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Der erste Tag

Fragen an den neuen Vorstandsvorsitzenden der Salzgitter AG
aus manager magazin 3/2000

Was gefällt Ihnen an Ihrem neuen Büro?

Na ja. Es ist ein klassisches Stahlzimmer mit drei Hochofen-Bildern an den Wänden. Aber das ändert sich.

Was hängen Sie auf?

Vielleicht die Aktienkurse oder die Gewinnentwicklung von Salzgitter.

Wie romantisch.

Das sind für mich nun mal die Dinge, die ich lieber im Auge habe als Hüttenbilder in Öl.

Apropos Romantik. Wie finden Sie den Paternoster in der Zentrale?

Der ist sehr langsam. Bei meinem früheren Arbeitgeber Krupp gab es auch so ein Ding. Ich hab immer den schnellen Aufzug vorgezogen.

Ihr Vorgänger Hans-Joachim Selenz schied mit Getöse. Sind Sie ähnlich gestartet?

Nein, das hätte auch schlecht gepasst. Mein erster Arbeitstag war eine Analystenkonferenz. Eine völlig neue Erfahrung für mich. Bei Krupp habe ich das nur aus der zweiten Reihe mitbekommen.

Ist der Umgang mit Analysten schwieriger als der mit Stahlarbeitern?

Das kann schon sein. Die Analysten bestimmen ja heute fast die Industriepolitik. Und als AG sind wir nun mal gezwungen, uns in die Richtung zu orientieren, die sie vorgeben.

Wann setzen Sie sich zum ersten Mal in die Werkskantine?

Man muss nicht miteinander speisen, um der Basis näher zu kommen. Ich habe 200 Uhren mit Salzgitter-Emblem fertigen lassen. Die werde ich einzelnen Mitarbeitern überreichen, jenseits aller Hierarchien.

Eine Uhr, ganz tolle Idee.

Lästern Sie ruhig. Die Uhr steht für die neue Zeit. Weil ein neuer Chef da ist, aber auch, weil Salzgitter noch ein relativ neuer Börsenwert ist.

Ihr Vorgänger hat auf die Bergbau-Heilige Barbara vertraut. An welchen Zauber glauben Sie?

An den gesunden Menschenverstand und meine Kontaktfreude. Als Saarländer komme ich mit vielen Wesensarten zurecht. Dort habe ich Pfälzer, Franzosen und Luxemburger um mich herum.

Und jetzt nur noch platte Wiesen. Schon Fuchs und Hase getroffen in Salzgitter?

Heute Gießerei, morgen Bandbeschichtungsanlage - ich habe vorerst gar keine Zeit, mich hier draußen groß umzusehen.

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