Daimler senkt Absatzprognose Chipmangel belastet weiter das Geschäft

Daimler hat im zweiten Quartal trotz Corona-Unsicherheit wie erwartet einen Milliardengewinn eingefahren. Wegen der Chipkrise senkte der Autobauer jedoch die Absatzprognose für die Sparte Mercedes-Benz. Die Aktie gibt nach.
Produktion der S-Klasse in Sindelfingen: Die S-Klasse gehört zu den profitabelsten Modellen der Schwaben

Produktion der S-Klasse in Sindelfingen: Die S-Klasse gehört zu den profitabelsten Modellen der Schwaben

Foto: Marijan Murat / DPA

Der Auto- und Lastwagenbauer Daimler hat dank eines kräftigen Absatzwachstums von April bis Juni ein Konzernergebnis von 3,7 Milliarden Euro erzielt, wie das Dax-Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Vor Jahresfrist waren 1,9 Milliarden Euro Verlust angefallen wegen des Absatzeinbruchs in der Corona-Pandemie. "Bei Mercedes-Benz Cars & Vans haben wir das dritte Quartal in Folge eine zweistellige Marge erreicht und damit die Widerstandsfähigkeit unseres Geschäfts unter Beweis gestellt – trotz der geringen Verfügbarkeit von Halbleitern", erklärte Vorstandschefs Ola Källenius (52). Der Chip-Mangel führe dazu, dass die Kunden länger auf Neuwagen warten müssten.

Der Mangel an Computerchips, unter dem die gesamte Autoindustrie derzeit leidet, wird jedoch im zweiten Halbjahr den Pkw-Absatz der Marke mit dem Stern dämpfen. Daimler senkte deshalb die Prognose und erwartet Verkäufe von Mercedes-Benz Cars im Gesamtjahr nur noch auf Vorjahresniveau und nicht mehr deutlich darüber. Die Auslieferungen von Vans und Nutzfahrzeugen sollen dagegen weiterhin deutlich steigen. Auch Umsatz und operatives Ergebnis im Konzern werden wie bisher deutlich über Vorjahr prognostiziert.

Die Aktie von Daimler  gab am Mittwoch wegen der gesenkten Absatzprognose für Mercedes sowie der anhaltenden Lieferengpässe bei elektronischen Bauteilen nach und baute ihre Verluste auf zuletzt 3 Prozent aus. Eckdaten für das zweite Quartal hatte Daimler bereits vor einigen Tagen bekannt gegeben.

Hohe Gewinnmarge bei der S-Klasse sowie Effekte des Sparprogramms

Der Quartalsgewinn ist mit einer bereinigten Umsatzrendite von 12,8 Prozent im Kerngeschäft im Vergleich zu normalen Zeiten hoch: Das letzte Mal mit einem Gewinn abgeschlossen hatten die Schwaben im Vergleichszeitraum 2018, als 1,8 Milliarden Euro netto zu Buche standen. 2019 hatten hohe Belastungen im Dieselskandal ein tiefes Loch in die Bilanz gerissen. Ein Grund für die aktuelle Entwicklung ist die neue S-Klasse, eins der profitabelsten Modelle. Der Premiumhersteller konnte vergleichsweise hohe Preise durchsetzen. Auch das Kostensenkungsprogramm bessert den Gewinn auf.

Trotz der üppigen Gewinne will Daimler die auf den Weg gebrachten Einsparungen beim Personal aber nicht infrage stellen. "Weder können wir noch wollen wir das schwäbische Gen des Sparens aufgeben", sagte Konzernchef Ola Källenius dazu am Mittwoch in Stuttgart vor Journalisten. Trotz guter Geschäftszahlen müsse das Unternehmen weiter an seiner Effizienz arbeiten, zumal man derzeit "erhebliche Milliardenbeträge" für den angepeilten Umbau von Verbrennungs- hin zu Elektromotoren aufwenden müsse.

la/reuters/dpa
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