Gewinn steigt dank Online-Boom in der Krise Deutsche Post zahlt Corona-Bonus für 550.000 Beschäftigte

Die Deutsche Post trotzt der Corona-Krise. Während große Teile der Wirtschaft zu kämpfen haben, steigerte der "gelbe Riese" dank der Paketflut Umsatz und Gewinn. Die Mitarbeiter sollen davon profitieren.
Knochenarbeit in der Corona-Krise: Die Paketzusteller Deutschen Post hatten während des Lockdowns noch mehr zu schleppen als sonst. Jetzt graut dem Vorstand ein wenig vor der Weihnachtszeit

Knochenarbeit in der Corona-Krise: Die Paketzusteller Deutschen Post hatten während des Lockdowns noch mehr zu schleppen als sonst. Jetzt graut dem Vorstand ein wenig vor der Weihnachtszeit

Foto: Winfried Rothermel/ imago images/Winfried Rothermel

Die Deutsche Post bietet den wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Krise dank der vom boomenden Online-Handel ausgelösten Paketflut die Stirn. "Die Menschen haben online bestellt wie sonst nur vor Weihnachten", sagte Finanzchefin Melanie Kreis (49) am Mittwoch in Bonn. Im zweiten Quartal konnte der Bonner Konzern auch dadurch Umsatz und Gewinn deutlich steigern. Seine Prognosen bekräftigte der Logistik-Riese. Die Post steht mit ihrem weltumspannenden Netz nun auch für die Verteilung eines möglichen Corona-Impfstoffs bereit. Aktien  der Post zählten bis Mittag zu den größten Gewinnern im Dax  und legten zuletzt mehr als 3 Prozent zu.

"Wir sind sehr zufrieden mit der Entwicklung, die wir im zweiten Quartal gesehen haben", sagte Kreis. Die Erlöse seien von April bis Juni um 3,1 Prozent auf 16 Milliarden Euro gestiegen. Der Gewinn legte noch stärker zu - dabei profitierte die Post auch von den in der Vergangenheit eingeleiteten Sparprogrammen. Der operative Gewinn (Ebit) kletterte um 18,6 Prozent auf 912 Millionen Euro. Die rund 550.000 Mitarbeiter sollen für ihren Einsatz in der Pandemie mit einem Bonus von 300 Euro pro Person belohnt werden. Für das Gesamtjahr erwartet die Post einen operativen Gewinn (Ebit) in der Spanne zwischen 3,5 und 3,8 Milliarden Euro.

Paketgeschäft um 20 Prozent gewachsen

Rund lief es im Quartal für die Post vor allem in der Paket- sowie der Express-Sparte. Im Geschäft mit eiligen Sendungen habe der Konzern in Asien - und dort vor allem in China - seit Mitte des Quartals wieder Wachstum verbucht, sagte Kreis. Im Paketgeschäft in Deutschland legte die Post zudem weiter rasant zu. Der Einzelhandel litt unter den Auflagen der Behörden zur Eindämmung der Pandemie, immer mehr Verbraucher orderten ihre Waren im Internet. Die Post liefert diese dann aus. Das Paket-Wachstum habe bei über 20 Prozent gelegen, sagte Kreis.

Sichtbare Bremsspuren in der Bilanz hinterließ Corona allerdings im Kontraktlogistikgeschäft, wo der Konzern unter anderem Warenlager für ihre Kunden betreibt. Hier schwächte sich das Geschäft etwa im Automobilsektor sichtbar ab. Trotzdem schrieb auch diese Sparte weiter schwere Zahlen. Kurzarbeit war für den Konzern denn auch - zumindest in Deutschland - kein großes Thema. Sie habe sich "im Promillebereich" bewegt, sagte Finanzchefin Kreis. Die traditionelle Paketflut im Weihnachtsgeschäft werde nun eine große Herausforderung. "Wir brauchen zusätzliche Kapazitäten", sagte Kreis.

Auch der US-Konkurrent UPS  hatte in der Pandemie bessere Geschäfte gemacht. Der Umsatz war im zweiten Quartal um 13,4 Prozent auf 20,46 Milliarden Dollar gestiegen, auch der bereinigte operative Ertrag legte zu. Eine Jahresprognose scheute der weltgrößte Paketkonzern indes ebenso wie sein US-Rivale FedEx  - anders als die Post.

Die Deutsche Post indes will nun auch einen möglichen Corona-Impfstoff verteilen. Der Konzern verfüge über Lager-Kapazitäten und könne Impfstoffe unter Einhaltung der Kühlkette in alle Gegenden der Welt liefern, sagte Kreis. "Da wir bereits mit vielen Kunden aus der Pharmabranche zusammenarbeiten, kennen wir die Bedürfnisse und Ansprüche", hatte der Chef der Kontraktlogistik-Sparte, Oscar de Bok (52) in einem Reuters-Interview gesagt: "Wir haben alles, was man für die Verteilung eines Impfstoffs braucht."

rei/Reuters/dpa
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