Streit mit Verkehrsminister Wissing Bahn-Chefkontrolleur Odenwald tritt zurück

Krach bei der Deutschen Bahn: Chefkontrolleur Michael Odenwald legt offenbar im Streit mit Bundesverkehrsminister Volker Wissing sein Amt nieder. Kurz zuvor hatte der Aufsichtsrat noch einen umfangreichen Umbau im Vorstand genehmigt.
Schmeißt hin: Aufsichtsratschef Michael Odenwald

Schmeißt hin: Aufsichtsratschef Michael Odenwald

Foto: Pablo Castagnola / DPA

Der Bund als Eigentümer der Deutsche Bahn muss einen neuen Chefkontrolleur für den Staatskonzern suchen. Der Aufsichtsratsvorsitzende Michael Odenwald (64) lege sein Mandat Ende Juli 2022 nieder, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Dies habe der Manager während einer turnusmäßigen Sitzung des Kontrollgremiums in Potsdam erklärt.

Der Jurist und ehemalige Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium leitet das Gremium seit April 2018 und war noch bis März 2025 bestellt. Er ist seit 2012 Mitglied des Aufsichtsrates. "Nach zehnjähriger Arbeit im Aufsichtsrat ist es Zeit für einen Wechsel", ließ sich Odenwald zitieren.

Wie das Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL berichtet, habe sich Odenwald über eine Pressekonferenz von Bahn-Chef Richard Lutz (58) und Verkehrsminister Volker Wissing (52, FDP) geärgert. Die beiden hatten tags zuvor ein Baustellenkonzept vorgestellt, um auf die eklatanten Verspätungen im Fernverkehrsnetz der Deutschen Bahn zu reagieren. Der Plan sieht eine sogenannte Koordinierungsstelle im Verkehrsministerium vor, die sicherstellen soll, dass das Konzept wirklich umgesetzt hat. Die Kontrollinstanz könnte man als Misstrauensbeweis für den Aufsichtsrat und dessen Chef Odenwald betrachten, der vom Aktienrecht eigentlich für die Kontrolle der Bahn zuständig ist. Allerdings hatte es auch Kritik aus Reihen der Ampelkoalition an Odenwald gegeben.

Eine Sprecherin des Verkehrsministers teilte später mit, dass Wissing die Entscheidung Odenwalds akzeptiere und respektiere. Die Leistung Odenwalds im Aufsichtsrat in den vergangenen turbulenten Jahren verdiene hohe Wertschätzung. Die Bahn stehe vor großen Herausforderungen, die der Minister mit einem neuen Konzept gemeinsam mit dem Vorstand entschlossen angehen werde.

Sollte bis zum Weggang Odenwalds kein Nachfolger gefunden werden, wird zunächst sein bisheriger Stellvertreter, der Chef der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), Klaus-Dieter Hommel (65), den Vorsitz des Aufsichtsrats übernehmen.

Huber übernimmt von Pofalla, dritte Frau im Vorstand

Zuvor hatte die Deutsche Bahn einen Umbau des Vorstands bekannt gegeben. Bahnvorstand Ronald Pofalla (63) verlässt das Unternehmen wie geplant, das von ihm bislang geleitete Infrastrukturressort wird ab dem 1. Juli der bisherige Personenverkehrsvorstand Berthold Huber (59) übernehmen, hieß es in der Mitteilung.

Für Huber rücken gleich zwei Neue in den Vorstand nach: Die bisherige Finanzchefin der Bahn-Tochter DB Fernverkehr, Evelyn Palla (49), wird im Leitungsgremium ebenfalls ab dem 1. Juli den neu geschaffenen Bereich Regionalverkehr verantworten. Sie ist damit neben Sigrid Nikutta (53), zuständig für den Güterverkehr, und Digitalisierungsvorständin Daniela Gerd tom Markotten die dritte Frau im jetzt achtköpfigen Gremium. DB-Fernverkehrschef Michael Peterson leitet das ebenfalls neue Fernverkehrsressort.

Der Aufsichtsrat hat der Neuaufstellung auf seiner Sitzung am Donnerstag zugestimmt. "Das Team DB steht – jünger und weiblicher als je zuvor", sagte Lutz. "Ich freue mich sehr, dass der Vorstand sofort an die Arbeit gehen kann."

Um die Personalie Huber war zuvor ein Streit zwischen der Bahn-Spitze und der Ampelkoalition entbrannt. Viele Fachpolitiker der Koalition hielten Huber für unqualifiziert. Kritiker werfen ihm vor, in der Pandemie unnötig hohe Verluste eingefahren zu haben. Außerdem lasten sie ihm Verspätungsrekorde an. Für Überraschung sorgte daher besonders, dass sein Vertrag um fünf Jahre verlängert wurde. Für Bahnchef Lutz ist Huber vor allem eine bequeme Lösung. Er kennt Huber aus vielen Jahren gemeinsamer Arbeit bei der Deutschen Bahn.

mg/dpa-afx, Reuters
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