlich hatte das Management ein Ebit von 5 Milliarden Euro für dieses Jahr angepeilt.

lhy
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