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Manager unterwegs Der Luxus-Gepäckservice

Irdischer Besitz ist bloß Ballast. Besonders wenn man ihn einchecken muss.
aus manager magazin 8/2008

Es ist kurz vorm Finale der Fußball-Europameisterschaft, als Achtenmeyer um ein Haar zum Terroristen wird. Hinter ihm liegen drei Tage Recruiting-Event in Rio de Janeiro. High Potentials, high flyers. Work hard, play hard, das Übliche. Vor ihm liegt der Abend, perfekt konturiert wie ein Model an der Copa Cabana: Chips, Bier, Glotze. Dank seines outstanding Organisationstalents hat er den Rückflug so gebucht, dass er pünktlich zum Anstoß zu Hause ist. Kostenpunkt für das letzte Stück von Frankfurt nach München: 500 Euro. Aber hey: Deutschland - Spanien! Nur den bottleneck Lufthansa hat Achtenmeyer übersehen. Beziehungsweise Frusthansa, denkt er grimmig, als um 18.30 Uhr - boarding time - ein "little technical problem" announced wird. Bis 18.55 Uhr ist das kleine Problem erwachsen geworden, es heißt jetzt "defekte Maschine". Um 19.30 Uhr ist Ersatz da, leider jedoch auch kaputt, wie sich um 19.50 Uhr herausstellt. We apologize for the inconvenience. Achtenmeyer redet sich ein, dass die zweite Halbzeit eh spannender ist, bis ihn die Flight-Managerin um 20.15 Uhr aus seinen Trostgedanken reißt. Good news: Die dritte Maschine ist da - und nicht kaputt. Dafür aber zu klein. Einige Passagiere müssen den nächsten Flug um 22 Uhr nehmen.

Sein Headquarter hat Achtenmeyer mittlerweile vor dem giftgelben Kranich-Counter eingerichtet, in regelmäßigen Abständen verlässt er es, um in ebenso beeindruckende wie nutzlose Tobsuchtsanfälle zu verfallen. Er muss daran denken, dass Franz Kafka in diesem Jahr 125 Jahre alt geworden wäre, aber das kann auch Zufall sein. Und dann hat er einen jener fulminanten Geistesblitze, die den mover and shaker vom Mittelmaß unterscheiden: Wenn er jetzt ins nächstbeste Hotel geht, kriegt er noch das komplette Spiel mit. Tja, immer one step ahead. Bloß: Was passiert dann mit seinem Gepäck? Die naheliegende solution wäre ein anonymer Hinweis, dass in seinem Koffer eine Bombe sei. A little bit of terrorism eben. Aber "da hat er die Traute nicht", wie Béla Réthy sagen würde. Wer weiß schon, wie anonym anonyme Hinweise im Schäuble-Zeitalter wirklich sind?

Also schwört Achtenmeyer sich, beim nächsten Trip nicht mehr zu knausern und auf den besserwisserischen Jüngling zu hören, der ihm in Rio von der "Luxury Collection Luggage Liaison" erzählt hat. Der Service holt das Gepäck zu Hause ab und bringt es ins Hotel - oder umgekehrt. Keine Wartezeiten am Check-in, keine Verlustängste mehr, nur noch Handgepäck. Traveller's Paradise. Allerdings erst in einer fernen, schönen Zukunft. Für heute bleibt ihm nur ein Schluckauf. Vom Weizenbier, das er sich für seinen "Verzehrgutschein" ausschenken ließ. Der Lufthansa-Angestellte schrieb die Voucher nicht, er kalligrafierte sie. Das dauerte zehn Minuten pro Zettel. Sein Bier muss Achtenmeyer jetzt binnen zweieinhalb Minuten runterstürzen, denn gleich wird geboardet. Pünktlich um 21.30 Uhr. u

Luxury Collection Luggage Liaison: Transportservice für Gepäck von zu Hause zum Zielort und zurück. Dauer: drei bis fünf Werktage. Preis nach Entfernung und Zahl der Gepäckstücke (eine große Reisetasche plus ein Golfbag, Deutschland - USA und zurück: 849 Euro). Telefon: 0 01/6 17/4 82-11 00. www.luggageforward.com

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