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Der Pannen-Visionär

Fundus-Gruppe: Fondsmulti Jagdfeld trieb seine Firmen mit schweren Fehlern in die Krise.
Von Jonas Hetzer
aus manager magazin 8/2002

Mit dem Normalmaß hat sich Anno August Jagdfeld (55) noch nie zufrieden gegeben. Statt bloßem Beton verkauft der Kölner Bauunternehmer lieber Visionen. "Nicht selten", sagt er, "habe ich mich in Bereiche vorgewagt, die andere gemieden hätten."

Gern trug er bei seinem Tun etwas zu dick auf. Ob bei der Berliner Edelherberge "Adlon", dem klassizistischen Luxus-Ferienresort Heiligendamm an der Ostsee oder dem Büropalast "Pyramide" in Berlin - stets gerieten Jagdfelds Bauwerke ein wenig zu ausladend, fast immer einen Tick zu protzig.

Finanziert hat Jagdfeld die Prestigeobjekte zumeist mit dem Geld anderer Leute. Rund fünf Milliarden Euro hat seine Firma Fundus seit 1975 bei 56 000 Zeichnern von 34 geschlossenen Fonds eingesammelt.

Ein schöner Erfolg. Doch inzwischen scheint das Glück den Immobilienmogul verlassen zu haben. Das Geschäft brach binnen zwei Jahren um 75 Prozent ein (siehe Grafik unten).

Weil er über seinen Visionen offenbar ein paar kaufmännische Grundregeln vergaß, beging Jagdfeld schwer wiegende Fehler. Seine Firmengruppe manövrierte er inzwischen immer weiter in die Krise.

Jetzt verärgert er sogar seine Altanleger - darunter Stammkunden, die ihm bisher vertrauten und die er für künftige Projekte braucht. Die Zeichner der Fundus-Fonds 28 und 29 müssen ihm insgesamt knapp sieben Millionen Euro zurückzahlen - Mittel, die Jagdfeld an beide Fonds für Mietausfälle in teilweise leer stehenden Büro- und Geschäftshäusern in Berlin und Leipzig gezahlt hatte.

Das Geld sei zu Unrecht geflossen, argumentiert Jagdfeld nun. Die Ausgleichszahlungen für fehlende Mieteinnahmen seien "irrtümlich" zu hoch ausgefallen, weil das Controlling "nicht richtig funktioniert" habe.

Die Anleger indes fühlen sich verschaukelt. Einige sind überzeugt, die Zahlungen hätten den Fonds gemäß Verkaufsprospekt in voller Höhe zugestanden. Sie prüfen nun rechtliche Schritte gegen Fundus.

Ganz gleich, zu welchem Ergebnis die Juristen kommen - Jagdfelds peinliche Erklärung, die den Schluss nahe legt, dass er sein Unternehmen nicht im Griff hat, dient offenbar nur einem Zweck: Der Immobilien-Tycoon will womöglich der Vermutung entgegentreten, er sei in finanziellen Schwierigkeiten. Geldnöte habe Jagdfeld nicht, heißt es bei Fundus.

Weiteres Ungemach droht ihm zudem von früheren Vertragspartnern. Das Land Berlin und der Bund prüfen Schadenersatzansprüche gegen eine Projektgesellschaft aus Jagdfelds Firmenimperium.

Das Unternehmen hatte im Herbst 2000 den Zuschlag für den Kauf des Cumberland-Hauses am Berliner Kurfürstendamm, eines ehemaligen Hotels im Besitz von Bund und Land, bekommen. Den vereinbarten Preis, gut 80 Millionen Euro, wollte oder konnte Jagdfeld aber nicht zahlen.

Sein Finanzierungskonzept war nicht aufgegangen. Zwar gab es angeblich einen Pachtvertrag mit der Hotelkette Kempinski, der über die Jahre genügend Geld in die Kasse gebracht hätte.

Doch im März 2001 sei der Übernachtungsriese plötzlich abgesprungen, lamentierte Jagdfeld. Einen anderen Betreiber, der genügend Pacht gezahlt hätte, um den Kaufpreis für die geplante Herberge zu finanzieren, fand er nicht. Deshalb machte er den Kaufvertrag schließlich rückgängig.

Im Frühjahr 2002 wurde der 1912 errichtete Bau abermals zum Verkauf ausgeschrieben. Statt 80 Millionen dürften bei der neuerlichen Ausschreibung nach Expertenschätzung nicht mehr als 50 Millionen Euro zu erzielen sein. Die Differenz von womöglich 30 Millionen Euro könnten Bund und Land von dem rheinischen Visionär fordern.

Jagdfeld indes dürfte sich hüten, Kempinski für den Flop in Regress zu nehmen, ist er doch auf die Hotelkette angewiesen. Zur Jahreswende soll der Ferienpark Heiligendamm, in den private Investoren bislang über 100 Millionen Euro steckten, die ersten Gäste empfangen. Betreiber des Prestigeobjekts: Kempinski.

Ohne die renommierten Hotelliers, meinen Branchenbeobachter, geriete der Erfolg des Prunkbades aus der Kaiserzeit in Gefahr.

Für Jagdfeld eine Horrorvision. Sein mühsam aufgebautes Image des wagemutigen Visionärs könnte sich schnell ins Gegenteil verkehren: in das des gescheiterten Hasardeurs.

Jonas Hetzer

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