Nach EY Auch Wirtschaftsprüfer Deloitte prüft eigene Aufspaltung

Die "Big Four" der Beratungs- und Wirtschaftsprüfer spüren mächtig Gegenwind. Um sich einer drohenden gesetzlichen Regulierung zu entziehen, erwägt nach EY nun offenbar auch Deloitte eine Trennung des Geschäfts.
Deloitte: Die Nummer eins der "Big Four" unter den Wirtschaftsprüfungsgesellschaften erwägt wie EY nun eine Aufspaltung

Deloitte: Die Nummer eins der "Big Four" unter den Wirtschaftsprüfungsgesellschaften erwägt wie EY nun eine Aufspaltung

Foto: Parivartan Sharma / REUTERS

Der Wind für die "Big Four" der Wirtschaftsprüfer wird rauer. Ende Mai hat die britische Regierung nach langen Beratungen beschlossen, die Regeln für die Bilanzprüfung zu verschärfen und die Wirtschaftsprüfung grundlegend zu reformieren . Eine neue Regulierungsbehörde soll die Bilanzierung der Unternehmen und die Arbeit der Prüfer künftig überwachen und steuern.

Zwar verzichten die Briten auf die von Kritikern geforderte Aufspaltung der Unternehmen in Berater- und Prüfungsgeschäft, doch soll die mit weitreichenden Rechten ausgestattete Behörde auch so die Macht einzelner Prüfungsgesellschaften erheblich begrenzen können. Zugleich scheint es, dass die Gesellschaften einer gesetzlich vorgeschriebenen Trennung ihrer Geschäfte zuvorkommen wollen: Denn nach dem Wirtschaftsberater EY erwägt nun offenbar auch Deloitte die Trennung in Wirtschaftsprüfung und Beratung und damit quasi die Aufspaltung des Unternehmens. Das berichtet das "Wall Street Journal"  am Donnerstag.

Dem Bericht zufolge habe sich Deloitte als Nummer eins der weltweit vier größten Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsunternehmen für eine mögliche Umstrukturierung an die Experten von Goldman Sachs gewandt, die zusammen mit JPMorgan Chase auch EY bei den Plänen begleiten. Die Gespräche für eine mögliche Aufspaltung befänden sich noch in einer frühen, sondierenden Phase, heißt es.

PwC und KPMG wollen offenbar keine Aufspaltung

Die zwei weiteren Mitglieder der "Big Four", PwC und KPMG, verfolgen nach eigenen Aussagen derzeit keine Pläne zur Aufspaltung und Trennung ihrer Geschäfte, berichtet die Zeitung weiter unter Berufung auf die Unternehmen.

Das Prüfgeschäft von EY war durch mehrere Skandale in die Kritik geraten – in Deutschland vor allem wegen des Wirecard-Skandals. Dabei mutmaßen nicht nur die Aufsichtsbehörden in Deutschland und Großbritannien mögliche Interessenkonflikte, wenn Prüfer und Berater ein und desselben Unternehmens die Bücher eines Kunden prüfen und diesem zugleich auch Beratungsdienstleistungen verkaufen. So untersucht in den USA die Börsenaufsicht SEC aktuell mögliche Verstöße gegen eine unabhängige Prüfungspraxis der "Big Four".

Eine Trennung und Umstrukturierung der Geschäfte der Gesellschaften, so sie denn tatsächlich kommt, dürfte indes auch nicht im Schnellverfahren zu machen sein. EY als weltweite Nummer drei geht laut "WSJ" davon aus, dass es mindestens 18 Monate dauern wird, bis die Beratersparte abgespalten ist.

Dies hängt auch mit der Vielzahl der Eigentümer zusammen: Schließlich müssen die 12.000 Partner in 140 Ländern einer Trennung zustimmen. Ihre Zustimmung dürfte stark von dem Erlös abhängen, den ein Verkauf oder Börsengang der Beratersparte in ihre Taschen spült. "Wenn sie die Beratungssparte nicht zu einem Preis verkaufen können, der den Partnern genügend Geld einbringt, werden sie nicht zustimmen, so einfach ist das", zitiert das "Wall Street Journal" Lynn Turner, ehemalige Chefbuchhalterin der SEC. Bis spätestens Ende dieses Sommers will EY den Partnern einen konkreten Plan unterbreiten.

"Wenn sie die Beratungssparte nicht zu einem Preis verkaufen können, der den Partnern genügend Geld einbringt, werden sie nicht zustimmen"

Lynn Turner, ehemalige Chefbuchhalterin der US-Börsenaufsicht SEC

Dass die Aufspaltung einer Wirtschafts- und Prüfungsgesellschaft keineswegs ein Selbstgänger und unter den Partnern des weltweit tätigen Beraternetzwerks umstritten ist, zeigte zuletzt der Konflikt bei EY zwischen der US-Chefin Kelly Grier (53) und dem globalen Chef Carmine Di Sibio (59). In dem Machtkampf zog Grier letztlich den Kürzeren, sie wird das Unternehmen verlassen.

Börsengang der EY-Beratungssparte wahrscheinlichste Option

Auch wenn EY einen Verkauf der Beratersparte grundsätzlich nicht ausschließt, ist ein Börsengang der wohl wahrscheinlichste Weg, sagten Insider dem "WSJ" weiter. Denn für einen Private-Equity-Investor dürfte ein Preis im mittleren zweistelligen Milliardenbereich nicht zu stemmen sein.

Noch schwieriger dürfte sich ein möglicher Verkauf der Beratungssparte von Deloitte gestalten: Der margenstarke Bereich erwirtschaftete im vergangenen Geschäftsjahr (Mai 2021) rund 40 Milliarden Dollar Umsatz und ist fast viermal so groß wie das Prüfgeschäft des Beraters mit 10,5 Milliarden Umsatz.

rei