Ronald Pofalla feiert Deal in Übersee Milliardenauftrag für gerüffelte Bahn-Tochter

In Kanada ergattert die zuletzt scharf kritisierte Bahntochter International Operations einen Auftrag, den der scheidende Vorstand Ronald Pofalla als "einmalig" bejubelt. Der deutsche Staatskonzern soll in Toronto das Netz modernisieren und Elektrozüge fahren lassen.
Letzte Runde: Bahnvorstand Ronald Pofalla ist nur noch wenige Tage im Amt

Letzte Runde: Bahnvorstand Ronald Pofalla ist nur noch wenige Tage im Amt

Foto: Christoph Soeder/ dpa

Die kanadische Großstadt Toronto und die Provinz Ontario haben einen Milliardenauftrag an ein Konsortium um die Deutsche Bahn vergeben. Das teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Demnach übernimmt die zuletzt scharf kritisierte Tochtergesellschaft Deutsche Bahn International Operations innerhalb eines Joint Ventures Planung, Betrieb und Instandhaltung eines 450 Kilometer langen Nahverkehrsnetzes. Das Auftragsvolumen soll insgesamt bei umgerechnet rund 15 Milliarden Euro liegen, offiziell sprach die Bahn nur von einem Umfang im zweistelligen Milliardenbereich. Der Vertrag läuft 25 Jahre. In dieser Zeit soll das Streckennetz komplett modernisiert, digitalisiert und erweitert werden – und die vorrangig Dieselgetriebenen Züge sollen elektrifiziert werden.

Für den scheidenden Bahn-Vorstand Ronald Pofalla (62) dürfte sich das fast wie ein Abschiedsgeschenk anfühlen. In einem internen Bericht hatte zuletzt der Bundesrechnungshof die Geschäfte der unter seiner Verantwortung agierenden Bahntochter scharf kritisiert . Die Einheit für prestigeträchtige Geschäfte außerhalb Europas gilt als Lieblingsprojekt Pofallas. Seit ihrer Gründung 2017 hatte sie allerdings erst zwei eher mickrige Aufträge in den Vereinigten Arabischen Emiraten und Uruguay an Land ziehen können und mit Millionenverlusten das Milliardenloch der Bahn vergrößert.

"Das Verkehrsprojekt gilt als das bedeutendste in der Geschichte Kanadas", erklärte Pofalla, dessen eigener Vorstandsvertrag nur noch bis Ende April läuft. Der Auftrag sei "einmalig". In Europa und Deutschland gebe es nichts Vergleichbares. "Der enorme Technologie- und Wissenstransfer und die Erfahrungen, die wir in Kanada sammeln, kommen der Eisenbahn in Deutschland unmittelbar zugute. Auch die Gewinne fließen in unser deutsches Netz."

Wie viel am Ende wirklich von den Milliarden beim deutschen Staatskonzern hängen bleibt, ist naturgemäß noch unklar. Die Bahntochter wird das Konsortium anführen. Der Alstom-Konzern wird die neuen Elektrolokomotiven liefern, das Stromsystem und die Oberleitungen. Außerdem sind Kanadas größter, börsennotierter Baukonzern – die Aecon Group – und der spanische Baukonzern FCC Construcción beteiligt. Bereits direkt nach Vertragsunterzeichnung sollen die Bauarbeiten und die Vorbereitungen für den späteren Betrieb starten. Ab 2025 will die Bahn dann den operativen Betrieb des Streckennetzes übernehmen.

lhy/dpa