Kursrutsch an der Börse Dax stürzt, VW-Aktie bricht ein

Der Dax knickt am Donnerstag ein. Ein historischer Konjunktureinbruch in den USA sowie steigende Infektionszahlen drücken auch die US-Börsen ins Minus. Besonders tief fällt die VW-Aktie.
Abwärts: Der Dax verliert deutlich, vor allem die VW-Aktie rauscht nach enttäuschenden Zahlen abwärts

Abwärts: Der Dax verliert deutlich, vor allem die VW-Aktie rauscht nach enttäuschenden Zahlen abwärts

Foto: Ole Spata/ dpa

Kurssturz nach der Hoffnungs-Rally: Die wieder steigenden Infektionszahlen, der Konjunktureinbruch in den USA sowie steigende Anträge auf US-Arbeitslosenhilfe lassen die Börsen weltweit einknicken. Der deutsche Leitindex rutschte zeitweise um mehr als 500 Punkte ab und fiel unter die Marke von 12.300 Zähern, was ein Minus von knapp 5 Prozent bedeutete. Bis zum Handelsschluss auf Xetra (17.30 Uhr) konnte der Dax seine Verluste dann leicht reduzieren und ging schließlich mit einem Verlust von 3,5 Prozent aus dem Handel.

In den USA starteten Dow Jones und Nasdaq ebenfalls mit Verlusten: Der Dow verlor am Nachmittag 1,4 Prozent und fiel unter die Marke von 26.200 Zählern, während der Technologie-Index Nasdaq seine Verluste mit 0,5 Prozent in Grenzen hielt.

Anlass für die erneute Verkaufswelle: In den USA ist die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal infolge der Coronavirus-Pandemie so stark eingebrochen wie noch nie zuvor. Von April bis einschließlich Juni brach das Bruttoinlandsprodukt (BIP) aufs Jahr hochgerechnet um 32,9 Prozent ein, wie die US-Regierung am Donnerstag in einer ersten Schätzung mitteilte. Der Einbruch war erwartet worden. Doch auch die Anträge auf Arbeitslosenhilfe legten in den USA nach einer kurzen Zwischenerholung wieder zu.

Hinzu kommen die weltweit wieder steigenden Coronavirus-Infektionen, ein noch schwächeres Wachstum in Deutschland als ohnehin erwartet sowie die ausbleibende Einigung in den USA über ein weiteres Konjunkturprogramm. Zudem enttäuschten einige Konzerne mit ihren Quartalszahlen, darunter Volkswagen, Fresenius und Deutsche Börse sowie HeidelbergCement. Gegen den Trend stemmte sich die Aktie des Schweizer Lebensmittelmultis Nestlé, die nach Zahlen weiter zulegte. Am Abend nach US-Börsenschluss öffnen mit Apple, Amazon und Alphabet die US-Schwergewichte aus dem Techsektor die Bücher.

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Die geldpolitischen Beschlüsse der US-Notenbank Fed am Vorabend hatten Investoren nicht überrascht. Die Fed behält ihre Nullzinspolitik bei und will die Zinsen so lange niedrig lassen, bis die US-Wirtschaft die aktuelle Krise überwunden hat. Entscheidend werde letztlich die Eindämmung der Coronavirus-Pandemie sein, hieß es.

VW-Aktie mit Kursrutsch

Im Dax verloren Aktien von Volkswagen  nach Zahlen rund 8 Prozent an Wert. Der Autobauer rutschte in der Corona-Krise tief in die roten Zahlen und will nun weniger an die Aktionäre ausschütten als zunächst gedacht. Im Sog von VW gaben auch Daimler und BMW jeweils rund 5 Prozent nach.

Die Aktien von Fresenius und deren Tochter Fresenius Medical Care (FMC) gehörten ebenfalls zu den Verlierern im Dax. So fielen die Papiere des Medizinkonzerns Fresenius bis zum Nachmittag um rund sieben Prozent auf 41,99 Euro und zählten damit zu den schwächsten Werten im deutschen Leitindex. Die Anteilsscheine des Dialysespezialsten FMC rutschten zuletzt um mehr als sechs Prozent ab. Die FMC-Mutter Fresenius muss wegen der Corona-Krise seine Ziele für das laufende Jahr eindampfen. Im zweiten Quartal schlugen sich die Folgen der Pandemie in vielen Geschäftsbereichen des Medizinkonzerns und Krankenhausbetreibers nieder. Das Management um Unternehmenslenker Stephan Sturm stellt die Investoren nunmehr für das Gesamtjahr auf ein rückläufiges Ergebnis ein.

Wall Street: Dow Jones und Nasdaq mit Verlusten

Der Rekordeinbruch der US-Wirtschaft in der Corona-Krise treibt US-Anleger in die Flucht. Für Verunsicherung sorgte auch der Tweet von US-Präsident Donald Trump, der eine Verschiebung der Wahl im November ins Gespräch gebracht hatte. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte eröffnete am Donnerstag 1,5 Prozent schwächer bei 26.149 Punkten. Der breiter gefasste S&P 500 verlor ein Prozent auf 3224 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gab 0,8 Prozent auf 10.462 Punkte nach.

Die Wirtschaftsleistung in den USA kollabierte im zweiten Quartal in historischem Ausmaß, der Rückgang lag bei aufs Jahr hochgerechnet 32,9 Prozent und war damit so groß wie nie zuvor. "Schon gestern hat die US-Notenbank Fed darauf hingewiesen, dass eine Erholung von der Entwicklung der Corona-Infektionen abhängt", sagte Peter Cardillo, Chefvolkswirt beim Finanzdienstleister Spartan Capital Securities. "Wenn man das im Hinterkopf hat und sich die Neuinfektionen ansieht, wird die Erholung langsamer ausfallen als wir erwartet hatten."

Auch am Arbeitsmarkt zeichnet sich keine Entspannung ab, in der vergangenen Woche stellten 1,434 Millionen Menschen erstmals einen Antrag auf Arbeitslosenhilfe. Die Fed hatte bei ihrem Zinsentscheid die Schleusen weit offen gelassen und appellierte an die Politik, ihr dabei zu helfen, die Wirtschaft auf die Beine zu bekommen. Die Gespräche über ein weiteres Corona-Hilfspaket stecken jedoch fest.

Am Mittwochabend hatte die US-Notenbank den Leitzins erwartungsgemäß in einer Spanne von 0 bis 0,25 Prozent belassen. Volkswirte hatten einhellig mit dieser Entscheidung gerechnet. Die Notenbank wolle die Zinsen so lange niedrig lassen, bis die US-Wirtschaft die aktuelle Krise überwunden habe, heißt es in einer Mitteilung zur Zinsentscheidung. Die Fed werde bis dahin alle Instrumente nutzen um die Wirtschaft zu stützen.

UPS-Aktie steigt zweistellig

Bei den Einzelwerten gehörten der Chipkonzern Qualcomm, der Lieferdienst UPS und der Konsumgüterhersteller Procter & Gamble für Aufsehen: Alle drei Unternehmen legten überraschend gute Zahlen vor, die Aktien stiegen um bis zu 10,4 Prozent.

Die Papiere der Tech-Riesen Apple, Amazon, Alphabet und Facebook notierten bis zu 1,8 Prozent schwächer. Die vier Unternehmen legen nach Börsenschluss ihre Geschäftszahlen vor.

Im Rennen um einen Corona-Impfstoff kommt der Pharma- und Konsumgüterkonzern Johnson & Johnson voran. Wie das Unternehmen mitteilte, hat sich der Impfstoffkandidat AD26.COV2.S in ersten vorklinischen Tests als wirksam gegen eine Infektion mit Sars-CoV-2 erwiesen, den Erreger der Krankheit Covid-19. Der Konzern hatte über seine Pharmatochter Janssen im Juli mit einer klinischen Studie der Phase 1/2a mit mehr als 1000 Testpatienten begonnen und will bereits im September mit der Phase 3 starten. Die Aktien verteuerten sich vorbörslich um 1,8 Prozent.

Euro vom Konjunktureinbruch unbeeindruckt

Der Euro hat seinen Höhenflug am Donnerstag vorerst gestoppt. Am Vormittag wurde die Gemeinschaftswährung bei 1,1750 US-Dollar gehandelt, nachdem der Kurs in der vergangenen Nacht bei 1,1790 Dollar gestanden hatte. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuletzt am Mittwochnachmittag auf 1,1725 Dollar festgesetzt.

Am Vorabend hatte eine Dollar-Schwäche dem Euro noch Auftrieb verliehen. Mit der Veröffentlichung geldpolitischer Beschlüsse der US-Notenbank Fed war der Kurs der Gemeinschaftswährung zeitweise über die Marke von 1,18 Dollar gestiegen und erreichte bei 1,1806 Dollar den höchsten Stand seit September 2018. Allerdings zeigte sich, dass die Fed keine weitere Lockerung ihrer Geldpolitik ins Spiel gebracht hatte, was dem Dollar wieder etwas Auftrieb verlieh.

Ein unerwartet starker Konjunktureinbruch in Deutschland im zweiten Quartal konnte den Eurokurs am Vormittag nicht weiter nach unten drücken. In den Monaten April bis Juni war die deutsche Wirtschaft wegen der Corona-Krise um 10,1 Prozent im Quartalsvergleich geschrumpft. Es war der stärkste Rückgang seit Beginn der vierteljährlichen BIP-Berechnungen im Jahr 1970.

Ölpreise halten Vortagsgewinne

Die Ölpreise haben sich am Donnerstag wenig bewegt. Im frühen Handel konnten sie nicht an die Kursgewinne vom Vortag anknüpfen und sind geringfügig gesunken. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 43,68 US-Dollar. Das waren sieben Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um neun Cent auf 41,18 Dollar.

Die Ölpreise konnten damit die Gewinne vom Vortag nahezu halten. Nach Einschätzung von Marktbeobachtern werden sie durch die jüngste Entwicklung der Ölreserven in den USA gestützt. Am Mittwoch war bekannt geworden, dass die amerikanischen Lagerbestände in der vergangenen Woche überraschend gesunken waren, um 10,6 Millionen Barrel. Ein Rückgang der US-Reserven sorgt am Ölmarkt in der Regel für steigende Preise.

Im weiteren Handelsverlauf dürften Anleger eine Reihe wichtige Konjunkturdaten im Blick haben. Unter anderem wird am Nachmittag eine Schätzung zur Wirtschaftsleistung in den USA im zweiten Quartal erwartet, die auch am Ölmarkt für Impulse sorgen könnte.

Der Ölmarkt steuert im Juli auf den dritten Monat in Folge mit steigenden Preisen zu. Zuletzt hat sich die Dynamik beim Preiszuwachs allerdings deutlich abgeschwächt und Experten wollen Preisdämpfer im August nicht ausschließen. Vor allem wird die Preisentwicklung am Ölmarkt durch die Sorge vor einer zweiten Infektionswelle in der Corona-Krise gebremst. Außerdem werden wichtige Förderstaaten, in die der Opec+ organisiert sind, im August ihre Fördermenge wieder etwas erhöhen.

rei/dpa-afx