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Iveco Massif Der Stahlriese

mm-Tester Tietje hatte in schwerem Gelände viel Spaß mit dem robusten Allradler.
aus manager magazin 11/2008

Soll keiner BEHAUPTEN, wir hätten Mensch oder Material geschont", sagt Alexander Tietje und greift nach dem kleinen Hebel auf dem Mitteltunnel des Iveco Massif. Damit lässt sich der Allradantrieb zuschalten und anschließend die spezielle Geländeübersetzung einlegen. Der Tester geht gleich aufs Ganze.

Alexander Tietje kennt das Marktumfeld des Massif, des jüngsten Modells der Nutzfahrzeugmarke Iveco: Tietje leitet die Geschäftsführung bei Kögel, einem der weltweit führenden Hersteller von Sattelaufliegern für Lkw.

Ein Nutzfahrzeug ist auch der Massif: Ein reinrassiger Geländewagen, das Gegenteil von Schickimicki. Der schnörkellose Aufbau sitzt fest auf einem Leiterrahmen, die Achsen werden von raffiniert angeordneten Blattfedern geführt. Unter der Haube dieselt ein wuchtiger Vierzylinder mit Turboaufladung. Zusammen mit dem legendären Land Rover Defender ist der Iveco Massif somit einer der Letzten seiner Art. Nur die Frontpartie, gestaltet vom italienischen Designstudio Giugiaro, verrät, dass den Massif auch Menschen kaufen dürfen, die mit Messer und Gabel essen.

Die Testfahrt führt zunächst über den unbefestigten Teil von Ivecos Versuchsgelände auf der Schwäbischen Alb. Dort gibt es Steilstrecken, die direkt in den Himmel zu führen scheinen, und Spurrinnen, die hangwärts nach außen stark abfallen, knietiefe Pfützen und Abstürze mit tückischem Morast, in dem der 2,2 Tonnen schwere Massif abschmiert wie ein brünftiger Keiler im Hormonrausch.

Dem eifert nun auch Alexander Tietje nach. Zunächst erprobt er die Steigfähigkeit des Allrads. Das mächtige Drehmoment seines Dieselaggregats lässt den Massif auch die steilste Steigung erklimmen - nur mit Standgas! Bei den Abstiegen leistet die Motorbremse so gute Arbeit, dass das Bremspedal nahezu unberührt bleibt.

Dann testet Tietje das Fahrwerk. Immer schneller jagt der 45-Jährige durch die harten Bodenwellen - doch nicht mal im vierten Gang verliert der große Geländewagen die Bodenhaftung. Bei aller Waghalsigkeit und trotz der schwierigen Strecke - das Steuern "artet nie in Arbeit aus", lobt der Tester. "Im Gegenteil", sagt Tietje und grinst breit. "Sich so mühelos und so sicher über Stock und Stein zu bewegen hat einen hohen Suchtfaktor!"

Für den zweiten Teil der Probefahrt geht es in einen benachbarten Steinbruch. Auf dem Weg dorthin checkt der Tester kurz die rustikale Einrichtung des Massif: "Alles da, was man braucht", sogar eine Klimaanlage - "und alles am richtigen Platz." Nur der Schalter für die Differenzialsperre, findet Tietje, sehe aus "wie der Knopf für den Bombenabwurf in einem Militärflugzeug".

Wie notwendig die Diffenzialsperre ist, zeigt sich prompt während des Rangierens auf großen Felsbrocken, als der Massif plötzlich mit zwei Rädern in der Luft steht. Ein Druck auf den "Bombenknopf", dann ein beherztes Manöver, schon steht der große Geländewagen wieder sicher. Allerdings, moniert der Tester, sei dessen Wendekreis recht groß.

Dennoch fällt Alexanders Tietjes Bilanz positiv aus: "Ein hoher Nutzwert im Gelände wie auf der Straße", resümiert er - der Massif soll bis zu 3,5 Tonnen Anhängelast bewältigen -, "verlässliche Technik und eine stabile Verpackung."

Kaufen würde er den klobigen Klotz dennoch nicht. Falls Tietje, der dienstlich einen BMW 535 Touring fährt, tatsächlich mal ins Gelände will, dann holt er seinen Land Rover aus der Garage, Baujahr 1965. Michael O. R. Kröher

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