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Manager unterwegs Der CO2-Rechner

Social Responsibility ist, wenn man Gutes tut und davon schöne Bilder macht.
aus manager magazin 9/2007

Von den Wattewörtern unter Punkt VII ließ Achtenmeyer sich nicht irritieren. Im Leben, in Führungskräfterunden zumal, zählt Performance, auch wenn das Thema so soft daherkommt wie "Social Responsibility für Manager". Ein Glück, dass seine Abteilung letztes Jahr die Patenschaft für ein indisches Waisenhaus übernommen hat. Als Achtenmeyer die Bilder von sich und den großäugigen Kindern herumreichte, konnte er die neidischen Blicke der anderen geradezu spüren.

Sich auf seinen Lorbeeren ausruhen aber ist Achtenmeyers Sache nicht. Da trifft es sich hervorragend, dass die nächste Gelegenheit für eine gute Tat soeben sein Büro betreten hat, und zwar in Gestalt des jungen Bredel, der bezüglich einer Global Challenge dringend etwas flaggen möchte. Ob er, Achtenmeyer, wisse, dass schon eine einzige Autofahrt von, let's say, München nach Aachen 120 Kilogramm CO2 produziere? Dass Fleischesser klimatisch schlechter abschneiden als Vegetarier, weil bei der Rinderhaltung Methan entsteht? Und wie die Abteilung eigentlich generell mit Global Warming umgehe? Innerlich zuckt Achtenmeyer die Schultern; äußerlich schaut er Bredel unverändert freundlich an, weil er weiß, dass der nur Fragen stellt, zu denen er die Antwort bereits kennt. Nicht zuletzt deshalb hat Achtenmeyer ihn ja ins Team geholt. In diesem Fall lautet die Antwort "CO2-Rechner". "Damit kann nicht nur jeder seine persönliche CO2-Bilanz ermitteln", sagt Bredel stolz. "Vor allem können wir als Abteilung berechnen, wie stark wir die Umwelt entlasten, wenn Dienstreisen effizienter gestaltet werden." Über sein Gesicht legt Achtenmeyer jetzt diesen Ausdruck väterlicher Güte, den er so lange vor dem Spiegel geübt hat. "Gut gemacht, Bredel! Ich schätze Mitarbeiter, die auch mal out of the box denken."

Auf sein Steak wird Achtenmeyer natürlich nicht verzichten, so viel ist mal klar. Aber was den Rest angeht, setzt er gleich ein Memo auf. Sämtliche Dienstreisen müssen ab sofort erst durch den Kohlendioxid-Rechner und dann über seinen Schreibtisch. Flugreisen nur noch, wenn unbedingt notwendig, lieber Bahn oder Videokonferenz. Das Ganze, schreibt Achtenmeyer, ist eine Frage des Mindsets. Auch wenn der Komfort leide, müsse jeder bereit sein, die Extrameile zu gehen. "Gehen" hat er unterstrichen, Achtenmeyer liebt Wortspiele.

Das Memo ist keine Woche alt, da steht Bredel wieder auf der Matte. Achtenmeyers jährliche Reise zum indischen Waisenhaus sei ja nicht direkt business-related und ob er wisse, dass der Flug nach Delhi fast drei Tonnen CO2 ver- ursache? Achtenmeyer nickt freundlich. Dann durchsucht er Bredels Spesenabrechnungen auf Unregelmäßigkeiten, damit er ihn leichter feuern kann. Der junge Mann mag ja ganz hell im Kopf sein. Aber die Grundlagen von Social Responsibility und Marketing hat er offensichtlich nicht mal im Ansatz begriffen. u

Auf Geschäftsreisen spezialisierte CO2-Rechner im Internet bieten etwa Webex.de und Atmosfair.de. Beispiel: Der Verzicht auf einen Flug München-New York spart 2,8 Tonnen CO2. Weitere CO2-Rechner: www.co2-rechner.bayern.de; www.deutschebp.de; www.greenpeace-berlin.de/themen/energie/klimatest

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