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Manager unterwegs Der Butlerservice

Klare Hierarchien steigern die Effizienz. Zumindest, solange man oben steht.
aus manager magazin 6/2008

Am Donnerstag vorletzter Woche verstauchte sich Achtenmeyers Putzfrau Olgana den Fuß, und von da an verwandelte sich sein Zuhause zusehends in a complete mess. Das wären an sich peanuts; schlimmer ist, dass Olgana die Letzte in seinem Leben war, die tat, was er ihr auftrug. In der company ist das schon lange nicht mehr so. Wenn er seinen Visitenkarten Glauben schenken darf, ist er zwar Marketing Director. Trotzdem hört keiner auf ihn. Top-down-Management sei doch last season, heißt es. Flache Hierarchien, Teamwork, die Abteilung wie eine family, das ist der neue spirit. In der global challenge, gab Dr. Karl ihm zu verstehen, zähle Performance statt Epauletten. Seither fühlt sich Achtenmeyer très ancien régime. Damals gab's wenigstens klare Regeln statt liberalen Schnullibullis.

Performance counts, das ist ja gut und schön, aber wer Performance will, darf die Incentives nicht vergessen. Deshalb buchte Achtenmeyer letzte Woche beim quarterly meeting in London einen Butlerservice. Der adrette und äußerst höfliche junge Mann kümmerte sich um die Tickets für Ascot, suchte ein geeignetes Restaurant aus und beriet ihn bei der Wahl seiner Krawatte. Wohlgemerkt: Achtenmeyer will nicht den Ständestaat zurück. Ihm liegt an efficiency. Fakt ist nun mal: Er ist ein guter Manager, in schnöden Alltagsangelegenheiten aber eher below average. Warum also nicht outsourcen? Als er zwei Tage später nach Wolfsburg musste, checkte er mit seinem weekender im "Ritz-Carlton" ein, wegen des fast schon legendären Badeservice. Er gönnte sich ein "Gentleman's Bad" mit Cognac, Zigarre und Käse-Kanapees, für sagenhafte 49 Euro arrangiert vom Badebutler. Beinahe wäre er danach noch nach Berlin gebraust, wo das "Adlon" einen 24-hour-Butlerservice anbietet, etwa für die Präsidentensuite, die leider 10 000 Euro pro Nacht kostet, was ihm dann doch ein wenig over the top erschien.

Dessen ungeachtet hat Achtenmeyer gleich am Montag Dr. Karl ein präzises fill-in über seine neuen Erkenntnisse bezüglich des Zusammenhangs von klaren Hierarchien und Effizienz gegeben. Jeder solle das tun, was er am besten könne. Und wer wüsste besser, wo jemand best-in-class sei, als der Vorgesetzte? "Good point you are raising here", hatte Dr. Karl zu seiner Verblüffung geantwortet und Achtenmeyer im Vertrauen zu verstehen gegeben, dass ihm selbst dieses politisch korrekte Management by laisser-faire gehörig auf die Nerven gehe. Es war ein richtig gutes Gespräch, an dessen Ende Dr. Karl seine Montblanc-Manschettenknöpfe festzurrte und sagte: "Freut mich, dass das geklärt ist. Sie aktualisieren dann also bis morgen die Excel-Tabelle mit sämtlichen key-figures der letzten fünf Jahre, okay?" Tatsächlich brauchte Achtenmeyer dafür dann doch nicht die ganze Nacht, schon um halb sechs morgens war er fertig. Er stolperte über den schmutzigen Fußboden, fiel ins Bett und träumte von Olgana. Sie würde ihn verstehen. u

Butlerservice in London: Einkaufsbegleitung, Botengänge et cetera. Rund 40 Pfund pro Stunde (www.butlerforyou.com, 00 44/77 58 28 83 16). Badebutler: "Ritz-Carlton" Wolfsburg, "Gentleman's Bad", "Romantisches Bad" oder Bad "Bleiben Sie mobil" für 36 bis 100 Euro (www.ritzcarlton.com, 0 53 61/60 70 00).

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