Schweizer Sorgenbank Der riskante Sanierungsplan der Credit Suisse

Der Plan von Vorstandschef Ulrich Körner hat endlich die Radikalität, die die Bank schon länger braucht. Er übernimmt Ideen von UBS und Deutscher Bank. Gut möglich, dass es dennoch nicht reicht.
Ein Kommentar von Katharina Slodczyk
Sanierungserfahrung: Bei der UBS hat Ulricht Körner mitgeholfen, einen radikalen Umbauplan umzusetzen. Jetzt führt er bei der Credit Suisse die Regie.

Sanierungserfahrung: Bei der UBS hat Ulricht Körner mitgeholfen, einen radikalen Umbauplan umzusetzen. Jetzt führt er bei der Credit Suisse die Regie.

Foto: Credit Suisse / REUTERS

Sie verkaufen, sie lagern aus, sie machen dicht, sie schrumpfen – was Credit-Suisse-Chef Ulrich Körner (60) und Chairman Axel Lehman (63) am Donnerstag vorstellt haben, um die Krise bei der Schweizer Bank zu beenden, hat alle Elemente, die ein radikaler Sanierungsplan braucht. Es ist keine Flickschusterei, etwas Umbau hier, ein bisschen Reform dort und eine große Dosis wohlklingender Worte obendrauf.

Was Körner und Lehmann vorhaben, wird weh tun. Es wird teuer, sehr teuer. Und dennoch könnte es zu wenig sein, am Ende zu riskant und zu spät kommen, um die Credit Suisse wirklich zu reparieren und sie in dem Glanz erstrahlen zu lassen, den sich einige in der Führungsetage herbeiwünschen.

Die Blaupause für den Umbau lieferte vor allem die UBS. Dort war Körner vor eineinhalb Jahrzehnten einer der wichtigsten Männer hinter dem damaligen Chef Oswald Grübel (78). Körner kümmerte sich darum, dass Grübels rigoroser Umbauplan auch umgesetzt wird. Die Kernelemente damals: das kapitalintensive Investmentbankgeschäft massiv zurechtzustutzen und die Vermögensverwaltung ausbauen.

Das ist auch Körners Ziel bei der Credit Suisse. Andere Elemente seines Rettungsplans hat er zudem von Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing (52) übernommen und auch einige seiner Manager. So soll Louise Kitchen die Altlasten der Credit Suisse abwickeln. Die recht umstrittene Investmentbankerin hat bis 2021 die Bad Bad der Deutschen Bank geleitet.

Deutliche Verwässerung der Anteile

Schon Sewing war spät dran mit dem grundlegenden Umbau der Deutschen Bank. Körner kommt jetzt noch viel später – nach Monaten voller Unsicherheit über die Zukunft der Credit Suisse. In der Zeit haben sich Kunden abgewendet, Konkurrenten hatten leichtes Spiel, Mitarbeiter abzuwerben, und der Aktienkurs rauschte in die Tiefe – unter anderem dadurch, dass geschmeidige Kommunikation nicht zu Körners Stärken gehört.

Das alles führt dazu, dass die Credit Suisse um eine Kapitalerhöhung in Höhe von vier Milliarden Dollar (vier Milliarden Euro) nicht herumkommt – und das bei einer extrem niedrigen Marktkapitalisierung von gut 10 Milliarden Dollar. Aktionäre können also eine Verwässerung ihrer Anteile nicht vermeiden, um bis zu 30 Prozent, wie die Citigroup schätzt.

Noch schmerzhafter sind aber die Zukunftsaussichten: Gerade mal eine Eigenkapitalrendite von 6 Prozent soll die Credit Suisse am Ende der Generalüberholung einfahren. Das ist zu wenig. Die Bank vernichtet dann immer noch Kapital. Eine Rendite von etwa 10 Prozent wäre notwendig, um die Kapitalkosten zu decken.

Ungeschicktes Kalkül

Vielleicht legt Körner die Latte bewusst niedrig, um an Ende positiv zu überraschen. Sollte das sein Kalkül sein, wäre aber auch das wieder mehr als ungeschickt. Denn wie will man mit einer solchen Perspektive, Aktionäre hinter sich scharen, Unterstützer für einen gewagten Plan gewinnen, bei dem noch viel schiefgehen kann? Kein Wunder, dass der Aktienkurs am Donnerstag um mehr als 15 Prozent einbrach.

Vergleichsweise unkompliziert dürften noch ein paar Verkäufe sein. So will die Credit Suisse sich etwa von ihrem Anteil an der Six Group trennen, die die Zürcher Börse betreibt, und von einem Luxushotel. Da hört aber auch schon der einfache Teil auf. Ungeliebte Assets abzuwickeln, das Investmentbankgeschäft zu verkleinern und aus dem, was übrig bleibt, eine profitable, sinnvolle Einheit zu schmieden, die nicht zu viel Kapital bindet – das wird die hohe Kunst, da darf sich Körner keine Fehler erlauben. Erschwert wird das dadurch, dass er auch die Mentalität der Truppe ändern, die verhängnisvolle Kultur der übermäßigen Risikofreude und persönlichen Gewinnmaximierung abschütteln muss.

Körner hat bei der UBS gesehen, wie man eine radikale Sanierung hinbekommt. Er muss jetzt zeigen, was er dort gelernt hat. Seine Aufgabe bei der Credit Suisse ist noch um einiges schwieriger – angesichts einer drohenden Rezession –, der Spielraum für Fehler daher deutlich geringer. Körner kann es sich nicht erlauben, die letzte Patrone der Credit Suisse zu verschießen.

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