Vor Luftfahrtgipfel am Freitag Easyjet verhandelt über deutsche Finanzhilfen

Gut 1000 Menschen beschäftigt die britische Easyjet in Berlin. Für die Airline ist das Grund genug, den Bund um Finanzhilfen zu bitten. Auf dem Luftfahrtgipfel am Freitag wollen auch Flughäfen die Hand aufhalten.
Es war eine Maschine von Easyjet, die als erste auf dem neuen Hauptstadtflughafen BER landete. Airline-Chef Johan Lundgren spricht mit der Bundesregierung jetzt offenbar über Staatshilfe.

Es war eine Maschine von Easyjet, die als erste auf dem neuen Hauptstadtflughafen BER landete. Airline-Chef Johan Lundgren spricht mit der Bundesregierung jetzt offenbar über Staatshilfe.

Foto: Klaus Lauer / REUTERS

Die kriselnde Fluggesellschaft Easyjet spricht einem Medienbericht zufolge mit der Bundesregierung über Finanzhilfen. "Die Verhandlungen verlaufen konstruktiv", zitiert die "WirtschaftsWoche"  den Chef des britischen Billigfliegers, Johan Lundgren (54). Zu konkreten Beträgen wollte er sich nicht äußern, er erwarte aber einen hohen Betrag, hieß es weiter.

Easyjet erklärte dazu am Donnerstag: Als europäische Airline stehe das Unternehmen in regelmäßigem Kontakt mit allen Regierungen in den Ländern, die man anfliege. Man sei im Austausch über Hilfen, die allen Unternehmen zustünden. "Es wurde kein formeller Antrag auf Finanzierung gestellt."

Easyjet sei mit gut 1000 Beschäftigten allein in Berlin ein großer Arbeitgeber, sagte Lundgren dem Magazin. "Wir haben eine große Präsenz in Deutschland, haben vor der Krise für einen gesunden Wettbewerb gesorgt und dafür viel Geld investiert. Das sollte sich im Umfang der Hilfe widerspiegeln", zitiert ihn die "WiWo". Großbritannien stützt die Fluggesellschaft bereits seit April mit einem Staatskredit 600 Millionen Pfund. Vom Bundeswirtschaftsministerium war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Auch Flughäfen wollen Finanzhilfen sehen

Der Einbruch des Flugbetriebs infolge der Corona-Krise sorgt für massive Umsatzeinbußen bei allen Fluggesellschaften - und bei Flughafenbetreibern. Vertreter der Branche treffen sich am morgigen Freitag zum Luftfahrtgipfel mit Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (46), auf dem es um neue Hilfen vor allem aber für Flughäfen gehen soll.

Trotz enormer Einbußen halten die Airports den Betrieb auf ausdrücklichen Wunsch von Bund und Ländern so weit wie möglich aufrecht, auch wenn es sich für die Terminalbetreiber eigentlich nicht rechnet. Das wollen sie jetzt honriert sehen, wie der Flughafenverband der "FAZ" gegenüber erklärte. Im Gegensatz zu den Fluggesellschaften warten die Betreiber der Fluhäfen bislang noch auf staatliche Unterstützung. Den deutchen Flughäfen dürften im laufenden Jahr durch die Krise der Luftfahrt Einnahmen von mindestens 1,3 Milliarden Euro fehlen. Schätzungen zufolge seien 60.000 Arbeitsplätze bedroht.

Am Freitag soll es dem Bericht zufolge aber nicht nur ums Geld gehen. Airlines und Flughäfen verlangten auch nach Konzepten, wie trotz der Pandemie der Flugbetrieb sicher und ohne größere Verluste möglich sein kann. So fordern die Fuggesellschaften schon länger Corona-Schnelltests, die Passagiere vor dem Boarding machen sollen. Scheuer wolle sich nun dafür einsetzen, dass auf ausgewählten Flugkorridoren zwischen einzelnen Airports eine Regelung gefunden wird, wie für beruflich Reisende eine Ausnahme von Beschränkungen geschaffen werden kann, heißt es.

Airlines und Airports wollen zum Gipfel auch über Zukunftskonzepte reden

Die Lufthansa, die vor Ausbruch der Pandemie stark von vielfliegenden Geschäftsreisenden profitierte, dürfte Scheuer in diesem Vorhaben nur bekräftigen. Der Konzern wies am Donnerstag wegen erhöhter Abschreibungen etwa auf stillgelegte Jets unter dem Strich einen höher als erwarteten Konzernverlust von zwei Miliarden Euro aus. Im Gesamtjahr wuchs der Fehlbetrag damit bislang auf 5,6 Milliarden Euro. Die Lufthansa muss in der Krise mit neun Milliarden Euro Finanzhilfen von Deutschland, Österreich, der Schweiz und Belgien vor einer Insolvenz bewahrt werden. Die Kranichlinie will massiv Stellen abbauen.

Besagte Easyjet schreibt in diesem Jahr erstmals seit der Gründung vor 25 Jahren rote Zahlen. Eine Prognose für das neue Geschäftsjahr wagte Airline-Chef Lundgren bislang nicht. Der irische Wettbewerber Ryanair wiederum hatte am Montag den ersten Verlust eines Sommerhalbjahres seit Jahrzehnten berichtet.

Ryanair wird im Gegensatz zu anderen Fluggesellschaften bislang nicht mit Staatsgeld gestützt. Analysten sehen Europas größten Billigflieger im Vergleich zu Wettbewerbern finanziell auch deutlich besser aufgestellt. Wohl auch deshalb rechnet sich Ryanair für die Zeit nach der Pandemie gute Chancen aus, von der finanziellen Notlage vieler Konkurrenten profitieren zu können.

rei mit Reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.