Milliardär und Investor Mike Ashley Der Hugo-Boss-Rowdy wird seinen Fußballclub nicht los

Im Sportgeschäft hat Mike Ashley schon einmal ein Vermögen gemacht. Sein nächster großer Sport-Deal lässt indes weiter auf sich warten.
Mike Ashley (Mitte, im blauen Mantel) im Januar im St James' Park in Newcastle

Mike Ashley (Mitte, im blauen Mantel) im Januar im St James' Park in Newcastle

Foto:

SCOTT HEPPELL/ REUTERS

Der englische Fußballclub Newcastle United wird nicht an ein Konsortium mit saudischer Beteiligung verkauft. Wie der britische Sender Sky Sports News am Donnerstag berichtete, hat die Investorengruppe ein entsprechendes Angebot für den Premier-League-Verein aufgrund der wirtschaftlichen Unsicherheit durch die Coronavirus-Krise zurückgezogen. Die Investition sei nicht mehr rentabel, hieß es demnach in einer Erklärung, die Sky vorliegt.

Laut Medienberichten wollte das Konsortium, das von der britischen Geschäftsfrau Amanda Staveley (47) angeführt wird, Newcastle für rund 300 Millionen Pfund (ca. 340 Millionen Euro) übernehmen. Der Öffentliche Investmentfonds Saudi-Arabiens hält demnach 80 Prozent an dem Konsortium und wäre somit auch Mehrheitseigner des Clubs geworden.

Zuvor hatte es scharfe Kritik an dem möglichen Besitzerwechsel gegeben. Denn der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman (34), dem schwere Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen werden, ist der einflussreichste Mann des Fonds. Amnesty warnte, Mohammed bin Salman würde faktisch "wirtschaftlicher Eigentümer" des Clubs.

Zudem hatte der katarische Fernsehsender BeIN Sports die 20 Vereine der Premier League und die Liga-Bosse in einem Brief vor dem Geschäft gewarnt. BeIN Sports warf dem saudischen Piratenkanal BeoutQ vor, illegal internationale Sportveranstaltungen zu übertragen und das Programm des katarischen Senders zu stehlen. Bundesliga, FIFA und UEFA halten die Vorwürfe aufgrund einer Studie für belegt.

Ashley mischt deutsche Modebranche auf

Wie es nun für Newcastle United weitergeht, ist unklar. Der bei den Fans unbeliebte Inhaber Mike Ashley (55) will den Club schon länger abgeben. Im Juni hatten Medien berichtet, der US-Geschäftsmann Henry Mauriss biete sogar 350 Millionen Pfund (ca. 390 Millionen Euro) und wolle die Magpies noch vor Beginn der nächsten Saison übernehmen. Die Gespräche mit Mauriss sollen angeblich fortgeführt werden.

Ashley hat bereits ein Vermögen (laut "Forbes" zuletzt 2,9 Milliarden Dollar) im Sportgeschäft verdient: Mit 18 gründete der Brite den Sportartikelhändler Sports Direct, der heute über 500 Geschäfte in Großbritannien und Kontinentaleuropa betreibt. Zu seinem Imperium gehört auch die Handelskette House of Fraser, aus der er ein kleines Luxusimperium zimmern will. Zu diesem Zweck war Ashley zuletzt still und heimlich bei Deutschlands größtem Modekonzern Hugo Boss eingestiegen. Dort will er künftig im Aufsichtsrat mitbestimmen und seinen Anteil auf 10 Prozent aufstocken .

Ashley besitzt Newcastle United seit 2007 - er hatte den Club damals für 134 Millionen Pfund aufgekauft. Warum er gerade einen Fußballverein gekauft habe, wisse er nicht, soll Ashley laut einem Bericht des "Telegraph" später einem ehemaligen Trainer anvertraut haben. So wurden bereits 2008 erstmals Versuche öffentlich, den Club wieder zu veräußern. Das Vorhaben misslang seitdem mehrfach. Dabei ist der Club laut Experten eigentlich eine annehmbare Wette für finanzstarke Investoren: Manchester City hatte zuletzt vorgemacht, wie traditionsreiche, aber sportlich wenig überzeugende Teams mit der richtigen Führung (und richtig eingesetzten hunderten Millionen Pfund) zu Champions geformt werden können.

luk/dpa-afx
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.