Corona-Pandemie Diese Firmen haben ihr Geschäftsmodell erfolgreich angepasst

Schon wieder droht Deutschland ein Lockdown, schon wieder bangen Unternehmen um ihre Zukunft. Doch es gibt auch Firmen, die die Krise als Chance genutzt haben und ihr Geschäftsmodell erfolgreich angepasst haben. Drei Beispiele.
"Lieblingsladen 2021": Der Frankfurter Laufshop von Gründer Jost Wiebelhaus wurde als eins von 30 Geschäften in ganz Deutschland mit dem Preis der Initiative "Deutschland kauf lokal" ausgezeichnet

"Lieblingsladen 2021": Der Frankfurter Laufshop von Gründer Jost Wiebelhaus wurde als eins von 30 Geschäften in ganz Deutschland mit dem Preis der Initiative "Deutschland kauf lokal" ausgezeichnet

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Frankfurter Laufshop

Am 16. März 2020 kam der erste Lockdown der Corona-Pandemie. Wie so viele andere Läden musste auch der Frankfurter Laufshop  sein Geschäft von einem Tag auf den anderen schließen. Doch der Fachhändler reagierte schnell. Bereits am ersten Tag richtete Inhaber Jost Wiebelhaus eine Telefonhotline und eine Onlineberatung ein und lieferte die Schuhe an Kunden in der Nähe sogar mit dem Fahrrad aus. Hinzu kam eine starke Präsenz in den sozialen Netzwerken. "Wir fühlten uns wie ein Start-up", sagte Wiebelhaus später dem Magazin E-Tailment. Schließlich mussten sich Inhaber und Mitarbeiter mit einem ganz neuen Geschäftsmodell beschäftigen.

Die Kundschaft reagierte laut Wiebelhaus vor allem dankbar auf die individuelle Beratung. In die Onlineberatung wurde auch eine Laufstilanalyse eingebaut – das gab es bei keinem der großen Onlinehändler und festigte die Kundenbindung. Von Vorteil war natürlich auch, dass während der Pandemie die meisten Mannschafts-Sportarten verboten waren, Joggen dagegen nicht. So probierten auch viele Neukunden das Laufen aus, die natürlich auch die entsprechende Ausrüstung benötigten.

Die Schnelligkeit, mit der der Laufsporthändler auf die Veränderungen durch die Pandemie reagierte, machte ihn sogar zu einer kleinen Berühmtheit in der Branche. Wiebelhaus wurde von Rose-Bike-Chef Marcus Diekmann (42) zum "Digitaltalk" der Initiative "Händler helfen Händlern" eingeladen und sprach dort eine Stunde lang mit dem deutschen Amazon-Chef Ralf Kleber. Vor wenigen Wochen wurde der Frankfurter Laufshop zudem zum "Lieblingsladen 2021" der deutschlandweiten Initiative "Deutschland kauf lokal" gewählt.

Adidas – vom Hersteller zum Händler

Dass Sportartikel während der Corona-Pandemie gefragt sind, hat auch Adidas-Chef Kaspar Rorsted (59) schnell erkannt. Bereits kurz nach dem Lockdown baute er das Onlinegeschäft massiv aus und machte sich dadurch unabhängiger vom traditionellen Einzelhandel, über den der Sportartikelhersteller vorher den Großteil seiner Produkte verkaufte und der nun geschlossen war. Dadurch verkauften die Herzogenauracher im Corona-Jahr 2020 Waren für deutlich mehr als vier Milliarden Euro über das Internet – ein Plus von 53 Prozent, bei einem Gesamtumsatz von knapp 20 Milliarden Euro. Dass der Direktvertrieb für den Konzern deutlich lukrativer ist als der Verkauf über den Einzelhandel, spielte Rorsted zusätzlich in die Karten.

Bei der Vorlage der neuen Strategie für die kommenden vier Jahre im März 2021 standen daher auch der Onlinehandel und der Verkauf über die eigenen Läden im Fokus, die künftig vier Fünftel zum geplanten Umsatzwachstum beisteuern sollen. Die Hälfte des Umsatzes will Rorsted künftig ohne den Umweg über andere Einzelhändler erlösen.

In der Pandemie gefragt: Viele Sportarten durften im Lockdown nicht ausgeübt werden, daher stiegen viele Menschen auf das Laufen um - Sporthändler wie Adidas und der Frankfurter Laufshop profitierten

In der Pandemie gefragt: Viele Sportarten durften im Lockdown nicht ausgeübt werden, daher stiegen viele Menschen auf das Laufen um - Sporthändler wie Adidas und der Frankfurter Laufshop profitierten

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Michaela Rehle/ REUTERS

Inzwischen kämpft Adidas allerdings wieder mit Problemen. Die stillstehenden Fabriken in Vietnam, die immer weiter steigenden Frachtraten und ein Boykott in China haben Rorsted dazu bewogen, nach einem Gewinneinbruch im dritten Quartal vorsichtiger auf das Gesamtjahr zu blicken. Erst ab dem Frühjahr 2022 rechnet der Adidas-Chef dann wieder mit einer Entspannung der Lage.

Evonik - Lipide für mRNA-Impfstoffe

Schnell reagiert auf die Pandemie hat auch der Spezialchemiekonzern Evonik. Innerhalb von nur acht Wochen entwickelte das Unternehmen im hessischen Hanau eine Anlage für die Herstellung von Lipiden und konnte die Produktion der für mRNA-Impfstoffe so wichtigen Fettstoffe dadurch bereits im April 2021 starten. Normalerweise dauert die Entwicklung bis zu 18 Monate, Evonik hatte die Eröffnung der Anlage ursprünglich für das zweite Halbjahr angekündigt.

Lipide sind wichtig für den Transport der mRNA-Vakzine in die Zellen. Die synthetischen Fettstoffe schließen die mRNA-Moleküle ein und schützen sie dadurch auf ihrem Weg in die Zellen, wo sie erst freigesetzt werden sollen. Für die Herstellung mRNA-basierter Impfstoffe wie den des Mainzer Herstellers Biontech und des US-Konzerns Moderna sind sie also zwingend erforderlich.

Der Chemiekonzern profitierte natürlich davon, dass er bereits seit der Übernahme eines kanadischen Herstellers im Jahr 2016 entsprechende Lipide in Nordamerika produziert. Diese darf er aufgrund eines Verbots der US-Regierung allerdings nicht exportieren.

Mit dem Durchbruch mRNA-basierter Impfstoffe wie dem Corona-Vakzin von Biontech und Pfizer ist nun auch hierzulande ein relevanter Markt für die Lipide entstanden, das sich für den Spezialchemiekonzern bereits gelohnt hat. Laut dem Geschäftsbericht für das zweite Quartal  verzeichneten die Lipide für die mRNA-Impfstoffe einen deutlichen Umsatzanstieg. Insgesamt stiegen die Erlöse von Evonik im zweiten Jahresviertel im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 29 Prozent auf 3,64 Milliarden Euro, das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abgaben sogar um 42 Prozent auf 649 Millionen Euro.

Und das Corona-Geschäft könnte nur der Anfang eines vielversprechenden Wachstumsmarktes sein. Schließlich sind die Biontech-Gründer Özlem Türeci (54) und Uğur Şahin (56) ursprünglich angetreten, um mRNA-Impfstoffe gegen den Krebs zu entwickeln. Evonik kann sich also durchaus Hoffnungen darauf machen, dass ihre Lipide künftig auch in ganz anderen Medikamenten zum Einsatz kommen.

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