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Absteiger Dauer-Däke

Steuerzahlerbund in der Krise
aus manager magazin 8/2008

Wenn er die Erfolge des Bundes der Steuerzahler benennen soll, sprudelt es aus Karl Heinz Däke (65) nur so heraus. Im Stenotempo diktiert er: "Wir kämpfen seit Langem gegen den Soli, die Abschaffung der Pendlerpauschale, die steigende Steuerbelastung und die ständige Verschuldung des Staates."

Gegen alles - diese Haltung kultiviert der gebürtige Friese seit bald vier Jahrzehnten. Bereits 1969, gleich nach dem Studium, wurde er Vorstandsassistent beim Bund der Steuerzahler in Nordrhein-Westfalen und schaffte es 1994 bis ins Präsidentenamt. Ob Schuldenuhr, Steuerzahler-Gedenktag oder Schwarzbuch der Steuerverschwendung - vor allem mit Unterstützung der "Bild"-Zeitung waren Däke-Sprüche gegen die Ausgabensucht des Staates allgegenwärtig.

Weil die meisten Politiker die Haudrauf-Rituale bald jedoch nicht mehr ernst nahmen, wurde die Kluft zwischen öffentlicher Aufmerksamkeit und politischer Durchschlagskraft immer größer. Und dann 2005 auch noch der PR-Gau: Däke, der bei anderen stets lautstark Mäßigung einforderte, musste kleinlaut eingestehen, aus gleich drei Pöstchen im Steuerzahlerbund mehr als 180 000 Euro jährlich zu kassieren.

Dieser Ansehensverlust beschleunigte den Mitgliederschwund: Seit Anfang des Jahrzehnts ist der Organisation fast ein Viertel der zahlenden Klientel abhandengekommen.

Trotz der Krise traute sich bisher niemand, Däke abzusetzen. Immerhin wurde eine Findungskommission mit der Suche nach einem Nachfolger beauftragt. Allerdings winkten die Kandidaten ab oder galten intern als nicht durchsetzbar. Den Weg für einen Neuanfang kann der Amtsinhaber wohl nur selbst freimachen. Hiernach sieht es bisher allerdings nicht aus. Sven Böll

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