Kein Verständnis für Gewerkschaftsvorstoß Daimler Vorstand lehnt Vier-Tage-Woche ab

Vier-Tage-Woche bei "gewissem Lohnausgleich" - die Mehrheit der Deutschen findet den IG-Metall-Vorschlag gut, ebenso der Bundesarbeitsminister. Bei Daimler kann der Vorstand darüber nur den Kopf schütteln.
Arbeiter im Werk von Daimler

Arbeiter im Werk von Daimler

Foto: Marijan Murat/ dpa

Die Einführung einer Vier-Tage-Woche kommt für den Autobauer Daimler nicht in Frage. "Eine Vier-Tage-Woche mit Lohnausgleich, wie von der IG Metall gefordert, ist angesichts der Situation in der Automobilindustrie weder zielführend, noch wirtschaftlich darstellbar", sagte Personalvorstand Wilfried Porth (61) am Mittwoch.

Es ginge darum, die Kosten, die Transformation des Unternehmens und die Nachfrage nachhaltig abzusichern und "trotzdem die Chancen erfolgreich zu nutzen, die uns steigende Absatzzahlen in Zukunft wieder bieten werden", betonte der Manager.

Die IG Metall hatte eine Vier-Tage-Woche zur Rettung von Jobs in der Metall- und Elektroindustrie ins Gespräch gebracht. "Die Vier-Tage-Woche wäre die Antwort auf den Strukturwandel in Branchen wie der Autoindustrie. Damit lassen sich Industriejobs halten, statt sie abzuschreiben", sagte der Erste Vorsitzende der Gewerkschaft, Jörg Hofmann (64). Er sprach von "einem gewissen Lohnausgleich für die Beschäftigten, damit es sich die Mitarbeiter leisten können".

Hofmann sieht bei Betrieben ein Interesse daran, Arbeitszeit zu reduzieren, statt zu entlassen. "Das sichert Fachkräfte und spart zum Beispiel Kosten für einen Sozialplan." Unternehmen wie Bosch, ZF und auch Daimler hatten erst in diesem Sommer Vereinbarungen zur Reduzierung der Arbeitszeit getroffen - bei Daimler allerdings nur in bestimmten Bereichen und in der Regel um zwei Stunden pro Woche - wohlgemerkt ohne Lohnausgleich.

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (47, SPD) zeigt sich offen für den Vorschlag der IG Metall: "Reduzierte Arbeitszeit bei teilweisem Lohnausgleich kann eine geeignete Maßnahme sein", sagte Heil den Zeitungen der "Funke Mediengruppe".

Der Minister weiß dabei die meisten Bundesbürger auf seine Seite. Drei von fünf Deutschen (61 Prozent) stehen einer Vier-Tage-Woche zum Schutz von Arbeitsplätzen in der Corona-Krise offen gegenüber. 21 Prozent der Befragten stimmen dem von der IG Metall vorgeschlagenen Modell voll und ganz zu, weitere 40 Prozent unterstützen es eher, wie eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Yougov ergeben hat.

Die Tarifparteien der Metall- und Elektroindustrie hatten im März für rund vier Millionen Beschäftigte der Branche vereinbart, die Entgelte in diesem Jahr nicht zu erhöhen. Mit diesem Not-Abschluss war der eigentlich zum 31. März gekündigte Entgelt-Tarifvertrag bis zum Jahresende 2020 ohne weitere Erhöhungen verlängert worden. Damit könnte das Thema Vier-Tage-Woche mit der nächsten Tarifrunde ab dem Jahreswechsel auf den Tisch kommen.

rei/dpa
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