Versuche in Brasilien gehen weiter Teilnehmer von Corona-Impfstoffstudie gestorben

Ein Todesfall in Brasilien belastet die Hoffnung auf einen Corona-Impfstoff von der Universität Oxford und AstraZeneca. Die klinische Studie wird fortgesetzt, der politische Streit um Impfungen spitzt sich jedoch zu.
Angestellte des Immunbiologischen Zentrums der Bundesuniversität von São Paulo

Angestellte des Immunbiologischen Zentrums der Bundesuniversität von São Paulo

Foto: Amanda Perobelli/ REUTERS

Ein Teilnehmer einer Corona-Impfstoffstudie in Brasilien ist gestorben. Das berichtete die Gesundheitsbehörde Anvisa am Mittwoch. Sie habe Daten aus der klinischen Studie erhalten, die den von der Universität Oxford entwickelten und an den britischen Pharmakonzern AstraZeneca lizenzierten Stoff an zehntausenden Freiwilligen auf Wirksamkeit und Verträglichkeit untersucht.

Nach dem Todesfall werde die Versuchsreihe fortgesetzt, erklärte Anvisa. Unter Hinweis auf die ärztliche Schweigepflicht würden keine weiteren Details veröffentlicht - also auch nicht, ob der Verstorbene das Vakzin erhielt oder zu der nicht geimpften Kontrollgruppe der Studie zählt.

Die Universität Oxford erklärte, eine sorgfältige Analyse des Todesfalls in Brasilien habe keine Anhaltspunkte für Sicherheitsprobleme ergeben. Neben der brasilianischen Behörde hätten auch unabhängige Kontrolleure zur Fortsetzung der Studie geraten.

Die Bundesuniversität von São Paulo, die die brasilianische Phase-III-Studie koordiniert, teilte mit, dass es sich um einen Brasilianer handle. Medien berichteten von einem jungen Mann.

Studie in USA noch unterbrochen

AstraZeneca führt klinische Studien mit seinem Präparat auch in Großbritannien, Südafrika, Indien und Japan durch. Das Unternehmen hatte das Programm aber wegen einer ungeklärten Erkrankung bei einer Probandin unlängst unterbrechen müssen.

In den meisten Staaten wurden die Versuche wieder aufgenommen, in den USA steht eine Genehmigung dafür noch aus. Am Dienstag hatten Insider gesagt, die US-Gesundheitsbehörde FDA könne aber noch diese Woche grünes Licht geben.

AstraZeneca gehört zum Kreis der führenden Unternehmen im Rennen um einen Impfstoff gegen das Coronavirus. Die Weltgesundheitsorganisation zählt das Oxford-Vakzin zu den aussichtsreichsten Kandidaten, um die Corona-Pandemie zu stoppen.

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Die Aktien von AstraZeneca reagierten mit einem Kursrückgang von 1,7 Prozent auf die Nachricht.

Präsident Bolsonaro weist chinesische Alternative ab

Die brasilianische Regierung hat, wie viele anderen Staaten auch, für den Erfolgsfall den Kauf großer Mengen des Vakzins und die Produktion im eigenen Biotechzentrum FioCruz in Rio de Janeiro vereinbart.

Einen weiteren Impfstoff, der vom chinesischen Hersteller Sinovac entwickelt wurde und am staatlichen Butantan-Institut in São Paulo getestet wird, schloss Präsident Jair Bolsonaro am Mittwoch aus. "Den chinesischen Impfstoff werden wir sicher nicht kaufen", erklärte der rechtsextreme Politiker.

Er widerrief damit eine gegenteilige Ankündigung seines Gesundheitsministers Eduardo Pazuello vom Dienstag. Pazuello habe eine Einigung mit den Gouverneuren der Bundesstaaten missverstanden, so Bolsonaro - was eine wütende Reaktion des Gouverneurs von São Paulo, João Doria, hervorrief.

Gesundheitsminister selbst erkrankt

Ebenfalls am Mittwoch wurde bekannt, dass Gesundheitsminister Pazuello selbst an Covid-19 erkrankte - ebenso wie sein deutscher Amtskollege Jens Spahn (40). Er ist bereits der dritte amtierende Gesundheitsminister in diesem Jahr. Seine Vorgänger waren im Streit mit Bolsonaro um die Corona-Bekämpfung gegangen. Der Präsident, der selbst zeitweise infiziert war, verharmlost die Krankheit als "kleine Grippe".

Brasilien hat bereits 154.000 Todesfälle, die offiziell auf das Coronavirus zurückgeführt werden, zu beklagen. Mehr als fünf Millionen Infektionen wurden trotz vergleichsweise weniger Tests bestätigt, übertroffen nur von den USA und Indien.

ak/reuters
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