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Sal. Oppenheim Der Maurer und die Bank

Die Geschicke der größten europäischen Privatbank werden wesentlich von einem Mann gelenkt, der lieber im Verborgenen wirkt.
aus manager magazin 9/2005

Zwei schicksalhafte Begegnungen widerfuhren Matthias Graf von Krockow (56) in seinem Leben. Die erste führte den heutigen Chef des Kölner Bankhauses Sal. Oppenheim mit einer Frau zusammen, die zweite mit einem Mann. Beide begleiten seinen Weg noch immer.

"Um möglichst schnell reich zu werden", studierte Krockow, Angehöriger eines verarmten preußischen Adelsgeschlechts, einst in Köln Betriebswirtschaft, Schwerpunkt Bankbetriebslehre.

Mit dem angestrebten Wohlstand klappte es: Krockow kam seiner Kommilitonin Ilona ("Illa") Baronin von Ullmann (heute 51) näher. Die Heirat mit der Ururururenkelin des Bankgründers Salomon Oppenheim verhalf ihm später an die Spitze des größten privaten Geldinstituts in Europa (mehr als 25 Milliarden Euro Bilanzsumme); der Familie von Ullmann gehört knapp ein Drittel der Bank (siehe Stammbaum Seite 40).

Mitte der 80er Jahre wurde Krockow in Köln mit dem Troisdorfer Bauunternehmer Josef Esch (48) bekannt gemacht. Krockow war gerade in die Bank eingetreten, nachdem er fünf Jahre lang in New York dem Finanzmagnaten David Rockefeller senior als Assistent gedient hatte. Esch hingegen, weiland Deutschlands jüngster Maurerpolier, begann damals seine Karriere als erfolgreichster Immobilienentwickler der Republik.

Der Bankier und der Maurer verstanden einander auf Anhieb; bald duzten sie sich. Heute sind die Eschs und die von Ullmanns Nachbarn auf Ibiza. Und Esch ist der mit Abstand wichtigste Geschäftspartner der Privatbank. Mehr noch: Er greift massiv in das Geschehen bei Sal. Oppenheim ein.

Die Geschicke des Geldhauses und des Ehepaares Krockow sind auf vielfältige Weise mit denen des Josef Esch verknüpft - auf Gedeih und Verderb. Denn der öffentlichkeitsscheue Esch

m versteht es wie kein Zweiter, steuersparende Immobilienfonds für die wohlhabende Oppenheim-Klientel zu konzipieren - mittlerweile hat er mehr als 70 Projekte verwirklicht, für die rund vier Milliarden Euro eingesammelt wurden;

m besitzt das Vertrauen von gut einem Dutzend der reichsten Familien Deutschlands, die ihr gesamtes Vermögen von ihm persönlich verwalten lassen; von den zig Milliarden Anlagegeldern profitiert nicht zu knapp Sal. Oppenheim;

m hält gemeinsam mit dem Bankhaus Anteile an rund einem halben Dutzend Firmen - neben den Immobiliendienstleistern der Oppenheim-Esch-Gruppe das Sicherheitsunternehmen Consulting Plus; eine Charterfluggesellschaft namens Challenge-Air gehört Esch und Krockow persönlich;

m sorgt mit alledem für einen großen Teil des operativen Gewinns der Bank, angeblich soll es fast die Hälfte sein;

m pflegt darüber hinaus eine enge Beziehung zum Oberhaupt des mächtigsten Aktionärsstammes der Bank, Karin Baronin von Ullmann (83). Die Schwiegermutter Krockows lässt nicht nur ihr Vermögen von Esch verwalten, sondern hat ihn auch als Testamentsvollstrecker eingesetzt; folglich wird er dereinst das größte Anteilspaket von Sal. Oppenheim verwalten - und damit womöglich über Krockows Zukunft mitbestimmen.

Schon seit langem ist der Bankier dem Bauunternehmer zu tiefstem Dank verpflichtet. Die Erträge aus dem Esch-Geschäft haben mit dazu beigetragen, Krockow an die Spitze der Bank zu hieven und seine Position dort zu festigen.

Josef Esch ist ein wahrhaft einflussreicher Mann - zu einflussreich, meinen viele, die das Bankhaus gut kennen. Er redet und gestaltet mit, ohne jedoch als persönlich haftender Gesellschafter in der Verantwortung zu stehen.

Die Kritiker der Achse Oppenheim-Esch sprechen von unabsehbaren Risiken, die durch die Verquickung der Geschäftsinteressen entstünden. Zwar ergänzen sich das Renommee und die Kundenverbindungen des Bankhauses mit dem Genius des Immobilienprofis zu einem idealen Geschäftsmodell. Doch was würde dem Institut passieren, fragen die Skeptiker, wenn Esch etwas passierte?

Welche Folgen hätte es für das Ansehen der Bank, wenn einer der Oppenheim-Esch-Immobilienfonds sich als Totalverlust erwiese? Und wie wollte die Bank ihre zahlreichen dividendenhungrigen Einzelgesellschafter alimentieren, wenn plötzlich die Gewinne aus dem von Esch herangeschleppten Geschäft ausblieben?

Offiziell will sich die Bank zu alledem nicht äußern. Bei früheren Gelegenheiten hatte Krockow, seit 1998 Sprecher der persönlich haftenden Gesellschafter, stets abgewiegelt. Die Abhängigkeit des Bankertrags von Esch sei bei weitem nicht so hoch, wie oft behauptet.

Die Oppenheim-Esch-Fonds, warf Krockow zudem gern ein, könnten nicht Pleite gehen, weil sie nur mit Eigenkapital arbeiteten. Eine Tatsache, die einen Totalverlust für die Anleger nicht weniger schmerzhaft machen würde - zumal viele ihr eingezahltes Kapital zum Teil fremdfinanziert haben, um die Steuerersparnis zu maximieren. Der Fall der Fälle wäre ein Super-Gau für die Bank.

Auch das Risiko, das mit einem Ableben der Schlüsselperson Esch verbunden sei, spielte Krockow herunter. Die Fonds würden ja weiterlaufen, das Geschäft mit den reichen Kunden auch. Und dass mit Eschs Anteilen an den gemeinsamen Unternehmungen kein

Unfug geschehe, dafür stehe er, Krockow, persönlich: als Eschs Testamentsvollstrecker.

Aber über solch jen- und angeblich abseitige Szenarien will keiner der Beteiligten reden. Ihre Köpfe stecken tief im Sand: Solange es Esch gut geht, geht es der Bank gut, geht es Krockow gut.

Wo liegt das Geheimnis des Josef Esch? Seine Bewunderer - zu denen neben Krockow auch dessen Vorgänger als Oppenheim-Chef, Karl Otto Pöhl (75), zählen soll - loben die einzigartige Kombination aus Geschäftssinn, Verantwortungsgefühl und Selbstaufopferung.

Esch führt das wohl perfekteste "Family Office", das Deutschlands Vermögensverwalter zu bieten haben. Für seine Klientel tut er all das, wofür sich die vornehmen Bankiers zu fein sind.

Wenn ein Kunde ernsthaft krank wird, findet "der Josef" (Krockow) den angesehensten Spezialisten oder die beste Klinik. Notfalls schickt er eine Maschine seiner Challenge-Air, um den Patienten abzuholen. In der Schweiz harrte er einmal drei Tage am Krankenbett der Ehefrau des Schuhhändlers Heinz-Horst Deichmann (78) aus, als die eine neue Hüfte bekam.

Der gute Mann von Troisdorf, der auf Grund seiner Wohltaten für die Bank von einigen - halb scherzhaft, halb ehrfürchtig - "heiliger Josef" genannt wird, hilft auch bei weniger vitalen Problemen. Etwa, wenn die Kinder der Reichen ein Popkonzert besuchen wollen, zu dem es auf üblichem Weg keine Karten mehr gibt. Esch besorgt alles.

Seine Kunden nimmt er auch gern mit auf Golftouren; selbst frönt er dem Sport mit seiner Ehefrau Irma (64) im Golfclub Eifel in Hillesheim. Gelegentlich werden Geschäftspartner zur Jagd auf das Schloss derer von Krockow nach Polen gebeten. Der Graf hat den einstigen Familiensitz zurückgekauft und herrichten lassen. Verwalter war dort ehedem ein Angehöriger niederen Standes: der Großvater des früheren Deutsche-Bank-Chefs Hilmar Kopper (70).

Bei aller Pflege, die Esch seinen Kunden angedeihen lässt, gerät fast zur Nebensache, dass auch die Milliarden der Klientel bei ihm gut aufgehoben sind - jedenfalls bislang. Wer dem Bauunternehmer die Gesamtvermögensverwaltung (GVV) anvertraut, muss nur einmal unterschreiben - bei Esch. Der wiederum steckt das Geld zum Teil in die von ihm initiierten geschlossenen Immobilienfonds, zum anderen Teil in Anlagen, die das Bankhaus anbietet.

Mit manchen seiner Kunden betreibt Esch sogar gemeinsame Firmen. Besonders eng ist die Beziehung zum Hause KarstadtQuelle. So ist Großaktionärin Madeleine Schickedanz (61), die ihren Vertrauten Esch auch als Testamentsvollstrecker eingesetzt hat, mit einem Drittel an einer der vielen Oppenheim-Esch-Gesellschaften beteiligt.

KarstadtQuelle-Vorstandschef Thomas Middelhoff (52) und seine Frau Cornelie (52), zwei der ärmeren unter Eschs Mandanten, halten gemeinsam mit dessen Ehefrau Irma eine Anlagegesellschaft namens Meav-GmbH, die als Sitz die Adresse der Esch-Hauptverwaltung angibt. Middelhoff ist zudem an Oppenheim-Esch-Fonds beteiligt, die Warenhausimmobilien an seinen Arbeitgeber KarstadtQuelle vermieten (siehe mm 5/2005) - eine nicht unproblematische Interessenverquickung.

Seinen GVV-Klienten garantiert Esch einen bestimmten Prozentsatz an Rendite. Damit er das Versprechen einhalten kann, leistet auch die Bank ihren Beitrag. "Strategischen" - also wichtigen Kunden - zahlt Sal. Oppenheim, so ist zu hören, derzeit auch schon mal Festgeldzinsen von 5 Prozent jährlich.

Was die Bank an der einen Stelle ausgibt, holt sie sich an anderer Stelle zurück - etwa bei den weichen Kosten der Fonds, den ebenso intransparenten wie kostspieligen Dienstleistungen, die

jeder Fondsinitiator seinen Anlegern in Rechnung stellt. Sal. Oppenheim profitiert davon in Form üppiger Dividenden, die die gemeinsame Gesellschaft Oppenheim-Esch überweist. Die Kunden wiederum können den Aufwand steuerlich absetzen und so ihre Fiskalschuld bis an die Grenze des Erlaubten drücken.

Der Staat zahlt wohl auch auf andere Weise drauf. In vielen Fällen tritt der öffentliche Bereich als Hauptmieter der Fondsobjekte oder als Garantiegeber auf. Der Verdacht, dass zu Lasten der Steuerzahler zu hohe Mieten berechnet werden, liegt besonders auf Kölner Grund und Boden nahe; der Filz zwischen Honoratioren der Stadt, der von der Kommune mitgetragenen Sparkasse KölnBonn, der Esch-Gruppe und dem Bankhaus Sal. Oppenheim ist fast undurchdringlich.

Beispielsweise hat das Esch-Objekt Coloneum, das so genannte Medienzentrum in Köln-Ossendorf, große Probleme mit der Auslastung. Der Sender RTL schlug das Angebot aus, auf das abgelegene Gelände zu ziehen.

Bislang leiden die Fondszeichner nicht unter der Misere, denn die Hauptmieterin, die Magic Media Company (MMC), hat ihnen eine zehnjährige Mietgarantie gegeben. Die Verluste aus dieser Gewährleistung sollen sich bis zum Jahr 2008 auf 80 bis 100 Millionen Euro belaufen. Mitgesellschafterin der MMC ist neben RTL und ProSiebenSat.1 die Sparkasse KölnBonn.

Was aber wird, wenn 2008 die Mietgarantie ausläuft? Wenn sich die Auslastung bis dahin nicht dramatisch bessert, müsste der Bilanzwert für das Coloneum drastisch sinken - mit empfindlichen Folgen für die Renditekalkulation des Fonds. Denn der Wiederverkaufswert einer Immobilie nach 20 oder 30 Jahren spielt eine wesentliche Rolle für die Gesamtrechnung.

Ein anderes Esch-Objekt, die 1998 eingeweihte Kölnarena, hätte bereits leicht zum Katastrophenfall für Esch und Sal. Oppenheim werden können. Die Entstehung des Komplexes, ein riesiger Veranstaltungsdom mit angeschlossenem technischen Rathaus der Stadt Köln, gibt einen veritablen Skandal ab.

Mitte der 90er Jahre suchte der wankende Baukonzern Holzmann dringend Beschäftigung und erbot sich, wenn er denn die Halle bauen dürfte, als Betreiber aufzutreten und eine hohe Pacht an den Bauherrn, einen Oppenheim-Esch-Fonds, zu zahlen. Aber kurz nachdem die Kölnarena eingeweiht worden war, stand Holzmann vor der Insolvenz.

Quasi über Nacht schaffte Esch einen neuen Betreiber heran - eine GmbH, an der neben ihm selbst und seiner Frau Bankchef Krockow und Ehefrau Ilona sowie weitere persönlich haftende Gesellschafter der Bank beteiligt sind.

Pech für die Anleger, dass die mit Esch & Friends vereinbarte Pacht für die Kölnarena weit niedriger liegt als die einst von Holzmann versprochenen Beträge. Doch glücklicherweise zahlt die Stadt Köln für die Anmietung des Rat- und eines zugehörigen Parkhauses deutlich mehr als einst geplant. Den auf 30 Jahre angelegten "vermieterfreundlichsten Vertrag in ganz Köln" (Zitat des inzwischen verstorbenen Ober- bürgermeisters Harry Blum) hatte auf Seiten der Kommune Oberstadtdirektor Lothar Ruschmeier (59) ausgehandelt. Der wechselte wenig später als Geschäftsführer zu Esch. Allzu viele Kölner regten sich nicht über die offenkundige Interessenkollision auf - im Kölschen Klüngel herrschen Hygienestandards wie in einer Bananenrepublik.

Beim jüngsten Fondsobjekt, den Nordhallen der Kölner Messe, ist wieder einmal die Sparkasse dabei. Das Institut entwickelte das Finanzierungsmodell, Sparkassenchef Gustav Adolf Schröder (62) persönlich brachte die Oppenheim-Esch-Gruppe als Investor ins Gespräch. Die Stadt Köln bürgt ab 2012 für die Mietzahlungen der Messe und mindert so das Risiko der Anleger auf nahezu null.

Bei alledem nimmt es nicht wunder, dass manchem in der Bank unwohl ist

angesichts der Abhängigkeit von Esch. Genaue Einblicke in die Machenschaften haben nur wenige. Der Kontakt zwischen Köln und Troisdorf läuft bankseits über Krockow; allenfalls ein paar Angestellte in der Privatkundenabteilung verfügen über Ausschnittwissen.

Wer Kritik an der Esch-Connection übt, muss damit rechnen, seinen Job zu verlieren. Das prominenteste Beispiel gab Johannes Maret (55). Der war 1996 als persönlich haftender Gesellschafter in die Bank eingetreten.

Von den Partnern wird erwartet, dass sie sich privat an den Oppenheim-Esch-Fonds beteiligen. Dies angeblich nicht, weil es Probleme gäbe, die Anteile zu platzieren; die Nachfrage sei weitaus größer als das Angebot an guten Objekten, betont Krockow stets. Mit dem Engagement der Teilhaber wird den Kunden demonstriert: Seht her, wir selbst investieren auch.

Maret hingegen soll sich beharrlich geweigert haben, Fondsanteile zu zeichnen. Ihm war die ganze Verbindung zu Esch suspekt. "Ich wollte Bankier sein und nicht Abteilungsleiter eines Maurerpoliers", soll er einmal im kleinen Kreis geäußert haben.

Vor allem wandte er sich gegen die enge Geschäftsbeziehung zu KarstadtQuelle. Nach einem Rahmenabkommen mit dem Handelskonzern sollten dutzende von Warenhäusern in Oppenheim-Esch-Fonds eingebracht und umgebaut werden. Fünf Objekte wurden tatsächlich platziert und zum Teil schon realisiert. Doch dann kam bei KarstadtQuelle die Krise; neue Fonds werden nicht mehr aufgelegt.

Maret kann diese späte Genugtuung nur noch von außen genießen; Ende 2002 ging er - offenbar auf Druck von Esch. Das kam so: Sal. Oppenheim hatte der Familie Schickedanz 1998 rund eine Milliarde Mark geliehen, damit sie sich an der damaligen Karstadt AG beteiligen konnte. Besichert wurde der Kredit mit Karstadt-Aktien.

Als der Kurs der verpfändeten Papiere unter eine vertraglich festgelegte Schwelle rutschte, hätte die Bank das

Darlehen kündigen und das Aktienpaket verwerten können. Maret soll dafür plädiert haben, diese Option zu ziehen.

Doch er hatte nicht mit Esch gerechnet. Der stellte sich schützend vor seine Kundin Madeleine Schickedanz. Ergebnis: Gekündigt wurde nicht der Kredit, stattdessen ging Maret. Der will zu dem Fall nichts sagen, betont aber, er "habe die Bank seinerzeit aus eigenem Willen verlassen".

Insider erwarten, dass demnächst Friedrich ("Fiete") Carl Janssen (61), Bankteilhaber seit Anfang 2004, mit Esch aneinander gerät. Er lästert ständig über den Baumogul. Auf die Frage, ob er selbst schon einen der Fonds gezeichnet habe, antwortete Janssen kürzlich ausweichend, darüber habe er noch gar nicht nachgedacht. Doch ohne Konsequenzen kann sich auf Dauer niemand entziehen.

Eschs Wort gilt etwas bei Sal. Oppenheim. Wenn der rundliche Endvierziger zu seinem Geburtstag einlädt, hat das die Qualität einer Vorladung: die Granden der Bank müssen nebst Gattinnen zum Gratulieren erscheinen; Entschuldigungen gelten nicht.

Esch wird auch mit dem Satz zitiert: "Wenn ich mir einen lustigen Tag machen will, bestelle ich den Matthias (Graf Krockow) zu mir und lasse ihn zwei Stunden warten." In Gesellschaft schlägt Esch dem Grafen auch schon mal gönnerhaft auf die Schulter und macht auf diese Weise jedem Umstehenden klar, wer der eigentliche Boss ist.

Die feinen Bankiers als Laufburschen? Tatsache ist, dass Esch als Heilsbringer des Bankhauses eine weit mächtigere und unabhängigere Position innehat, als wenn er Teilhaber wäre.

Da war es nur konsequent, dass er einst Krockows Angebot ausschlug, als persönlich haftender Gesellschafter einzutreten. Zudem hätte Esch vom Aufsichtsamt wohl kaum eine Lizenz als Bankier bekommen.

Als heimlicher Herrscher gilt er trotzdem. Spätestens seit dem Tod des Bankpatriarchen Alfred Baron von Oppenheim im Januar 2005 gibt es kein Gegengewicht mehr zu Esch. Zwar übernahm Georg Baron von Ullmann (51), der Zwillingsbruder von Krockows Frau, den Posten des Aufsichtsratschefs. Doch in der Bank nimmt ihn kaum jemand ernst. Der Lebemann gibt als Wohnsitz London an und züchtet Rennpferde.

Alfred von Oppenheims Sohn Christopher (39), seit 2000 persönlich haftender Gesellschafter, muss erst noch in seine Rolle hineinwachsen. Allerdings könnte er einmal Bankchef werden - wenn Krockow irgendwann abdankt. Doch auch Christopher Baron von Oppenheim weiß, dass die Bank ohne Josef Esch kaum mehr gedeihen kann.

Bei Sal. Oppenheim gibt es sogar einige, die sich physisch von Esch eingeschüchtert fühlen. Weniger von seiner nicht besonders stattlichen Statur - eher von der bewaffneten Macht, die hinter ihm steht. Esch ist gemeinsam mit dem Bankhaus Sal. Oppenheim Mehrheitseigentümer der Firma Consulting Plus, der größten Privatarmee Deutschlands: Zu ihr gehören mehr als 300 Leute mit der Berechtigung, Schusswaffen zu tragen. Ein Teil bewacht und beschützt das Bankgebäude in der Kölner Innenstadt sowie die Villen der Bankgesellschafter. Auch etliche von Eschs Kunden vertrauen auf die in der Regel kahl rasierten Muskelmänner.

Wenigstens im Fall des Bankhauses könnte der Schutz wirksamer sein. Im Frühjahr wurde dort eingebrochen. Geld fanden die Schurken nicht, dafür nahmen sie einige Notebooks mit. Eine peinliche Panne für Consulting Plus.

Natürlich lässt Esch auch seine eigene Hauptverwaltung und seine Villa in Troisdorf rund um die Uhr von den Specknacken bewachen. Er hat Angst, Opfer eines Anschlags oder einer Entführung zu werden. Deshalb tritt er auch öffentlich kaum in Erscheinung.

Im Mai 2005 kam der Schattenmann doch wieder einmal ans Licht: Auf Bitten seines Freundes Krockow nahm er am Richtfest der neuen Messehallen teil. Der Auftritt rächte sich. Ein Kamerateam des Westdeutschen Rundfunks filmte Esch ausgiebig und sendete das Material Anfang Juli innerhalb eines kritischen Beitrags über das Kölner "Milliarden-Monopoly", die ganz und gar nicht heilige Allianz zwischen Esch, Sal. Oppenheim und der Kommune.

Vor der Kamera sagte der ehemalige Regierungspräsident Franz-Josef Antwerpes (70), beim Bau der Kölnarena sei der Rat der Stadt "nach Strich und Faden gelinkt worden". Nach dem Fernsehbeitrag ermittelt nun die Staatsanwaltschaft Köln gegen den amtierenden Oberbürgermeister Fritz Schramma (58) "und andere Personen" wegen des Anfangsverdachts der Untreue.

Über den Sender ging Anfang Juli auch, wie ein gut gelaunter Bankier Krockow seinen Freund Esch zum offiziellen Richtfest-Foto rief - "weil der Josef von uns der Einzige ist, der mauern kann".

Der Graf muss da, gewollt oder ungewollt, einen ganz wunden Punkt getroffen haben. Die Vergangenheit als Polier möchte der Emporkömmling nämlich am liebsten auslöschen.

Dem Amtsgericht Siegburg, bei dem praktisch alle seine Firmen gemeldet sind, schrieb er vor einiger Zeit, dass "ich, der unterzeichnende Herr Josef Esch, im o. a. Handelsregister mit der Berufsbezeichnung ,Maurermeister' eingetragen bin. Diese Berufsbezeichnung ist zwischenzeitlich unrichtig." Er bat das Gericht um Richtigstellung in "Kaufmann".

Wohl dem, der keine anderen Sorgen hat. Sören Jensen

1789 Salomon Oppenheim junior gründet in Bonn ein Kommissions- und Wechselhaus, die spätere Bank.

1798 Sitz der Bank wird Köln. 1858 und 1859 Zwei Enkel des Gründers, Albert und Eduard Oppenheim, konvertieren vom jüdischen zum christlichen Glauben.

1868 Ein Sohn des Gründers, Abraham Oppenheim, wird in den preußischen Adelsstand erhoben.

1938 Auf Druck der Nazis wird die Bank in Pferdmenges & Co. umbenannt - nach dem Teilhaber Robert Pferdmenges, dem späteren Berater von Bundeskanzler Konrad Adenauer.

1947 Die Bank heißt wieder Sal. Oppenheim jr. & Cie.

1964 Alfred Baron von Oppenheim, Urururenkel des Gründers, wird Partner.

1986 Graf Krockow wird persönlich haftender Gesellschafter.

1989 Die Bank verkauft ihre Beteiligung an der Colonia-Versicherung und firmiert in eine Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) um.

1992 Der frühere Bundesbankpräsident Karl Otto Pöhl tritt als Teilhaber ein.

1993 Pöhl übernimmt das Amt des Sprechers. Die Bank gründet gemeinsam mit dem Immobilienentwickler Josef Esch die Fondsgesellschaft Oppenheim-Esch-Holding.

1998 Graf Krockow rückt zum Sprecher der persönlich haftenden Gesellschafter auf.

2000 Christopher von Oppenheim, der Sohn Alfreds, wird Partner.

2004 Das Bankhaus beteiligt sich mit 25,1 Prozent an der Bonner IVG Immobilien AG und erwirbt die Frankfurter BHF-Bank.

2005 Alfred von Oppenheim stirbt. Graf Krockows Schwager Georg von Ullmann übernimmt den Vorsitz des Aufsichtsrats.

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