Probebetrieb in Tübingen Deutsche Bahn bringt Wasserstoffzüge auf die Schiene

Die Deutsche Bahn hat sich vorgenommen, bis 2050 klimaneutral unterwegs zu sein. Ein Weg dahin soll der Betrieb der Züge mit Wasserstoff sein. Zughersteller Siemens wittert das große Geschäft.
Grüner unterwegs: Die Deutsche Bahn muss ihre Loks umrüsten

Grüner unterwegs: Die Deutsche Bahn muss ihre Loks umrüsten

Foto:

Siemens

Die Deutsche Bahn will einen mit Wasserstoff betriebenen Zug von Siemens ein Jahr lang testen. Ein elektrischer Regional-Triebzug mit Brennstoffzellen soll 2024 im Raum Tübingen in Baden-Württemberg in den Probebetrieb gehen, wie die Partner am Montag ankündigten. Der Zug soll eine Reichweite von 600 Kilometern haben.

Die Bahn hat sich vorgenommen, bis 2050 klimaneutral unterwegs zu sein. Dafür sollen untere anderem die konventionellen Dieselzüge ausgetauscht werden. Bis dahin ist es allerdings noch ein langer Weg. Knapp 40 Prozent des 33.000 Kilometer langen DB-Netzes sind bisher nicht elektrifiziert. Besonders auf Regionalstrecken fahren daher oft Dieseltriebwagen.

Der Chef der Siemens-Zugsparte, Michael Peter (54), wittert hier das große Geschäft. "Wir sehen in Europa ein Marktpotenzial von 10.000 bis 15.000 Triebzügen, die in den nächsten zehn bis 15 Jahren ausgetauscht werden", so Peter. Ein Zug des Typs Mireo Plus koste je nach Ausstattung fünf bis zehn Millionen Euro. "Das ergibt in Europa ein Marktpotenzial von 50 Milliarden bis 150 Milliarden Euro." Allein bei der Bahn müssen nach Angaben von Technik-Vorstand Sabina Jeschke (52) 1300 Dieseltriebzüge ersetzt werden.

Energiequellen können kombiniert werden

Offen ist jedoch, ob sich auf den nicht elektrifizierten Strecken Fahrzeuge mit Wasserstofftanks oder solche mit Batterien durchsetzen. Siemens verfolgt deswegen mehrere Optionen. "Der Strom kommt entweder aus der Oberleitung, aus der Batterie oder aus der Brennstoffzelle", erläuterte Peter. "Aufgrund unserer Modulbauweise können wir diese Energiequellen im Fahrzeug je nach Kundenwunsch kombinieren."

Der Konzern sieht sich damit im Vorteil gegenüber dem Rivalen Alstom, der in Deutschland bereits eine Reihe von Regionaltriebzügen mit Wasserstoff-Brennstoffzellen verkauft hat. Während Alstom sein Modell Coradia iLint aus einem Dieselfahrzeug entwickelt hat, kann sich der Siemens-Zug auf elektrifizierten Streckenabschnitten auch aus der Oberleitung versorgen, um zu fahren und um die Batterie zu laden.

Die Bahn testet bereits auf Strecken ohne Stromanschluss Hybrid-Loks mit Diesel und Batterie. Experimentiert wird auch mit sogenanntem Öko-Diesel aus Altfetten. Denn auch mit Strom sind die Züge nicht sauber unterwegs. Der Ökostrom-Anteil im Bahnstrom liegt derzeit bei 60 Prozent. Für 2038 werden 100 Prozent angestrebt.

Für den Tübinger Wasserstoffzug rüstet die Bahn das Instandhaltungswerk Ulm um und entwickelt eine mobile Wasserstofftankstelle. Der Wasserstoff solle in Tübingen mit Ökostrom hergestellt werden. Der Zug werde ein Jahr lang einen Dieseltriebwagen zwischen Tübingen, Horb und Pforzheim ersetzen, hieß es. Das ermögliche es, 330 Tonnen Kohlendioxid im Jahr einzusparen.

mg/Reuters/dpa-afx
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.