"Besser geht es nicht" Moderna legt Impfstoff-Daten vor – Wirksamkeit von 94 Prozent

Nach BioNTech legt jetzt auch der US-Konzern Daten seines Impfstoffkandidaten vor. Die Wirksamkeit liegt noch höher als bei den Mainzern. Und auch sonst gibt es deutliche Unterschiede.
Moderna: Der US-Konzern hat ebenfalls ermutigende Daten für seinen Impfstoff-Kandidaten vorgelegt

Moderna: Der US-Konzern hat ebenfalls ermutigende Daten für seinen Impfstoff-Kandidaten vorgelegt

Foto: DADO RUVIC / REUTERS

Mit dem US-Pharmakonzern Moderna  hat ein weiterer für Europa relevanter Hersteller maßgebliche Daten für seinen Corona-Impfstoff vorgelegt. Der RNA-Impfstoff habe eine Wirksamkeit von 94,5 Prozent, hieß es in einer Mitteilung von Moderna am Montag. Diese Zwischenergebnisse haben uns das erste mal einen klinischen Beleg dafür gegeben, dass unser Impfstoff Covid-19 verhindern kann, sagte Gründer und CEO Stéphane Bancel (48).

Nur eine Woche nachdem bereits BioNTech und Pfizer positive Zwischenergebnisse ihres Impfstoffkandidaten BNT 162b2 vorgelegt hatten, folgt nun Moderna. Ebenso wie die Deutschen basiert auch Modernas Impfstoff auf der mRNA-Technologie. Obwohl niemals zuvor ein mRNA-Medikament auf den Markt gekommen ist, stehen nun gleich zwei Impfstoffe unmittelbar vor einer Zulassung.

Moderna beabsichtigt innerhalb der kommenden Wochen eine Notzulassung durch die US-Zulassungsstelle FDA zu erhalten. Um die Zulassung zu beschleunigen reichen dafür bereits überzeugende Zwischenergebnisse aus den laufenden Massentests. Moderna testet seinen Impfstoff mRNA-1273 seit Juli an rund 30.000 Probanden. Die aktuellen Zwischenergebnisse beruhen auf 95 Probanden, die sich mit Covid-19 infiziert hatten. Da darunter nur 5 waren, die zuvor mit dem Wirkstoff geimpft worden waren (und 90, die ein Placebo bekommen hatten), ergibt sich eine Wirksamkeit von 94,5 Prozent. Damit beruhen die Ergebnisse auf fast der gleichen statistischen Basis wie bei BioNTech und Pfizer: Deren Daten stammten von 94 Probanden und hatte "mehr als 90 Prozent" Wirksamkeit ergeben.

"Seit Anfang Januar haben wir dieses Virus mit der Absicht gejagt, so viele Menschen auf der ganzen Welt wie möglich zu schützen", sagte Bancel. "Die ganze Zeit über wussten wir, dass jeder Tag zählt." Der renommierte Immunologe Anthony Fauci (79), Chef der für die Corona-Bekämpfung zuständigen US-Behörde NIAID, jubelte: "Das sind offensichtlich sehr aufregende Ergebnisse. Besser wird es nicht."

Donald Trumps Lieblings-Impfstoff

Moderna war – anders als das BioNTech-Projekt  – massiv von der US-Regierung unterstützt worden. Das US-Start-up hatte Hilfen im Rahmen des Förderprogramms "Operation Warp Speed" erhalten, das Donald Trump (74) im Frühjahr initiiert hatte, um die Entwicklung zu beschleunigen. In zwei Tranchen hatte die US-Firma rund 950 Millionen Dollar erhalten, um die frühen Studien und später auch die Großstudien der Phase II und III durchzuführen. Im August sicherte die Trump-Regierung dann zusätzlich bis zu 1,5 Milliarden Dollar zu, um die Produktion und die Verteilung des Impfstoffs zu unterstützen. Teil dieses Deals war eine Liefervereinbarung für mindestens 100 Millionen Dosen.

An der Börse drehten sowohl die US-Futures als auch die Aktie von Moderna ins Plus. Die Aktie des deutschen Konkurrenten BioNTech  verzeichnete dagegen zuletzt Verluste von rund 4 Prozent. Das Papier war in der vergangenen Woche jedoch auch um mehr als 20 Prozent gestiegen.

Nach einer Zulassung will Moderna noch in diesem Jahr 20 Millionen Dosen des Impfstoffs produzieren. Im kommenden Jahr will das US-Unternehmen 500 Millionen bis eine Milliarde Dosen herstellen. Damit liegen die Amerikaner kapazitätsmäßig leicht hinter BioNTech und Pfizer zurück: Die hatten angekündigt, in diesem Jahr noch 50 Millionen und 2021 dann bis zu 1,3 Milliarden Dosen zu produzieren.

Die US-Regierung hat sich bereits mindestens 100 Millionen Impfstoffdosen von Moderna gesichert. Die EU-Kommission unter Ursula von der Leyen (62) verhandelt mit dem US-Konzern über die Lieferung von bis zu 160 Millionen Impfdosen – die Sondierungsgespräche waren Ende August erfolgreich abgeschlossen worden. Erst in der vergangenen Woche hatten die EU-Beamten nach monatelangen Verhandlungen einen Liefervertrag auch mit BioNTech und Pfizer geschlossen, die bis zu 300 Millionen Dosen an die EU-Staaten liefern sollen. Die Bundesregierung hat mit den Firmen darüber hinaus noch eine bilaterale Vereinbarung, so dass sie mit 90 bis 100 Millionen Dosen für Deutschland rechnet.

Nach Einschätzung von NIAID-Chef Fauci könnten die ersten Impfungen in den USA im Dezember bei Hochrisikogruppen beginnen, der breite Rest der Bevölkerung könnte eher ab Ende April dran sein. "Und das wird in den Mai, Juni und Juli hineingehen", so Fauci. "Das ein paar Monate dauern."

Der Impfstoff von Moderna kann vor allem mit Haltbarkeitsvorteilen gegenüber der BioNTech-Impfung punkten. Er benötigt keine ultrakalte Lagerung und kann damit einfacher ausgeliefert werden. Moderna erwartet, dass er bei normalen Kühlschranktemperaturen von zwei bis acht Grad Celsius 30 Tage lang stabil ist und bis zu sechs Monate bei minus 20 Grad Celsius gelagert werden kann. Der Impfstoff von BioNTech und Pfizer muss dagegen bei minus 70 Grad versendet und gelagert werden, bei normalen Kühlschranktemperaturen kann er fünf Tage gelagert werden.

la, lhy/dpa