Milliardenverlust nach sechs Monaten Personenverkehr ist für die Bahn ein Fass ohne Boden

Die Bahn kommt einfach nicht aus den roten Zahlen. Der Personenverkehr reißt im ersten Halbjahr ein Milliardenloch in die Bilanz. Jetzt kommen noch die Flutschäden und drohende Streiks hinzu. Die Schulden steigen auf 30 Milliarden Euro.
Geldvernichter: Die Bahn ließ während der Pandemie einen Großteil ihrer Personenzüge weiterfahren - und machte allein mit dieser Sparte mehr als eine Milliarde Euro Verlust

Geldvernichter: Die Bahn ließ während der Pandemie einen Großteil ihrer Personenzüge weiterfahren - und machte allein mit dieser Sparte mehr als eine Milliarde Euro Verlust

Foto: Johannes Simon/ Getty Images

Die Deutsche Bahn kommt in der Corona-Krise nicht aus den roten Zahlen. In den ersten sechs Monaten des Jahres steht unter dem Strich ein Minus von mehr als 1,4 Milliarden Euro, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch mit Verweis auf Konzerndokumente. Offiziell will die Bahn die Zahlen am Donnerstag vorstellen.

Nach den Angaben von Reuters ist vor allem der Fernverkehr mit ICE und IC für den Verlust verantwortlich. Hier habe sich ausgewirkt, dass die Bahn in der Pandemie ihre Züge auch auf Wunsch des Bundes ohne große Einschränkungen weiterfahren ließ. Die Auslastung der Züge lag zeitweise nur bei 20 Prozent, davor waren es mehr als 50 Prozent. Den Corona-Effekt auf den Umsatz der Sparte bezifferte das Unternehmen in den Unterlagen auf etwa 430 Millionen.

Töchter mildern Konzernverlust

Unter dem Strich stand allein im Fernverkehr ein Betriebsverlust von mehr als 1,1 Milliarden Euro. In diesem Ergebnis (Ebit) sind Zinszahlungen auf Kredite sowie Steuern noch nicht berücksichtigt. Dass der Betriebsverlust (Ebit) im Gesamtkonzern mit 975 Millionen Euro nur etwa halb so hoch wie im Vorjahreszeitraum ausfiel, war anderen Töchtern zu verdanken: Die weltweite Spedition Schenker machte deutlich mehr Gewinn und auch das Schienennetz verzeichnete ein Plus. Obwohl die angeschlagene Güterbahn DB Cargo noch gut 200 Millionen Euro Verlust einfuhr, war dies eine klare Verbesserung gegenüber 2020. Sie profitiert von neuer Nachfrage, da immer mehr Unternehmen Waren klimafreundlich transportieren lassen wollen.

Diese Effekte insgesamt spiegelten sich auch im Konzernumsatz, der den Unterlagen zufolge mit rund 21,8 Milliarden Euro mehr als zehn Prozent höher lag als im Vorjahreszeitraum. Nach bisherigen Angaben rechnet die Bahn für das Gesamtjahr 2021 mit einem Umsatz von 41 Milliarden sowie einem Betriebsverlust von zwei Milliarden Euro.

Das liegt nicht nur an Corona, die Lage bei der Deutschen Bahn war auch schon vor der Pandemie kritisch. Material- und Personalmangel drückten auf die Pünktlichkeit besonders im Fern-, aber auch im Güterverkehr. Die Schulden liegen inzwischen um die 30-Milliarden-Euro-Grenze und der Konzern braucht weitere Hilfe vom Eigentümer Staat. Als Corona-Hilfe und aus dem Klimapaket hatte die Bundesregierung mehr als zehn Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Wegen möglicher Benachteiligung von Bahn-Konkurrenten ist die EU-Kommission allerdings zögerlich mit der Genehmigung.

Reuters
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