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"Das Risiko illegalen Handelns steigt"

Ex-Staatsanwalt Wolfgang Schaupensteiner, heute Compliance-Chef der Bahn AG, erklärt, warum immer mehr Topmanager in Kriminalfälle verwickelt sind.
aus manager magazin 6/2008

Die Bahn AG ist bislang von einem großen Kriminalskandal verschont geblieben, leistet sich aber dennoch eine große Compliance-Abteilung. Warum sind andere Konzerne nicht so konsequent?

Schaupensteiner: Bis Ende der 80er Jahre war Bestechung in Deutsch- land weitgehend tabuisiert. Noch heute werden Gesetzesverstöße wie Korruption oder Kartellabsprachen von einigen Wirtschaftsführern als bedauer-liche Einzelfälle abgetan, gegen die man machtlos sei. Dabei lässt sich mit konsequenter Prävention viel erreichen.

Dennoch scheint es, als trieben es die Manager gerade toller denn je?

Schaupensteiner: In der Tat hat die Wirtschaftskriminalität in den vergangenen Jahren massiv zugenommen. Und der größte Teil der Steigerung ist auf erkannte Fälle in der Privatwirtschaft zurückzuführen.

Woran liegt das?

Schaupensteiner: Umfragen zufolge kennt die Hälfte der deutschen Manager bis heute nicht einmal die Regeln - etwa das seit 1999 gültige Internationale Bestechungsgesetz. In manchen Branchen gibt es sogar Richtwerte für die Höhe der Bestechungsgelder, etwa in der Rüstungsindustrie 25 Prozent vom Auftragswert oder in der Bau-industrie bis 20 Prozent.

Solche Zahlen gab es schon immer. Kommt heute einfach mehr heraus?

Schaupensteiner: Die Staatsanwälte verfügen endlich über eine bessere Handhabe. Bis 1997 durften sie Korruption in der Privatwirtschaft von Amts wegen, also sprich ohne Strafanzeige, gar nicht verfolgen. Mittlerweile gilt auch hier das Legalitätsprinzip. Wenn es Hinweise auf Fehlverhalten gibt, müssen die Behörden ihnen nachgehen. Seither kommen immer mehr Fälle ans Tageslicht - wie etwa bei VW oder Siemens.

Schreckt das die Topmanager ab?

Schaupensteiner: Seit die Verfahren stark personenbezogen laufen und die Vorgänge um Vorzeigemanager skandalisiert werden, sind die Wirtschaftsführer aufgewacht. Sie merken, dass sie riskieren, persönlich für Fehlentscheidungen in ihren Unternehmen zu haften. Unter diesem Handlungsdruck könnte Compliance endlich zu einem wichtigen Element der betrieblichen Risikovorsorge werden - und nicht wie bisher ein netter Aushang am Schwarzen Brett bleiben.

Wie sieht gute Compliance aus?

Schaupensteiner: Sie betreibt drei-faches Risikomanagement. Sie analysiert Schwachstellen und merzt sie durch sichere Prozesse aus. Sie verfolgt Fehltritte und, das ist der dritte Punkt, schult die Mitarbeiter in korrektem Verhalten.

Solche Vorsorge zahlt sich aus. Schließlich zeigen die aktuellen Fälle, wie groß die Risiken illegalen Handelns geworden sind. u

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