Zeitplan nicht zu halten Zulassung des Curevac-Impfstoffs "nicht vor August"

Die zweite deutsche Corona-Impfstoffhoffnung erfüllt sich nicht so schnell: Curevac braucht offenbar noch mehr Zeit für die entscheidende Studie, die Zulassung wird nicht vor August erwartet. Die Aktie gibt kräftig nach.
Forschung bei Curevac: Wann das Corona-Vakzin von Curevac, neben Biontech die zweite deutsche Impfstoffhoffnung, auf den Markt kommt, bleibt ungewiss.

Forschung bei Curevac: Wann das Corona-Vakzin von Curevac, neben Biontech die zweite deutsche Impfstoffhoffnung, auf den Markt kommt, bleibt ungewiss.

Foto: Sebastian Gollnow/ dpa

Noch immer gibt es nicht ausreichend Corona-Impfstoff, wenn man den Hausärzten in Deutschland Glauben schenken darf. Seit die Impfpriorisierung gefallen ist, stehen die Telefone der Mediziner nicht mehr still, doch können sie in Ermangelung von Vakzinen nur einen Bruchteil der Impfwünsche erfüllen. Das wird sich nicht so schnell ändern. Denn der Impfstoff von Curevac wird voraussichtlich nicht "vor August" von der Arzneimittelbehörde EMA zugelassen. Darauf jedenfalls stellt sich laut Reuters Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (40) ein. Die Aktie von Curevac verlor an der US-Technologiebörse am Dienstag rund 14 Prozent.

Weder die EMA noch das Tübinger Biotechunternehmen wollten sich bis Dienstagabend dazu äußern. Über die Spahn-Äußerung im Kreise der Länderkollegen hatte zuvor der "Business Insider"  berichtet. Curevac hatte Mitte April noch bekräftigt, man sehe sich im Zeitplan und erwarte die Zulassung im zweiten Quartal. Derzeit sammelt die Firma noch Wirksamkeitsdaten in der entscheidenden klinischen Studie. Diese Daten sollten im Juni vorliegen, hieß es. Die Zulassung bei der EMA solle dann "schnellstmöglich" beantragt werden.

Die Europäische Union hat sich von dem Curevac-Impfstoff bis zu 405 Millionen Dosen gesichert. Das Mittel basiert wie die Vakzine von Biontech/Pfizer und Moderna auf der neuen Technologie der Boten-RNA (mRNA), die den menschlichen Zellen die Information zur Bekämpfung von Krankheitserregern vermitteln soll. Doch die Untersuchungen bei Curevac ziehen sich immer weiter hin. Das Bundesgesundheitsministerium führt das Vakzin deshalb nicht mehr in seinen auf der Homepage veröffentlichten Lieferplanungen für 2021 auf.

Großaktionär Dietmar Hopp (81) hatte bereits im Herbst vergangenen Jahres eingeräumt, das Rennen um den ersten Corona-Impfstoff sei nicht mehr zu gewinnen. Curevac aber wolle das "Rennen um den besten Impfstoff gewinnen" und da rechne sich das Unternehmen gute Chancen aus. Ob die entscheidende Phase-III-Studie das bestätigten kann, also der Impfstoff auch eine hohe Wirksamkeit gegen mittlerweile diverse Mutationen unter Beweis stellt, bleibt abzuwarten.

An Partnern für Produktion und Verteilung des dann zugelassenen Vakzins fehlt es jedenfalls nicht. Die stille Hoffnung des Nachzüglers Curevac dürfte sicher sein, dass womöglich notwendige und regelmäßige Auffrischungsimpfungen den kostspieligen Entwicklungsaufwand doch noch lohnen und der Corona-Impfstoff massenhaft und schnell den Weg in die Arztpraxen finden wird.

rei/Reuters