Vorstand John Broekmans geht Dem Milchriesen Müller laufen die Vorstände weg

Kurz nach dem Antritt von Aufsichtsratschef Stefan Müller geht mit John Broekmans der wichtigste Vorstand. Nun sind nur noch zwei von fünf übrig.
Stefan Müller führt den Aufsichtsrat bei Müllermilch. Statt eine neue Agenda zu verkünden, muss er erst einmal Löcher stopfen.

Stefan Müller führt den Aufsichtsrat bei Müllermilch. Statt eine neue Agenda zu verkünden, muss er erst einmal Löcher stopfen.

Foto: Robert Michael / imago images

Der Ruf von Milchmogul Theo Müller (81) als unberechenbarer Patriarch ist legendär. Nur wenige Unternehmen leisten sich eine derart hohe Fluktuation im Topmanagement wie Deutschlands größter Milch- und Joghurtproduzent. Womöglich könnte die Molkerei Müller heute deutlich internationaler sein und mehr als zuletzt rund sieben Milliarden Euro umsetzen, wenn sich die Vorstände nicht die Klinke in die Hand geben würden. Doch dann wäre Müller wohl nicht Müller.

Allerdings war die Situation selten so prekär wie derzeit. Nach Informationen von manager magazin verlässt John Broekmans den Konzern Ende März. Der Niederländer ist erst im März 2020 geholt worden, um den stark von den Kernmärkten England und Deutschland abhängigen Konzern zu internationalisieren, musste dann aber schnell die Aufgaben des geschassten Vorstandschefs Werner Stegmüller (56) übernehmen und verantwortete damit zuletzt die Sparte Milch, mit rund 4,5 Milliarden Euro Umsatz die wichtigste Geschäftseinheit. Ein Ersatz für Broekmans ist nicht in Sicht.

Im verbleibenden Rumpfvorstand sind nur noch Finanzchef Marcus Almeling und COO Michael Singer übrig. Die Posten von CEO Stegmüller und der erst vor wenigen Monaten ausgeschiedenen Personalvorständin Silvia Buchinger wurden bisher nicht nachbesetzt.

Stegmüllers Rolle als Unternehmenschef hatte zuletzt der frühere Kuka-CEO Till Reuter (53) in Personalunion zu seinem Mandat als Aufsichtsratschef übernommen. Zum Jahreswechsel wurde Reuter jedoch im Kontrollgremium von Theo Müllers ältestem Sohn Stefan abgelöst und wird das Unternehmen im Frühjahr verlassen. Damit endet der kurze Versuch der Familie, die Führung zumindest auf dem Papier in die Hände von Managern zu übergeben.

Stefan Müller muss jetzt Löcher stopfen

Insider sehen darin einen Zusammenhang zum Abgang von Broekman, den Reuter zu Müller gelotst hatte. Für Stefan Müller (54), der seit Januar den Aufsichtsrat führt, ist die Situation heikel. Statt eine neue Agenda zu verkünden, muss er erst einmal Löcher stopfen und operativ viel stärker eingreifen als ihm lieb sein dürfte. Schließlich führt Müller Junior mit dem Vormilchspezialisten Colostrum Biotech nebenbei noch sein eigenes Unternehmen. Immerhin kann er nun jedoch beweisen, ob er ein Management zusammenstellen kann, dass mehr als nur einige Monate gemeinsam arbeiten darf.

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