142 Millionen Euro für 10 Prozent Pharmariese Glaxosmithkline steigt bei Curevac ein

Erst Mitte Juni investierte der Bund 300 Millionen Euro, nun bekommt Dietmar Hopps Tübinger Pharmahersteller erneut eine millionenschwere Finanzspritze.
Pipettierungsarbeiten im Tübinger Labor von Curevac

Pipettierungsarbeiten im Tübinger Labor von Curevac

Foto: Sebastian Gollnow/ dpa

Der britische Pharmakonzern Glaxosmithkline (GSK) hat sich für 130 Millionen Pfund (142 Millionen Euro) zehn Prozent am deutschen Impfstoffentwickler CureVac gesichert. Das Biotechunternehmen hatte im Juni mit der klinischen Erprobung seines Covid-19-Impfstoffkandidaten begonnen und will diesen bis Mitte nächsten Jahres marktreif haben. Die Unternehmen würden künftig bei der Entwicklung von sogenannten mRNA-Impfstoffen und bei der Antikörperforschung kooperieren, teilte GSK am Montag mit. Laut Curevac umfasse diese Kooperation die Entwicklung und Vermarktung von fünf Impfstoffen. Dafür zahle GSK einmalig 120 Millionen Euro. Die beiden bestehenden klinischen CureVac-Entwicklungsprogramme zu Impfstoffen gegen Covid-19 und Tollwut, die jeweils in der Phase 1 der klinischen Studie sind, seien aber nicht Teil der Zusammenarbeit.

Der GSK-Einstieg ist die nächste millionenschwere Finanzspritze für das Tübinger Unternehmen: Im Juni war der Bund zu einer ähnlichen Bewertung eingestiegen und hatte 300 Millionen Euro für 23 Prozent des Unternehmens gezahlt. Damals war zudem bekannt geworden, dass das Unternehmen noch im Juli an die Börse gehen wolle. Die Nachrichtenagentur Reuters zitierte damals entsprechende Passagen aus einem Schreiben, in dem das Bundesfinanzministerium den Bundestag über die Beteiligung informierte. Darin hieß es unter anderem, Curevac wolle noch im Juli an der Nasdaq gelistet werden. "Der beabsichtigte Erwerb einer Bundesbeteiligung an CureVac soll sicherstellen, dass das Unternehmen nicht durch einen ausländischen Investor übernommen wird und ins Ausland abwandert."

Hauptinvestor bei Curevac ist weiter Dievini, die Beteiligungsgesellschaft des SAP-Gründers Dietmar Hopp (80). Zudem sind diverse Investoren engagiert, etwa die Bill & Melinda Gates Foundation. Wie Reuters nun von mit der Angelegenheit vertrauten Personen erfuhr, plant CureVac mittlerweile im September oder Oktober den bereits angekündigten Gang aufs Parkett in den USA. Die GSK-Bewertung sei ein guter Indikator für die Bewertung des Unternehmens beim Börsengang, der von der Bank of America, der Credit Suisse und Jefferies organisiert wird.

Curevac ist einer von zwei deutschen Hoffnungsträgern im Rennen um einen möglichen Impfstoff gegen das Coronavirus Sars-CoV-2: Das Mainzer Unternehmen Biontech hat ebenfalls einen Weltkonzern als Partner an der Hand - das Unternehmen des Forscherehepaars  Ugur Sahin (54) und Özlem Türeci (53) arbeitet mit Pfizer zusammen; im Gegensatz zu Curevac/GSK steht der Corona-Impfstoff hier im Zentrum der Bemühungen. In der vergangenen Woche hatte die US-Arzneimittelbehörde FDA ein beschleunigtes Zulassungsverfahren für zwei Impfstoffkandidaten Biontechs und Pfizers genehmigt.

Beide Unternehmen arbeiten an sogenannten mRNA-Impfstoffen. Bei diesen werden - etwa im Gegensatz zu den Impfstoffen von Pionier Louis Pasteur - keine abgeschwächten Krankheitserreger injiziert, sondern Botenmoleküle, die Bauanleitungen für Proteine des Coronavirus enthalten. Der Körper bildet diese Proteine und erkennt sie anschließend als fremd, um dann Antikörper und andere Abwehrzellen gegen den Impfstoff zu bilden. Diese sollen schließlich mögliche Infektionen mit dem tatsächlichen Virus bekämpfen.

luk/Reuters, dpa
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