Abgang nach rund drei Jahren Deutsche Bahn verliert Digitalchefin Sabina Jeschke

Nach rund drei Jahren verlässt Sabina Jeschke die Deutsche Bahn bereits wieder. Die Vorständin ist enttäuscht von den mangelnden Entfaltungsmöglichkeiten in dem Konzern.
Genug von der Wirtschaft? Sabina Jeschke war jahrelang in der Forschung tätig, bevor sie 2017 in den Vorstand der Deutschen Bahn einzog

Genug von der Wirtschaft? Sabina Jeschke war jahrelang in der Forschung tätig, bevor sie 2017 in den Vorstand der Deutschen Bahn einzog

Foto: dpa Picture-Alliance / Michael Kappeler/ picture alliance/dpa

Die Deutsche Bahn muss die Verantwortung für die Digitalisierung im Konzern neu regeln. Das zuständige Vorstandsmitglied Sabina Jeschke (52) verlässt nach gut drei Jahren das Staatsunternehmen, wie die Bahn am Donnerstag mitteilte . Jeschke gehe auf eigenen Wunsch und im besten freundschaftlichen Einvernehmen, hieß es weiter. Die Managerin wolle sich künftig stärker in die Start-up-Szene und in Hightech-Entwicklungen einbringen.

Jeschke ist seit November 2017 im Vorstand der Deutschen Bahn für den Bereich Digitalisierung zuständig. Die gebürtige Schwedin studierte Physik, Informatik und Mathematik an der TU Berlin und promovierte dort. Bis zu ihrem Wechsel zur Deutschen Bahn blieb sie der Forschung verbunden und wurde zur Expertin für künstliche Intelligenz.

Wie das manager magazin aus Konzernkreisen erfuhr, sei die Vorständin zunehmend enttäuscht und verärgert über mangelnde Entfaltungsmöglichkeiten gewesen. Ihr Abgang offenbart somit einmal mehr das Problem, dass die Führungsspitze der Deutschen Bahn offenbar mit Frauen in Führungspositionen hat. Zuvor hatte sich die Bahn-Spitze um Vorstandschef Richard Lutz (56) und Netzvorstand Ronald Pofalla (61) schon an Sigrid Nikutta, der Vorständin für den Güterverkehr, und an der ehemaligen Fernverkehrschefin Birgit Bohle (47) abgearbeitet.

Posten muss wieder mit einer Frau besetzt werden

Jeschkes Vorstandsposten wurde 2017 auf Druck der Politik geschaffen, die mit der Digitalisierung des Schienenkonzerns unzufrieden war. Die 52-Jährige sollte die Bahn spartenübergreifend ins digitale Zeitalter führen. Erst im vergangenen Januar wurde ihr mit dem Bereich Technik zusätzlich die Verantwortung für zwölf Werke, in denen 7500 Eisenbahner für die Instandhaltung der Züge sorgen, übertragen. Jeschkes Vertrag wurde erst im Dezember 2019 um weitere fünf Jahre verlängert.

Die Digitalisierung ist einer der zentralen Aufgaben der Bahn, die teilweise noch hundertjährige mechanische Stellwerke im Einsatz hat. Nur mit einer weitgehenden Digitalisierung gilt es als möglich, das Schienennetz so auszulasten, dass die auch wegen des Klimaschutzes angestrebten wachsenden Passagierzahlen und Gütermengen bewältigt werden können.

Die Bahn steht jetzt vor der Herausforderung, einen Vorstandsposten wieder mit einer Frau zu besetzen. Für den Staatskonzern gilt die Vorgabe einer Quote von 30 Prozent Frauen in dem Sieben-Personen-Gremium. Derzeit sind Jeschke und Nikutta die beiden einzigen weiblichen Vorstände.

mg, mac
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