Dramatische Prognose Forscher befürchten 300.000 Corona-Tote in den USA bis Dezember

Die USA wollen im November ihren Präsidenten wählen - die Corona-Pandemie könnte bis dahin zu einem dramatischen Anstieg der Todesopfer führen, sagen Forscher voraus. Unterdessen steigt in Deutschland die Zahl der Neuinfektionen weiter.
Abstand und das regelmäßige Tragen von Masken könnten helfen die Zahl der Corona-Toten in den USA nicht so rasant ansteigen zu lassen. Doch die viele Menschen seien zu leichtsinnig. Sobald sich die Situation entspanne, verflüchtige sich die Vorsicht wieder und die Zahl der Infektionen steige an, sagen Forscher

Abstand und das regelmäßige Tragen von Masken könnten helfen die Zahl der Corona-Toten in den USA nicht so rasant ansteigen zu lassen. Doch die viele Menschen seien zu leichtsinnig. Sobald sich die Situation entspanne, verflüchtige sich die Vorsicht wieder und die Zahl der Infektionen steige an, sagen Forscher

Foto: Andy Martin Jr./ imago images/ZUMA Wire

Bis Dezember könnten nach einem weithin beachteten Modell in den USA insgesamt fast 300.000 Menschen nach einer Infektion mit dem Coronavirus sterben. Das wären rund 140.000 Tote mehr als derzeit. Wenn 95 Prozent der Menschen in der Öffentlichkeit stets Masken trügen, könnte die Zahl der Opfer bis 1. Dezember mit rund 228.000 deutlich geringer ausfallen, erklärten die Forscher des Instituts IHME der Universität Washington in Seattle am Donnerstagabend (Ortszeit).

Das Modell des Instituts befürchtet nun bis 1. Dezember 295.000 Tote. Vor der jüngsten starken Zunahme der Neuinfektionen in den USA hatte das Modell bis 1. November noch mit rund 230.000 Toten gerechnet.

"Wir erleben in den Vereinigten Staaten eine Achterbahnfahrt", erklärte Institutsdirektor Christopher Murray. Sobald die Infektionen in einem Gebiet dramatisch ansteigen, tragen die Menschen Masken und befolgen die nötigen Vorsichtsmaßnahmen, sobald sich die Situation entspanne, verflüchtige sich aber auch die Vorsicht wieder, wie Murray kritisierte. "Das führt natürlich zu mehr Infektionen. Und der womöglich tödliche Kreislauf beginnt wieder von vorne", sagte er.

Bislang sind in den USA fast 160.000 Menschen nach einer Infektion mit dem Erreger Sars-CoV-2 gestorben, wie Daten der Universität Johns Hopkins zeigen. Landesweit gibt es inzwischen fast fünf Millionen bestätigte Corona-Infektionen. Seit Mitte Juni hat die Zahl der Neuinfektionen in den USA wieder deutlich zugenommen. Im Schnitt meldeten die Behörden zuletzt rund 60.000 Neuinfektionen pro Tag - vor allem in Bundesstaaten im Süden und Westen des Landes. Der Erreger Sars-CoV-2 kann die Lungenkrankheit Covid-19 auslösen.

Wieder über 1000 Neuinfektionen in Deutschland an einem Tag

Auch in Deutschland steigen die Neuinfektionen wieder - allerdings in einem viel kleiner Ausmaß. Das Robert Koch-Instituts (RKI) meldete am Freitagmorgen 1147 neue Corona-Infektionen innerhalb eines Tages. Seit Beginn der Corona-Krise haben sich somit mindestens 214.214 Menschen in Deutschland nachweislich mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert, wie das RKI im Internet meldete (Datenstand 7.8., 0.00 Uhr).

Die Zahl der Neuinfektionen in Deutschland hat damit den höchsten Wert seit Anfang Mai erreicht. Bereits am Donnerstag lagen die Neuinfektionen mit 1045 Corona-Fällen erstmals wieder über der Schwelle von 1000. Sie war zuletzt am 7. Mai überschritten worden. Danach war die Zahl in der Tendenz gesunken, seit Ende Juli steigen die Werte wieder. Der Höhepunkt bei den neuen Ansteckungen wurde Anfang April mit mehr als 6000 erreicht.

Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion liegt nach RKI-Angaben bei 9183. Bis Freitagmorgen hatten 195.900 Menschen die Infektion nach RKI-Schätzungen überstanden.

Bundesgesundheitsminister sieht noch keine kritische Schwelle überschritten

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (40) scheinen die jüngsten Zahlen noch nicht den Schlaf zu rauben. Er machte nach dem Anstieg am Donnerstag klar, dass er derzeit keine kritische Schwelle überschritten sieht. "Im Moment sind wir in jedem Fall noch in einer Größenordnung, mit der das Gesundheitswesen und der öffentliche Gesundheitsdienst umgehen kann", sagte der CDU-Politiker am Donnerstag dem ZDF-"Heute Journal". "Wenn wir uns jetzt stabilisieren auf einem bestimmten Niveau, dann können wir damit umgehen. Wenn die Zahlen weiter steigen, dann kommt es auf uns alle an, im Alltag aufeinander zu achten und eben weitere Maßnahmen tatsächlich auch nicht nötig zu machen."

Der CDU-Wirtschaftsrat hat ein Verbot von Reisen in Corona-Risikogebiete gefordert. Das "Reiserecht" könne nicht höher bewertet werden als die Rechte von Millionen Deutschen, denen ein erneuter Lockdown drohen könnte, sagte der Generalsekretär des Wirtschaftsrats, Wolfgang Steiger (55), der "Bild-Zeitung (Freitagsausgabe). Deshalb müssten Reisen in Risikogebiete "konsequenterweise" untersagt werden.

CDU-Wirtschaftsrat fordert Verbot von Reisen in Risikogebiete

Einen erneuten Lockdown mit Betriebs- und Schulschließungen werde sich Deutschland "nur unter erheblichsten Schwierigkeiten noch mal leisten können", warnte Steiger. Dies müsse allen klar sein. Deshalb erwarte er von der Politik "mehr vorausschauendes Handeln".

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte am Donnerstag bekannt gegeben, dass Rückkehrer aus Corona-Risikogebieten sich ab Samstag bei der Einreise nach Deutschland auf das Virus testen lassen müssen. Alternativ kann ein negatives Testergebnis vorgelegt werden, das nicht mehr als zwei Tage alt ist. Rückkehrer aus Risikogebieten ohne negativen Corona-Test müssen sich für zwei Wochen in Quarantäne begeben - eine Vorschrift, die schon bislang galt.

rei/dpa/afp
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