Nach Corona-Einbruch Deutsche Bahn will 2022 wieder Gewinn einfahren

Dank der Logistik-Tochter Schenker hat die Deutsche Bahn im Jahr 2021 ihren Verlust deutlich verringert. Konzernchef Richard Lutz blickt daher zuversichtlich nach vorne: In diesem Jahr will er wieder schwarze Zahlen erreichen.
"Menschen wollen Bahn fahren": Bahn-Chef Richard Lutz gibt sich optimistisch

"Menschen wollen Bahn fahren": Bahn-Chef Richard Lutz gibt sich optimistisch

Foto: Fabian Sommer / dpa

Die Deutsche Bahn will im laufenden Jahr die Zeit der Verluste hinter sich lassen. "Wir wollen ab 2022 wieder operativ schwarze Zahlen schreiben. Das ist ein ehrgeiziges, aber erreichbares Ziel", sagte Finanzvorstand Levin Holle am Donnerstag anlässlich der Bilanzpressekonferenz. In dieser Vorhersage seien die Unsicherheiten durch die russische Invasion in die Ukraine aber noch nicht eingeflossen. Der Umsatz soll 2022 auf mehr als 48 Milliarden Euro zulegen. Bahn-Chef Richard Lutz (57) zufolge ist die Bahn gut ins Jahr gestartet und es wurden mehr Fahrgäste und Güter als im Vorjahreszeitraum befördert. Das zweite Pandemie-Jahr habe gezeigt, dass die Menschen Bahn fahren wollten, sagte Lutz. "Die Unternehmen wollen mehr Verkehr auf die Schiene verlagern, und die Politik will diesen Weg weiter konsequent unterstützen."

Dank ihrer gewinnträchtigen Logistik-Tochter Schenker verringerte die Bahn ihren Verlust 2021 bereits deutlich und vermeldete zudem auch wegen gestiegener Passagierzahlen einen Umsatzrekord. Der Fehlbetrag reduzierte sich auf 900 Millionen Euro nach 5,7 Milliarden Euro im Coronajahr 2020. Der Betriebsverlust (Ebit) ging auf 1,6 Milliarden Euro nach 2,9 Milliarden zurück. Der Umsatz kletterte 18,4 Prozent auf zuvor nie erreichte 47,3 Milliarden Euro.

Rund 82 Millionen Reisende nutzten 2021 die Fernverkehrszüge und damit rund eine Million mehr als im Vorjahr – und das trotz der Flutkatastrophe im Ahrtal und in Nordrhein-Westfalen sowie den Streiks der Lokführer-Gewerkschaft GDL.

Logistik-Tochter Schenker punktet

In der Bilanz der Bahn glänzt vor allem die Logistik-Tochter Schenker. Das Unternehmen hatte schnell auf die Probleme bei den Lieferketten während der Corona-Krise reagiert und profitierte von den hohen Tarifen vor allem bei der Luft- und Seefracht. So heimste sie zu ihrem 150. Unternehmensjubiläum einen Rekordumsatz von 23 Milliarden Euro ein. Dies dürfte auch die Debatte über einen möglichen Verkauf befeuern. Finanzkreisen zufolge könnte für Schenker ein Erlös von bis zu 20 Milliarden Euro erzielt werden. Das würde dem Mutterkonzern guttun, der weiter auf einem Schuldenberg von fast 30 Milliarden Euro sitzt.

In Kürze steht bei der Bahn auch eine wichtige Personalveränderung an. Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla (62) verlässt den Staatskonzern zu Ende April. Wer dem früheren Kanzleramtschef, der auch für das umstrittene Milliarden-Projekt Stuttgart21 zuständig war, nachfolgt und dann die gesamte Infrastruktur aus Netz, Bahnhöfen und Energieversorgung verantwortet, ist noch unklar. Informationen von manager magazin zufolge wird um einen möglichen Nachfolger gegenwärtig hinter den Kulissen heftig gerungen.

Für Beständigkeit sorgte die Bahn an anderer Stelle. Erst am Mittwoch verlängerte der Aufsichtsrat die Verträge von Sigrid Nikutta (52), die den Güterverkehr leitet, und von Finanzchef Holle um jeweils fünf Jahre.

cr/Reuters, dpa-afx
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