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Janina Kugel

Verantwortliche Unternehmensführung Wenn schlechte Nachrichten eigentlich gute sind

Janina Kugel
Eine Kolumne von Janina Kugel
Janina Kugel findet, über die Bedeutung von Corporate Governance wird viel zu selten gesprochen – und leider oft erst, wenn wieder etwas schiefläuft.
aus manager magazin 8/2022
Der ehemalige CNN-Chef Jeff Zucker musste zugeben: Ja, er hätte die Affäre zu einer Mitarbeiterin offenlegen sollen

Der ehemalige CNN-Chef Jeff Zucker musste zugeben: Ja, er hätte die Affäre zu einer Mitarbeiterin offenlegen sollen

Foto: MIKE COPPOLA/GETTYIMAGES / Getty Images for WarnerMedia

Manipulierte Bilanzen, gefälschte Gutachten, sexuelle Belästigung oder Überwachung am Arbeitsplatz. Sind Sie auch erschüttert, wenn Sie solche Schlagzeilen lesen?

Geht mir genauso. Aber trotzdem beruhigen mich solche Nachrichten.

Verstehen Sie mich nicht falsch. Ich bin nicht froh darüber, dass solche Verstöße passieren. Aber ich freue mich, wenn sie aufgedeckt werden. Weil das zeigt, dass die Kontrollmechanismen funktionieren. Und dann kann man handeln.

In meiner jüngsten Kolumne habe ich begonnen, das Thema ESG (Environment, Social and Governance) zu filetieren – und habe mir als Erstes das Thema Umwelt vorgenommen. Heute will ich zum G springen, was hierzulande oft als „verantwortungsbewusste Unternehmensführung“ bezeichnet wird.

Janina Kugel
Janina Kugel

ist Multiaufsichtsrätin und Senior Advisor. Sie interessiert sich für Leadership, Bildung und vor allem Menschen. Sie war Vorständin bei Siemens.

Leider wird über die Bedeutung von Corporate Governance häufig erst gesprochen, wenn die Dinge mal wieder irgendwo nicht so laufen, wie es dem Regelwerk entspricht. Eines der Grundprobleme: Es gibt keine weltweit einheitliche Definition oder gar ein einheitliches Verständnis darüber, was unter guter Unternehmensführung zu verstehen ist. Der deutsche Corporate Governance Kodex  ist schon mal ein guter Leitfaden – immerhin definiert er die gesetzlichen Vorschriften und verweist auch auf national und international anerkannte Standards. Aber das Kleingedruckte müssen die Konzerne selbst leisten.

Wer international tätig ist, wird dabei schnell feststellen, dass die jeweils lokalen Gesetzgebungen und Erwartungen sehr unterschiedlich sind. Doch wenngleich es kulturell nicht immer einfach ist, globale Standards sind ein Muss. Nur so können sie in die DNA eines Unternehmens übergehen. Existenziell dabei: Die Regeln müssen für alle gelten, auch für das Management.

Das Thema ist eigentlich ein Dauerbrenner. Vor allem seit ein anderes Stichwort im globalen Wirtschaftsgeschehen großgeschrieben wird: Transparenz. Längst haben nicht nur Investoren und Regulierungsbehörden das G im Blick. Auch die Öffentlichkeit, Kleinanleger*innen und Mitarbeiter*innen wollen es genauer wissen. In ein Unternehmen zu investieren oder für ein Unternehmen zu arbeiten, bei dem man das Gefühl hat, dass die Entscheidungen verantwortlich getroffen werden, ist für viele längst nicht mehr nur ein „nice to have“, sondern eine Grundvoraussetzung.

Es ist folglich für jede Organisation zwingend erforderlich zu definieren, wie interne Prozesse ablaufen sollen, welche Verantwortlichkeiten mit entsprechenden Rollen einhergehen, um sowohl wirtschaftliche Effizienz, Compliance als auch Integrität sicherzustellen. Unternehmen müssen ihre Werte festlegen, die Kultur, die sie anstreben, und auf welchen ethischen Grundsätzen ihre Geschäftsbeziehungen basieren sollen.

Heute sind nicht nur Geschäftsbeziehungen global, sondern auch negative Schlagzeilen. Menschen und Märkte reagieren schneller als je zuvor. Oft dauert es Jahre, bis nach einem Skandal die angeschlagene Reputation eines Unternehmens oder beispielsweise entstandene Umweltschäden behoben werden können. Wenn es überhaupt gelingt.

Ich weiß, dass es nicht immer einfach ist, alle Fehltritte zu sehen und als solche zu erkennen. Doch mitunter wird so aktiv weggeschaut und vertuscht, dass ich mir verwundert die Augen reibe. Dann wird viel erklärt und verteidigt, doch unabhängige Untersuchungen scheut man wie der Teufel das Weihwasser.

Die Verantwortung, die notwendigen Strukturen festzulegen, ebenso wie für deren Einhaltung zu sorgen, tragen Management und Aufsichtsrat. Damit dies in der Realität funktioniert, ist neben der Größe auch die Zusammensetzung der Teams und Gremien wichtig.

Sie sollten nicht nur divers besetzt – mit unterschiedlichen Kompetenzen und einer Breite an Erfahrungen –, sondern auch unabhängig sein. Freiheit im Kopf ist gerade in schwierigen Zeiten ein bedeutendes Gut. Mitunter dauert eine Entscheidung länger, wenn mehr Perspektiven einfließen. Mitunter ist es anstrengender, wenn kritische Köpfe miteinander diskutieren. Aber das Ergebnis ist besser. Und ich bin überzeugt: Konvenienz ist das größere Risiko.

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Foto:

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