Börse Dax schließt im Plus, Nasdaq erneut auf Rekordhoch

Der Dax schließt am Mittwoch im Plus, enttäuschende Arbeitsmarktdaten aus den USA reduzieren die Gewinne zum Handelsende. In den USA ist die Stimmung insgesamt aber positiv, die Nasdaq-Indizes erreichen schon wieder Rekordhöhen.
Skulpturen von Bulle und Bär vor der Deutschen Börse in Frankfurt am Main

Skulpturen von Bulle und Bär vor der Deutschen Börse in Frankfurt am Main

Foto: Frank Rumpenhorst/ dpa

Der deutsche Aktienmarkt hat seine Vortagesverluste am Mittwoch abgeschüttelt und fester geschlossen. Der Dax  stieg letztlich um 0,47 Prozent auf 12.660,25 Punkte. Der MDax  gewann 1,19 Prozent auf 26.876,24 Zähler. Größere Kursgewinne aus dem frühen Handel wurden am Nachmittag von enttäuschenden US-Arbeitsmarktdaten des Dienstleisters ADP eingedämmt.

Das Sicherheitsbedürfnis vieler Anleger blieb groß, wie der erstmals über 2000 US-Dollar stehende Goldpreis zeigt. Von einer Befreiung wollen Chartexperten beim Dax denn auch weiter nicht sprechen. "Der Deutsche Aktienindex scheint bei 12.750 Punkten nach oben hin abgeriegelt. Obwohl der Nasdaq neue Rekordhochs ausbilden konnte, ging dem Dax heute in dem Bereich zum zweiten Mal in dieser Woche die Luft aus", stellte Analyst Jochen Stanzl von CMC Markets fest.

Auch an den übrigen europäischen Börsen ging es zur Wochenmitte aufwärts. So endete der EuroStoxx  mit einem Gewinn von 0,43 Prozent bei 3268,38 Punkten. In Paris stieg der Cac 40 um 0,90 Prozent. Der FTSE 100 in London rückte um 1,14 Prozent vor. Der New Yorker Dow Jones  stand zuletzt rund 1,2 Prozent im Plus.

Aktien von Vonovia und Deutscher Post stark gefragt

Vonovia  schafften es am Mittwoch mit einem Anstieg von mehr als 3 Prozent erstmals in ihrer Geschichte über die 58-Euro-Marke. Milliardenschwere Zukäufe im Ausland und höherer Mieteinnahmen trieben im bisherigen Jahresverlauf die Gewinnentwicklung von Deutschlands größtem Immobilienkonzern an. Jürgen Graf von der LBBW sprach von einem "sehr guten Halbjahresergebnis".

Für die Deutschen Post  ging es um 2,5 Prozent hoch. Händler lobten die finalen Zahlen für das zweite Quartal als etwas besser als erwartet, vor allem was den erzielten Umsatz betreffe. Der Logistikkonzern verkrafte die Krise gut, sagte Daniel Roeska von Bernstein Research.

Bei BMW  dagegen reagierten die Anleger mit einem Kursrutsch von 3,5 Prozent besonders enttäuscht. Die Coronakrise hat tiefe Löcher in die Bilanz gerissen, im Autogeschäft fiel wegen des Produktionsstopps im zweiten Quartal ein Betriebsverlust von 1,55 Milliarden Euro an. Der Münchener Konzern erwartet für die Premiumhersteller im Gesamtjahr wegen der Krise einen Absatzeinbruch um ein Fünftel.

Dabei war das allgemeine Umfeld in der Autobranche eigentlich freundlich. Papiere des Zulieferers Continental , der ein verlustreiches Quartal hinter sich hat, büßten 2,0 Prozent ein.

Commerzbank rechnet mit Jahresverlust, Anleger greifen trotzdem zu

Auch in der zweiten Indexreihe gab es zahlreiche Unternehmensberichte. Bei den um 4,9 Prozent gestiegenen Aktien der Commerzbank  kam ein besser als erwartetes Quartal unter den Anlegern sehr gut an, auch wenn das Bankhaus wegen der Pandemie und der Kosten für den Konzernumbau jetzt mit einem Jahresverlust rechnet.

Ansonsten fielen Sixt  positiv auf, obwohl der Autovermieter seine Jahresziele am Vorabend gekappt hatte. Die Stammaktien schnellten an der SDax -Spitze um mehr als 8 Prozent nach oben. Die Analysten von Jefferies und Hauck & Aufhäuser bestätigten ihre Kaufempfehlungen für die Titel. Hauck-Experte Simon Bentlage sieht in Sixt einen strukturellen Gewinner in der Autovermietungsbranche.

Die Kurse deutscher Bundesanleihen sind am Mittwoch deutlich gesunken. Der Bund Future verlor 0,50 Prozent auf 177,10 Punkte. Der Rentenindex Rex stieg um 0,03 Prozent auf 145,86 Punkte, die Umlaufrendite jedoch verharrte auf minus 0,55 Prozent.

Gewinne an den US-Börsen - Nasdaq-Indizes setzen Rekordjagd fort

An der Wall Street sind die Anleger am Mittwoch in Kauflaune geblieben. Die Hoffnungen ruhten nach wie vor auf einem neuen Hilfspaket in der Corona-Krise, um das Republikaner und Demokraten immer noch feilschten, hieß es von Börsianern. In den vergangenen Tagen habe es dabei allerdings deutliche Fortschritte gegeben. Vor diesem Hintergrund erreichten die technologielastigen Nasdaq-Indizes einmal mehr Rekordstände.

Der US-Leitindex Dow Jones Industrial  zog um 1,10 Prozent auf 27.123,52 Punkte an und erklomm damit wieder das Niveau von Anfang Juni. Für den marktbreiten S&P 500 ging es um 0,60 Prozent auf 3326,33 Zähler nach oben. Der technologielastige Nasdaq 100  rückte um 0,18 Prozent auf 11.116,51 Zähler vor.

Unternehmensseitig standen noch einige weitere Quartalsberichte an. Unter den Dow-Werten gerieten die Aktien von Walt Disney  in den Fokus, die um fast 10 Prozent in die Höhe schnellten und damit der einsame Spitzenreiter im Index waren.

Ölpreise steigen erneut deutlich

Die Ölpreise  haben am Mittwoch erneut deutlich zugelegt. Sie knüpften an die Gewinne am Vortag an. Zuletzt kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 46,01 US-Dollar. Das waren 1,60 Dollar mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Ölsorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 1,61 Dollar auf 43,31 Dollar.

Marktbeobachter verwiesen auf die verheerende Explosion in der libanesischen Hauptstadt Beirut, die am Ölmarkt die Sorge vor einer instabilen Lage in der Region geschürt habe. Zudem stützten besser als erwartet ausgefallene US-Konjunkturdaten die Ölpreise. Die Stimmung der US-Dienstleister hat sich im Juli überraschend erneut verbessert. Der Einkaufsmanagerindex des Institute for Supply Management (ISM) legte überraschend erneut zu, während Analysten einen Rückgang erwartet hatten.

In den USA sind zudem die Ölreserven in der vergangenen Woche überraschend deutlich gefallen. Die Vorräte sanken laut Energieministerium um 7,4 Millionen Barrel auf 518,6 Millionen Barrel. Analysten hatten lediglich mit einem Rückgang um 3,4 Millionen Barrel gerechnet.

Euro über 1,19 Dollar

Der Kurs des Euro  hat am Mittwoch um über einen Cent zugelegt. Am Nachmittag stieg er bis auf 1,19 US-Dollar. In der Nacht hatte der Kurs der Gemeinschaftswährung noch knapp unter 1,18 Dollar notiert. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs am Nachmittag auf 1,1854 (Dienstag: 1,1765) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8436 (0,8500) Euro.

Der Eurokurs nähert sich damit wieder seinen jüngsten Hochs. Am vergangenen Freitag war er bis auf 1,1909 Dollar gestiegen und hatte so den höchsten Stand seit Mai 2018 erreicht.

Robuste Daten aus der Euro-Zone stützten die Gemeinschaftswährung am Mittwoch. Die Umsätze im Einzelhandel sind wieder auf das Niveau von vor der Corona-Krise gestiegen. Die Umsätze kletterten im Juni um 5,7 Prozent zum Vormonat. Im Mai hatten sie um 20,3 Prozent zugelegt. Dies bedeutet laut Eurostat, dass das Einzelhandelsvolumen in der Euro-Zone wieder auf das Niveau vom Februar, also vor Beginn der Eindämmungsmaßnahmen, zurückgekehrt ist.

Am Devisenmarkt schauen die Anleger zudem auf die Verhandlungen über ein neues Corona-Hilfspaket in den Vereinigten Staaten. Demokraten und Republikaner haben sich bisher nicht auf weitere Maßnahmen im Kampf gegen die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise einigen können. Vertreter der Demokraten hielten an ihrer ablehnenden Haltung zu den Vorschlägen aus dem Weißen Haus fest. Finanzminister Steven Mnuchin strebt bis zum Ende der Woche eine Lösung an. Der Dollar gab am Mittwoch zu den meisten Währungen nach.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,90265 (0,90335) britische Pfund, 125,37 (124,78) japanische Yen und 1,0770 (1,0761) Schweizer Franken fest. Die Feinunze Gold (31,1 Gramm) wurde am Nachmittag in London mit 2055 Dollar auf einem neuen Rekordhoch gehandelt. Das waren etwa 35 Dollar mehr als am Vortag.

rei/dpa-afx/Reuters
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