Gastronomie, Schulen und Handel Neuer Höchststand der Infektionen nährt Shutdown-Diskussion

Erneut meldet das Robert-Koch-Institut einen Rekord der täglichen Neuinfektionen. Die Diskussion über eine Verschärfung des Lockdown light nimmt konkrete Züge an.
Mitnahmeeffekt: Schild vor geschlossenem Restaurant in Hannover

Mitnahmeeffekt: Schild vor geschlossenem Restaurant in Hannover

Foto: Hauke-Christian Dittrich / dpa

In Deutschland ist die Zahl der Corona-Neuinfektionen auf einen neuen Höchstwert gestiegen: Das Robert-Koch-Institut meldete am Freitag 23.648 Neuinfizierte innerhalb eines Tages - und damit einen leichten Anstieg gegenüber dem Rekord vom vorigen Freitag. Die Todesfälle legten demnach um 260 auf 13.630 zu.

Die Zahlen befeuern die Debatte über weitere Corona-Auflagen für Restaurants, Schulen oder Kontaktbeschränkungen, über die Bund und Länder kommenden Mittwoch beraten wollen. Die Bundesländer wollen dazu am Montag Vorschläge vorlegen. Nach Informationen von Reuters aus Länderkreisen gilt dabei derzeit als am wahrscheinlichsten, dass die Schließung etwa von Restaurants verlängert und neue Auflagen in Schulen verhängt werden. Der Einzelhandel soll demnach dagegen wohl im Vorweihnachtsgeschäft offen bleiben.

In den Regierungen von Bund und Ländern gibt es nach Reuters-Informationen aber eine gewisse Ernüchterung, weil die seit Anfang November verhängten Schließungen von Gastronomie, Freizeit- und Kultureinrichtungen bisher weniger Wirkung zeigten als erhofft. Zwar hatte das RKI erneut betont, dass zumindest die Dynamik eines weiteren Anstiegs der Zahlen durch die reduzierten Kontakte gebrochen sei. Aber von dem angestrebten Schwellenwert von 50 Fällen auf 100.000 Einwohnern in sieben Tagen ist man derzeit weit entfernt.

Das RKI gab die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz nun mit 139 an. Nachdem die Zahl der Neuinfektionen Montag bis Mittwoch jeweils unter dem Vorwochenwert gelegen hatte, lag sie Donnerstag und Freitag wieder darüber. Den sogenannten Sieben-Tage-R-Wert gab das RKI am Donnerstagabend mit 0,99 an. Das RKI geht also davon aus, 100 Infizierte im Schnitt 99 weitere Menschen anstecken. Die Zahl der Neuinfektionen sinkt erst, wenn der R-Wert deutlich abnimmt.

Harter Lockdown in Nachbarländern als Vorbild

Erschwert wird die Debatte dadurch, dass in etlichen EU-Staaten bereits wieder über Lockerungen nach der zweiten Welle diskutiert wird. So sinken etwa in Frankreich derzeit die allerdings viel höheren Zahlen an Infektionen nach der Verhängung drastischer Corona-Auflagen. Fast alle EU-Staaten hatten deutlich strengere Beschränkungen wie Ausgangssperren oder Geschäfts- und Schulschließungen verhängt. Bund und Länder hatten dies bisher abgelehnt.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (62) zeigte sich am Donnerstag jedenfalls beeindruckt von den Erfolgen in Belgien, Frankreich und den Niederlanden. Den Rückgang der Infektionszahlen von katastrophal hohem Niveau führte er neben den teils drastischen Regeln aber auch "auf die große Disziplin der Bürgerinnen und Bürger in diesen Ländern" zurück.

Weil sich das Infektionsgeschehen in der zweiten Welle auch stark in Grenzregionen ausgebreitet hatte, berieten die 27 EU-Regierungen am Donnerstagabend über ein koordiniertes Vorgehen. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (62) kündigte danach an, dass die Brüsseler Behörde Vorschläge vorlegen wolle, wie und wann EU-Staaten Corona-Maßnahmen koordinierter wieder lockern und aufheben können.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (66) verwies auf den Versuch und die Notwendigkeit, sich enger abzustimmen. Zudem hätten die Staats- und Regierungschefs die Schwierigkeiten diskutiert, dann die Infektionszahlen auf einem so niedrigen Niveau zu halten, dass man keine dritte Welle auslöse. Das werde sehr schwierig.

ak/reuters/dpa-afx
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