Zulieferer meldet Verlust Continental verbrennt fast zwei Milliarden Euro

Der Autozulieferer Continental bekommt die Corona-Krise deutlich zu spüren. Für das zweite Quartal melden die Hannoveraner schwere Einbußen und einen Verlust.
636 Millionen Verlust: Continental rutscht in die roten Zahlen.

636 Millionen Verlust: Continental rutscht in die roten Zahlen.

Foto: Julian Stratenschulte/ dpa

Der Autozulieferer und Reifenhersteller  Continental  hat wegen der Corona-Krise innerhalb von drei Monaten fast zwei Milliarden Euro verbrannt. Von April bis Juni verzeichnete der Dax-Konzern einen Zahlungsabfluss aus dem operativen Geschäft (free cash flow) von 1,8 Milliarden Euro, wie er am Montagabend nach Börsenschluss auf Basis vorläufiger Zahlen mitteilte. Wegen der Produktionspausen bei vielen Autobauern sank im zweiten Quartal auch der Umsatz um bereinigt fast 40 Prozent auf 6,6 Milliarden Euro ein. Der um Sondereffekte bereinigte Verlust vor Steuern und Zinsen lag vorläufigen Zahlen zufolge bei 636 Millionen Euro - ein Jahr zuvor hatte Conti im gleichen Zeitraum operativ noch 868 Millionen Euro verdient.

Das Unternehmen hatte wegen der Beschränkungen in der Pandemie bereits rote Zahlen im zweiten Quartal angekündigt. Autobauer hatten ihre Fabriken rund um die Welt wochenlang gestoppt, weil auch die Autohändler im Lockdown schließen mussten. Die Abrufe bei den Zulieferern wurden ebenfalls auf Eis gelegt.

Bei Conti machte sich das in allen Sparten deutlich bemerkbar. Am stärksten waren die Umsatzeinbrüche im Geschäft mit unter anderem Elektronik, Sensorik und Bremssystemen, aber auch in der Antriebssparte. Das Geschäft mit Reifen und Kunststofftechnik kam etwas glimpflicher davon, verzeichnete aber ebenfalls einen starken Dämpfer mit minus einem Drittel. Die Geschäftsentwicklung habe sich im zweiten Quartal zwar gebessert, hieß es. Doch auf einen Ausblick verzichtet das Management wegen der Unsicherheiten nach wie vor. Es bleibe schwierig, das Ausmaß der nachteiligen Auswirkungen der Pandemie auf Produktion, Lieferkette und Nachfrage abzuschätzen.

Mit den Zahlen schnitten die Hannoveraner beim Umsatz in etwa wie von Analysten zuvor erwartet ab, beim Verlust hatten die Experten zuvor im Schnitt mit einer noch schwächeren Marge gerechnet. Die Aktien von Continental  legten am Dienstag im frühen Handel fast 4 Prozent auf über 91 Euro zu. Im März war das Papier im Corona-Crash bis auf nahezu 53 Euro gefallen, zuletzt legte es wieder auf fast 90 Euro zu. Bevor die Pandemie die Aktienmärkte mit voller Wucht erfasst hatte, kostete die Aktie aber noch um die 110 Euro.

Sorgen wegen Barmittelabfluss

Sorgen machen den Analysten aber die hohen Mittelabflüsse. Jefferies-Analyst Sascha Gommel monierte etwa en deutlich hinter den Erwartungen zurückgebliebenen freien Barmittelfluss. Im zweiten Quartal flossen im Konzern vor Akquisitionen und den Kosten für die Verselbstständigung der Antriebstechnik knapp 1,8 Milliarden Euro an freien Mitteln ab - deutlich mehr als von Experten gedacht, die mit rund einer Milliarde an Abflüssen gerechnet hatten. Zur Mitte des Jahres lag das Liquiditätspolster inklusive nicht genutzter Kredite bei 10,1 Milliarden Euro, davon waren 2,5 Milliarden Euro frei verfügbare flüssige Mittel. Im Mai und Juni hatte Conti drei Anleihen über mehr als 2,1 Milliarden Euro ausgegeben und bestehende Kreditlinien um 3 Milliarden Euro erhöht.

Conti-Chef Elmar Degenhart (61) hatte bereits auf der Hauptversammlung vergangene Woche in Aussicht gestellt, dass das dritte Quartal zwar besser als das zweite werden dürfte. An den Vorjahreszeitraum wird Conti demnach aber auch im laufenden Dreimonatszeitraum nicht anknüpfen können.

Das Unternehmen befand sich schon vor der Corona-Krise in einem tiefgreifenden Umbruch, das Management will im laufenden Jahrzehnt das Geschäft so stark umbauen, dass bis zu 20.000 Arbeitsplätze davon betroffen sein könnten. So geht etwa in Westeuropa die Produktion von Pumpen und Einspritztechnik für Verbrenner schrittweise zu Ende. Auch Anzeige- und Bedienelemente sind betroffen. Rund um die Welt wollen die Niedersachsen die Produktion straffen und auch Standorte zusammenlegen. Gleichzeitig werden Mitarbeiter weiterqualifiziert und Stellen besonders im Software-Bereich geschaffen.

Beim angepeilten Sparziel hat Degenhart wegen der Corona-Krise draufgesattelt. Ursprünglich sollten die Bruttokosten bis 2023 um 500 Millionen Euro gedrückt werden, nun sollen mehrere Hundert Millionen Euro noch dazukommen.

akn/dpa/dpa-afx
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