Gewinn gesteigert - trotz Umsatzeinbruch Daimler-Aktie klettert auf Sechsjahreshoch

Der Auto- und Lkw-Bauer Daimler hat seinen Gewinn im dritten Quartal gesteigert - trotz eines Einbruchs bei den Verkäufen. Die Aktie setzt ihre Kursrally fort. Finanzchef Wilhelm gibt sich trotz des Chipmangels entspannt.
Premium first: Da Daimler vorrangig die teuren Topmodelle wie die S-Klasse ausliefert, ist der Gewinn trotz eines sinkenden Umsatzes gestiegen

Premium first: Da Daimler vorrangig die teuren Topmodelle wie die S-Klasse ausliefert, ist der Gewinn trotz eines sinkenden Umsatzes gestiegen

Foto: Marijan Murat / DPA

Daimler zeigt sich sehr robust: Obwohl der Autokonzern im abgelaufenen dritten Quartal deutlich weniger Autos und Lkw verkauft hat, hielten die Stuttgarter dank steigender Preise den Umsatz nahezu stabil - und beim Gewinn konnte Daimler sogar deutlich zulegen. Einsparungen und eine starke Finanzsparte sorgten auch beim operativen Ergebnis für einen unerwarteten Anstieg. "Wir bleiben auf Kurs, um unsere Ziele für das Gesamtjahr zu erreichen", sagte Finanzchef Harald Wilhelm.

Der auf die Aktionäre entfallende Nettogewinn des Dax-Konzerns stieg um 21 Prozent auf 2,47 Milliarden Euro. Der Umsatz lag in den Monaten Juli bis September mit rund 40 Milliarden Euro auf Vorjahresniveau. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern, welches das Management um Konzernchef Ola Källenius als maßgeblich für das wirtschaftliche Abschneiden ansieht, stieg dank der starken Finanz- und Mobilitätssparte um vier Prozent auf 3,61 Milliarden Euro. Damit schnitt Daimler besser ab als von Analysten erwartet.

Top-Modelle wie S-Klasse werden vorrangig mit Chips bestückt

Die Jahresprognosen für die Margen in der Auto- und Lkw-Sparte behielt der Konzern bei - geht aber beim Absatz von Autos nun von einem leichten Rückgang gegenüber dem Vorjahr aus. Daimler hatte im dritten Quartal vor allem wegen des Chipmangels mehrfach die Produktion einschränken müssen und lieferte fast ein Drittel weniger Autos der Stammmarke Mercedes-Benz an die Kunden aus als ein Jahr zuvor. Im vierten Quartal soll sich die Situation um die Halbleiter etwas bessern.

Die teuren Top-Modelle wie die S-Klasse sowie die Elektroautos des Konzerns konnten bei den Auslieferungen auch im dritten Quartal zulegen - unter anderem, weil Mercedes die lukrativeren Autos vorrangig mit den vorhandenen Elektronikhalbleitern bestückt.

Das Preisumfeld für die Autobauer ist auch wegen der eingeschränkten Produktion derzeit günstig: Eine hohe Nachfrage und lange Lieferzeiten haben dafür gesorgt, dass derzeit kaum Rabatte gegeben werden müssen. Vor allem im Geschäft mit Firmenwagen und Autovermietern sorgt das für Aufwind.

Absatz bei Daimler Trucks gestiegen

Bei den Trucks und Bussen, die unter dem Namen Daimler Truck AG abgespalten werden, lag der Absatz im dritten Quartal um sieben Prozent über dem Vorjahreswert. Aber auch im Truckgeschäft, vor allem bei den lukrativen Schwerlastern, bei denen Daimler Weltmarktführer ist, gab es Probleme mit der Anlieferung von Chips. So fiel der Umsatz leicht. Im dritten Quartal gingen Bestellungen für fast 161 825 Lkw ein - fast zwei Drittel mehr als vor einem Jahr.

Obwohl der Konzern zuletzt deutlich weniger Autos und Lkw verkaufte, hielten die Stuttgarter dank steigender Preise den Umsatz nahezu stabil - und beim Gewinn konnte Daimler sogar deutlich zulegen. Einsparungen und eine starke Finanzsparte sorgten auch beim operativen Ergebnis für einen unerwarteten Anstieg.

Wilhelm: Ausschläge der Rohstoffpreise "wohl nur temporär"

"Die Marktnachfrage ist so hoch, dass ich höheren Absatz 2022 erwarten könnte", sagte Daimler-Finanzchef Harald Wilhelm am Freitag. Eine genaue Prognose werde später abgegeben. Der Gegenwind von Chip-Mangel sowie von gestiegenen Rohstoff- und Energiepreisen soll 2022 zumindest schwächer werden. Er wolle keinen Optimismus verbreiten, aber die extremen Ausschläge der Preise seien wohl nur temporärer Natur. Für eine vorübergehende Erscheinung hält Daimler zudem die Knappheit von Magnesium, das vor allem aus China bezogen und als Legierung für Aluminium gebraucht wird. Es gebe keine Anzeichen dafür, dass China die Welt nicht mehr mit Magnesium versorgen wolle. Daimlers Bedarf sei bis zum ersten Quartal abgesichert.

Aktie setzt Kursrallye fort und steigt auf höchstes Niveau seit sechs Jahren

Anleger haben am Freitag erfreut auf den Quartalsbericht und die Jahresprognosen von Daimler reagiert. Die Aktie stieg zeitweise auf den höchsten Stand seit fast sechs Jahren. Zuletzt legten die Papiere um 2 Prozent auf 85,86 Euro zu.

Dabei hatten sich die Investoren zuletzt bereits für gute Nachrichten aus Stuttgart positioniert: Seit dem Tief von vor sechs Wochen hatte der Kurs um mehr als 20 Prozent zugelegt und damit sowohl den Leitindex Dax als auch den europäischen Automobilsektor deutlich abgehängt.

Alles in allem habe sich Daimler im dritten Quartal "sehr widerstandsfähig" gezeigt, resümierte Jose Asumendi von JPMorgan in einer ersten Reaktion auf das Zahlenwerk. Daimler habe im Segment Mercedes-Benz die Fixkosten gesenkt und sei nun bereit für den nächsten Aufwärtszyklus. Der Analyst lobte auch die hohe Nettoliquidität im Konzern. Das Management habe ein gutes Händchen mit Blick auf die Barmittel.

Die solide Entwicklung von Daimler schlägt sich in der Kursentwicklung wider: Seit Jahresbeginn ist die Aktie um fast 50 Prozent gestiegen. Noch stärker haben von den 40 Dax-Titeln nur Sartorius und die VW -Dachholding Porsche SE zugelegt. Volkswagen -Aktien bringen es auf ein Plus von 28 Prozent und die Papiere von BMW verbuchen einen Aufschlag von 20 Prozent im laufenden Jahr.

la/dpa/reuters
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