Monopolkommission für Ausstieg des Staates Curevac plant Großpoduktion von Corona-Impfstoff

Nach seinem erfolgreichen Börsendebüt will das Tübinger Biotechunternehmen Curevac bei der Entwicklung seines Corona-Impfstoffs Tempo machen. Die Monopolkommission fordert nun den Ausstieg des Staates.
Curevac: Zulassung für Corona-Impfstoff für die erste Jahreshälfte 2021 angepeilt

Curevac: Zulassung für Corona-Impfstoff für die erste Jahreshälfte 2021 angepeilt

Foto: Sebastian Gollnow/ DPA

Das Tübinger Pharmaunternehmen Curevac  strebt die Produktion von einer Milliarde Corona-Impfdosen pro Jahr an. Das sagte Vorstandschef Franz-Werner Haas (50) am Sonntag dem Finanzportal boerse-online.de. Curevac hatte am Freitag einen glänzenden Börsenstart in den USA hingelegt. Hass hat erst Anfang August sein Amt als CEO bei dem Pharmaunternehmen  angetreten.

Der Manager kündigte an, das Unternehmen wolle im Herbst Ergebnisse der kürzlich gestarteten klinischen Erprobung seines Covid-19-Impfstoffkandidaten vorstellen. Erwartet wird dies im September. Die Zulassung werde dann für die erste Jahreshälfte 2021 angepeilt. Haas schloss auch ein beschleunigtes Zulassungsverfahren nicht aus, wenn die Behörden dem zustimmen.

Die Produktionskapazitäten für den Impfstoff könnten dann von zunächst einigen hundert Millionen Impfstoff-Dosen in der ersten Jahreshälfte 2021 deutlich ausgeweitet werden, sagte der Curevac-Vorstandschef weiter: "Wir wollen bis Mitte 2022 mit einer weiteren industriellen Produktionseinheit in der Lage sein, eine Milliarde oder mehr Dosen pro Jahr herzustellen." Dem Standort Tübingen wolle das Unternehmen aber treu bleiben.

Der Wert der Curevac-Aktie war am ersten Börsentag im New Yorker Technologie-Index Nasdaq um knapp 250 Prozent gestiegen. Nach einem Einstiegspreis von 16 Dollar kletterte der Aktienwert am Freitag bis Börsenschluss auf 55,90 Dollar. Mit dem Börsengang besorgte sich Curevac rund 213 Millionen Dollar (rund 180 Millionen Euro) frisches Geld, um die Impfstoffentwicklung auf Basis der sogenannten mRNA-Technologie voranzutreiben. Das im Jahr 2000 gegründete Unternehmen wird damit auf knapp 2,7 Milliarden Dollar bewertet.

Ausstieg des Staates gefordert

Der Chef der Monopolkommission, Achim Wambach (52), setzt sich einem Zeitungsbericht zufolge für einen schnellen Ausstieg des Staates beim Impfstoffhersteller Curevac ein. "Der Steuerzahler ist jetzt an einem Unternehmen beteiligt, das an der US-Technologiebörse Nasdaq notiert ist, und dessen Wert sehr volatil ist", sagte Wambach der "Rheinischen Post". "Diese Beteiligung mag in der Krise zu begründen sein, sollte aber nach der Krise auch wieder zügig beendet werden." Das Tübinger Biotechunternehmen hatte am Freitag erfolgreich sein Debüt an der Nasdaq gefeiert. Fortschritte bei der Entwicklung des Corona-Impfstoffs hatten das Interesse der Anleger kräftig beflügelt.

Wambach begrüßte zugleich, dass Curevac trotz der Staatsbeteiligung an die US-Börse gegangen sei. Es sei gut, dass Curevac an dem Plan festgehalten und ihn erfolgreich umgesetzt habe, so der Mannheimer Ökonom. "Eine Staatsbeteiligung sollte nicht dazu führen, dass Unternehmen an sinnvollen betriebswirtschaftlichen Entscheidungen gehindert werden." Curevac hatte im Juli frisches Kapital bei neuen Investoren eingesammelt - darunter auch bei der staatlichen Förderbank KfW. Die Monopolkommission berät unter der Leitung von Wambach die Bundesregierung.

Mitte Juni hatten die deutschen Aufsichtsbehörden dem Tübinger Biotech-Unternehmen grünes Licht für eine klinische Studie mit einem möglichen Impfstoff gegen das Coronavirus gegeben. Curevac nutzt ebenso wie das Mainzer Unternehmen Biontech die sogenannte RNA-Technologie zur Impfstoffentwicklung. Der genetische Bauplan für modifizierte Virus-Bestandteile wird dabei in den Körper injiziert. Zellen nehmen diese Erbinformation auf und produzieren daraus harmlose Erregerteile, worauf das Immunsystem reagiert. Es speichert die Immunantwort ab, die später gegen eine echte Infektion schützt.

Hauptinvestor von Curevac ist der Investitionsfonds Dievini von SAP-Mitgründer Dietmar Hopp (80). Der Bund hatte angekündigt, sich mit 300 Millionen Euro an Curevac zu beteiligen. Anfang Juli erhielt Curevac zudem eine Kreditzusage in Höhe von 75 Millionen Euro von der Europäischen Investitionsbank (EIB).

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (47, CDU) äußerte die Hoffnung, dass schon im Winter ein Impfstoff gegen das Coronavirus zur Verfügung stehe. In der "Bild am Sonntag" warnte er jedoch auch vor zu hohen Erwartungen. "Abstands- und Hygieneregelungen werden aber auch nach der Zulassung eines Impfstoffs nicht gleich überflüssig werden", sagte der CDU-Politiker.

akn/dpa/Reuters
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