Paul Achleitners Nachfolger Krisenerprobt: Niederländer Wynaendts soll Aufsichtsrat der Deutschen Bank leiten

Alexander Wynaendts soll Chef des Aufsichtsrats der Deutschen Bank und damit Nachfolger von Paul Achleitner werden. Als ehemaliger Chef des Versicherers Aegon ist der Niederländer krisenerprobt. Er führte den Konzern durch eine Umstrukturierung mit etlichen Zu- und Verkäufen: Diese Erfahrung könnte ihm auch im neuen Job nützen.
Alexander Wynaendts: Er übernimmt 2022 den Job von Paul Achleitner als Chefkontrolleur der Deutschen Bank

Alexander Wynaendts: Er übernimmt 2022 den Job von Paul Achleitner als Chefkontrolleur der Deutschen Bank

Foto: Deutsche Bank / dpa

Der Niederländer Alexander Wynaendts (61) soll Aufsichtsratschef der Deutschen Bank werden. Das habe der Nominierungsausschuss des Kontrollgremiums beschlossen, wie die Deutsche Bank mitteilte. Auf der Hauptversammlung im kommenden Jahr solle Wynaendts zur Wahl gestellt werden. Es sei beabsichtigt, ihn im Anschluss zum Vorsitzenden des Kontrollgremiums zu wählen. Die Empfehlung zur Wahl Wynaendts stehe unter dem Vorbehalt einer Zustimmung des Aufsichtsratsplenums.

Wynaendts war bis Mai 2020 Chef der Versicherungsgesellschaft Aegon. Er hatte sein Amt im April 2008 angetreten, inmitten der weltweiten Finanzkrise. Nur wenige Monate nach Wynaendts' Beförderung wurde Aegon mit drei Milliarden Euro Staatshilfe gestützt. Wynaendts führte den Konzern durch eine Umstrukturierung mit etlichen Zu- und Verkäufen. Laut dem Finanzdatenanbieter Refinitiv war Aegon von 2012 bis 2020 an 87 Fusionen und Übernahmen rund um die Welt beteiligt. Diese Erfahrung könnte eine Rolle spielen, falls die Deutsche Bank die viel diskutierte Konsolidierung der Bankenbranche über einen Zusammenschluss mit Wettbewerbern angeht. Die Kapitaldecke von Aegon wurde auch durch sinkende Zinsen und zwischenzeitliche Verluste belastet. Der Aktienkurs von Aegon sank in Wynaendts' Amtszeit um 86 Prozent. Dennoch sah er die Gesellschaft am Ende "gut positioniert, um ihr volles Potenzial zu nutzen".

"Alex hat Erfahrung in Feldern, in denen die Deutsche Bank immer herausragte", schrieb Bankchef Christian Sewing (51) an die Mitarbeiter. Dazu zählte er das Geschäft mit Privat-, Firmenkunden, Kapitalmärkten und Vermögensverwaltung sowie das globale Netzwerk.

Aufsichtsrat bei Uber, Salesforce und Air France-KLM

Der als Sohn eines niederländischen Diplomaten in mehreren Ländern aufgewachsene Wynaendts studierte in Frankreich Elektroingenieurwesen sowie Volkswirtschaftslehre und begann seine Karriere 1984 bei der Bank ABN Amro. Vor seiner Berufung in den Vorstand baute er das Geschäft von Aegon unter anderem in Asien und Osteuropa aus. Der 61-Jährige sitzt in mehreren Aufsichts- und Verwaltungsräten, unter anderem bei der Citigroup, Uber, Salesforce und bei Air France-KLM. Den Posten beim Deutsche-Bank-Konkurrenten Citi soll er nun abgeben.

Norbert Winkeljohann soll Wynaendts als zweiter Vizechef mit seinem Netzwerk unterstützen

Zudem solle die Aufsichtsrats-Spitze um einen zweiten Vizechef erweitert werden. Neben dem Arbeitnehmervertreter Detlef Polatschek solle Norbert Winkeljohann (64) stellvertretender Aufsichtsratschef werden, teilte die Bank mit. Nach Informationen aus Finanzkreisen ist die Personalie auch gedacht, um die Kontakte des langjährigen Deutschlandchefs der Wirtschaftsprüfungsfirma PwC in Bundesregierung und Finanzbehörden zu nutzen.

Der Niederländer Wynaendts sei in Berlin und Frankfurt am Main bislang noch kaum vernetzt. Winkeljohann gehört seit 2018 dem Aufsichtsrat an und führt das Kontrollgremium von Bayer.

Achleitners Amtszeit läuft im Mai 2022 nach zehn Jahren an der Spitze des Kontrollgremiums aus. Er hat angekündigt, sich nicht zur Wiederwahl zu stellen. Deutschlands größtes Geldhaus sucht schon seit längerem nach einer Lösung.

In Achleitners zwei Amtszeiten an der Spitze des Kontrollgremiums fallen Milliardenverluste durch riskante Geschäfte im Investmentbanking, Geldwäscheskandale und zwei Chefwechsel. Drei Mal hatten Anleger versucht, den Österreicher abzusägen. Ihm werden vor allem fehlerhafte Personalentscheidungen angelastet. Allerdings wird er für die Berufung des aktuellen Vorstandschefs Sewing, der das Institut grundlegend neu aufstellt, von Anlegern und Aufsehern gelobt.

ak/la/reuters
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