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Manager unterwegs Das Schuhwerk nach Maß

In der Krise ist aufrechte Haltung gefragt. Schwierig ohne perfekt sitzende Schuhe.
aus manager magazin 11/2008

Was Achtenmeyer an der Finanzkrise wirklich auf die Nerven fällt, ist weniger ihre ökonomische, sondern ihre ästhetische Problematik. Das hysterische Geschrei, die ganze miesepetrige tonality, das geht gar nicht. Hektische Live-Schalten zu irgendwelchen headquarters, dazu schreckensbleiche Experten, die aufgeregt schnattern, dies sei nur der Anfang, die Talsohle noch nicht einmal in Sicht, und überhaupt: Vorsicht, Dominoeffekt! Am schlimmsten sind die former masters of the universe: Quengeln nach dem Staat, come on, was ist denn das bitte für ein spirit? Achtenmeyer vermisst Haltung, den core value im Topmanagement. Er selbst hält es mit der stolzen Tradition des British Empire: kühler Kopf, stiff upper lip. Führung statt Management by Hühnerhaufen. Sein eigener action plan ist eine groundbreaking Kombination aus individueller Motivation, valuegetriebenem risk management, partnerschaftlichem support und volkswirtschaftlichen Impulsen. Aber der Reihe nach: Zuerst gibt Achtenmeyer seiner workforce drei Stunden frei, damit sie die Depots umschichten oder das Geld unters Kopfkissen stopfen können, je nach Gusto, feel free. Dann checkt er Cashflow und Verbindlichkeiten seiner Abteilung: Kein Engpass in Sicht for upcoming two quarters. Solchermaßen beruhigt, spendiert er seiner hypernervösen Gattin ein hochwirksames Antidot in Form eines personal shoppers, inklusive Typ-, Farb- und Stilberatung sowie geduldiger Einkaufsbegleitung. Das verschafft ihm ein paar Stunden Luft und ist zugleich wunderbar antizyklisch und konsumstützend.

Dann fliegt er nach London, Schuhe kaufen. Denn wo ließe sich besser Haltung demonstrieren als hier? Und die learnings aus vergangenen Krisen zeigen doch: Verrutschte Maßstäbe sind die Ursache, und Maßhalten ist die beste Behandlung. Deshalb kauft er jetzt maßgeschneiderte Schuhe. Erster Stop ist Foster & Son, wo in jedem Paar hundert Arbeitsstunden stecken. Ganz nett, aber noch nicht quite der Monolith des Optimismus, den Achtenmeyer braucht, um aus der deprimierenden sea of sameness hervorzustechen. Fündig wird er erst bei John Lobb, seit 1863 Lieferant des englischen Königshauses, heute Kunden von Frank Sinatra bis Nicolas Sarkozy. Kurz: der Rolls-Royce unter den Schuhen. Obwohl es natürlich nicht um Status geht, sondern um Statement, wie Achtenmeyer sich in Erinnerung ruft, während seine Monks angepasst werden. Haltung bewahren, Rückgrat beweisen, das geht nun mal nur in Schuhen, die wirklich perfekt passen, sonst ist es bald schief und krumm, das Rückgrat. By the way hat John Lobb auch die bessere Story: Der Gründer, ein Farmersohn aus Cornwall, brach sich ein Bein, die Operation lief schief, und Lobb konnte nicht mehr als Farmer arbeiten. Aber rief er etwa nach dem Staat? Verlangte er ein Rettungspaket? No, Sir! Lobb wurde Schuhmacher - und zwar der beste. That's the spirit, denkt Achtenmeyer. u

Personal Shopper etwa bei Mydays: Raum Bayreuth, Berlin und Hamburg ab 165 Euro (www.mydays.de). Maßschuhe: WS Foster & Sons, 83 Jermyn Street, London SW1Y 6JD, www.wsfoster.co.uk (im Schnitt 2000 Euro/ Paar); John Lobb, 9 St. James Street, London SW1A 1EF, www.johnlobbltd.co.uk (mindestens 3000 Euro/Paar).

Personal Shopper etwa bei Mydays: Raum Bayreuth, Berlin und Hamburg ab 165 Euro (www.mydays.de). Maßschuhe: WS Foster & Sons, 83 Jermyn Street, London SW1Y 6JD, www.wsfoster.co.uk (im Schnitt 2000 Euro/ Paar); John Lobb, 9 St. James Street, London SW1A 1EF, www.johnlobbltd.co.uk (mindestens 3000 Euro/Paar).

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