Deutsche Bahn Zoff um Pofalla-Nachfolge

Bahn-Chef Lutz möchte seinen langjährigen Weggefährten Berthold Huber zum Vorstand für Infrastruktur machen. Der auserkorene Pofalla-Nachfolger stößt bei der Ampelkoalition auf Ablehnung, die zugleich verärgert über das Vorpreschen der Bahn-Spitze ist.
Die Drei von der Bahn: Infrastruktur-Vorstand Ronald Pofalla (rechts) hört zum 30. April auf. Bahn-Chef Richard Lutz (57, Mitte) würde gern mit Berthold Huber (59, amtierender Vorstand Personenverkehr) den Posten neu besetzen. Doch es regt sich Widerstand

Die Drei von der Bahn: Infrastruktur-Vorstand Ronald Pofalla (rechts) hört zum 30. April auf. Bahn-Chef Richard Lutz (57, Mitte) würde gern mit Berthold Huber (59, amtierender Vorstand Personenverkehr) den Posten neu besetzen. Doch es regt sich Widerstand

Foto: Bernd von Jutrczenka / dpa

Die Suche nach einem Nachfolger für den scheidenden Bahn-Manager Ronald Pofalla (62) eskaliert zum Streit. Am Dienstag war bekannt geworden, dass Bahn-Chef Richard Lutz (57) seinen langjährigen Vorstandskollegen Berthold Huber (59) als künftigen Manager des Bahnnetzes und damit als Nachfolger von Pofalla installieren will. Bei der Berliner Ampelkoalition stößt dieser Vorschlag jedoch auf Ablehnung. Viele Fachpolitiker der Koalition halten Huber für unqualifiziert.

Empörung gibt es zudem über das Vorpreschen von Lutz. Denn bisher haben weder die Koalitionäre noch Verkehrsminister Volker Wissing (51, FDP) über die Pofalla-Nachfolge entschieden. Die Beratungen dazu sollen erst kommende Woche stattfinden.

Bahn-Chef Lutz verspricht sich von seinem Vorschlag nach Ansicht von Kennern vor allem eine bequeme Lösung. Er kennt Huber aus vielen Jahren gemeinsamer Arbeit bei der Deutschen Bahn. In seiner aktuellen Position als Vorstand für Personenverkehr ist Huber für Lutz einer der engsten Kollegen. Huber hat in seinem Ressort allerdings zuletzt für viele negative Schlagzeilen gesorgt. Kritiker werfen ihm vor, in der Pandemie unnötig hohe Verluste eingefahren zu haben. Außerdem lasten sie ihm Verspätungsrekorde an.

Kritiker halten Huber für ungeeignet

Viele Fachleute der Koalition halten Huber für ungeeignet, die komplexe Infrastruktur der Bahn zu leiten. Ihm fehlten die spezifischen Kenntnisse, etwa beim Baustellen-Management. Zudem verfüge er nicht über die nötige politische Erfahrung, um das mit Staatsmilliarden finanzierte Bahnnetz voranzubringen. Besonders die Verwirklichung des geplanten Deutschlandtakts verlangt intensive Abstimmung mit Bundes- und Landespolitikern.

Auch Verkehrsminister Wissing ist laut Koalitionskreisen über den Vorstoß der Bahn-Spitze irritiert. Wissing hat sich vorgenommen, den Koalitionsvertrag umzusetzen. Die Infrastruktur der Bahn soll demnach zwar ein fester Bestandteil des DB-Konzerns bleiben, aber unabhängiger als bisher geführt werden. Außerdem soll die Sparte künftig die anderen Sparten der Bahn nicht mehr quersubventionieren. Es sei unwahrscheinlich, heißt es im Umfeld des Ministers, dass Huber als langjährigem Bahn-Verantwortlichen hier ein überzeugender Neuanfang gelingen könne.

Die Fraktionen der Ampelkoalition wollen in der kommenden Woche über die Pofalla-Nachfolge beraten. Die formale Entscheidung soll dann in einer noch nicht terminierten Sondersitzung des Aufsichtsrats fallen.