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Das große Geld

Editorial: Das große Geld
Von Wolfgang Kaden
aus manager magazin 2/2001

Wer sind die reichsten Deutschen? Erstaunlich, dass es bei der Vielzahl von Ranglisten jedweder Art bislang keine Übersicht über die Mega-Vermögen gab. Vielleicht liegt das daran, dass Super-Reiche hier zu Lande, anders als im exhibitionistischen Amerika, auf äußerste Diskretion bedacht sind. Das große Geld stellt sich in Deutschland nicht zur Schau, es versteckt sich, fast schamhaft.

Diese Zurückhaltung machte es für die mm-Redaktion zu einer nicht alltäglichen Herausforderung, die Vermögenswerte der 100 Wohlhabendsten herauszufinden. Allgemein zugängliche Quellen reichten Reporter Klaus Boldt, der das mm-Team anführte, nicht aus. Erst in vielen Hintergrund-gesprächen, vor allem mit Bankern und anderen Kennern der Szene, destillierte sich die Liste heraus.

Eine illustre Sammlung ist da zusammengekommen. Bemerkenswert: Die Zahl der hoch vermögenden Nichtsnutze hält sich durchaus in Grenzen. In der mm-Liste stehen nur wenige Zeitgenossen wie die Flick-Sippe (Friedrich Karl, Mick und Muck) oder Chantal Grundig, die durch unternehmerische Aktivitäten nie verhaltensauffällig wurden und ihr Leben lang nichts weiter taten, als vom Ererbten mehr oder weniger prächtig zu leben.

In der überwiegenden Mehrzahl findet sich jene Spezies, die ihr Vermögen ganz oder weitgehend durch eigene unternehmerische Tätigkeit geschaffen hat. Da sind einmal die erfolgreichen Gründer-Unternehmer - Männer wie die Aldi-Brüder Albrecht, die Reichsten überhaupt; die SAP-Gründer Dietmar Hopp und Hasso Plattner; oder der Kölner Schokoladenkönig Hans Imhoff. Und da sind jene, die das geerbte Unternehmen in neue Dimensionen befördert haben - Unternehmer wie die Bertelsmann-Eminenz Reinhard Mohn, der Versandhaus-Weltmeister Michael Otto oder der Tchibo-Vorsteher Günter Herz.

Diese Eigentümer-Unternehmer widerlegen die gern gepflegte These, dass längst alle Macht in der Wirtschaft den angestellten Managern gehört; dass "die tatsächliche Verwaltung der Produktionsmittel den Kapitalisten entglitten ist", wie James Burnham schon 1941 in seinem Klassiker "The Managerial Revolution" schrieb. Noch immer, das lehrt diese Rangliste, werden nicht wenige Wirtschaftsimperien von jenen gemanagt, deren Eigentum sie sind.

Und auch diese tröstliche Erkenntnis vermittelt die Übersicht: Die großen Vermögen liegen keineswegs nur in den alten Familien. Es ist also nie zu spät für einen Start, die Wettbewerbswirtschaft bietet immer wieder neue Chancen. Auf der Liste der 100 Reichsten finden sich Namen wie der des Sun-Microsystems-Mitbegründers von Bechtolsheim oder der des Mobilcom-Erfinders Schmid. Beide waren vor 20 Jahren noch genauso unvermögend wie die meisten von uns.

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