Autozulieferer Continental rutscht im Autogeschäft in die Verlustzone

Hohe Kosten für Rohstoffe, Logistik und Energie treffen den drittgrößten deutschen Autozulieferer besonders. Im Autogeschäft rutscht Continental zum Jahresauftakt in die Verlustzone. Besser lief es im Reifengeschäft.
Conti gibt die höheren Kosten weiter: Finanzchefin Katja Dürrfeld sieht erste Erfolge in Preisverhandlungen mit Kunden

Conti gibt die höheren Kosten weiter: Finanzchefin Katja Dürrfeld sieht erste Erfolge in Preisverhandlungen mit Kunden

Foto: Continental

Die Kostenexplosion bei Rohstoffen, Logistik und Energie hat den Zulieferer Continental im Autogeschäft tief in die roten Zahlen getrieben. Während das Reifengeschäft seine Ertragskraft steigerte, schrieb die Sparte Automotive im Auftaktquartal einen Betriebsverlust von 165 Millionen Euro, wie der drittgrößte deutsche Autozulieferer am Mittwoch mitteilte. Vor Jahresfrist hatte hier noch ein Gewinn von 97 Millionen Euro zu Buche gestanden. Insgesamt wies der Dax-Konzern aus Hannover für das erste Quartal ein operatives Ergebnis von 375 (Vorjahr 663) Millionen Euro aus, ein Rückgang um 43 Prozent.

"Im ersten Quartal haben uns die Preissteigerungen in den Bereichen Beschaffung und Logistik stark betroffen", sagte Konzernchef Nikolai Setzer (51). "Trotz dieses massiven Gegenwinds haben wir im Reifenbereich ein gutes Ergebnis erzielt." Allen großen Herstellern und ihren Lieferanten machen die wegen des Lockdowns in China und dem Ukraine-Krieg gestiegenen Kosten und die brüchigen Lieferketten derzeit zu schaffen.

Finanzchefin Katja Dürrfeld sagte der Nachrichtenagentur Reuters, der Konzern komme in den Gesprächen mit Abnehmern und Lieferanten über Preisanpassungen voran. "Wir haben erste Erfolge in den Verhandlungen mit unseren Kunden erzielt." Sie sagte nicht, in welcher Größenordnung Kosten weitergegeben werden können. Conti rechnet angesichts des Lockdowns in China und den Folgen des Ukraine-Krieges in diesem Jahr mit zusätzlichen Ausgaben für Energie, Logistik und Material von 3,5 Milliarden Euro.

Zudem hat das Unternehmen seinen Einkauf nach eigenen Angaben auf zusätzliche Quellen erweitert. Auch sollen erhöhte Pufferbestände den Bedarf an Rohstoffen und bestimmten Vorprodukten besser abdecken. "Wir werden uns da, wo wir kritische Komponenten identifiziert haben, auch mit Sicherheitsbeständen wappnen", sagte Dürrfeld.

Mit Blick auf den Halbleitermangel sagte die Finanzchefin, sie gehe nach wie vor von einer leichten Entspannung im zweiten Halbjahr aus. Auch im nächsten Jahr werde der Chipmangel aber noch nicht ganz überwunden sein.

Hohe Rendite im Reifengeschäft

Den Umsatz steigerte der nach Bosch und ZF drittgrößte deutsche Zulieferer im ersten Quartal um acht Prozent auf rund 9,3 Milliarden Euro. Während die Sparte Automotive um drei Prozent auf 4,2 Milliarden wuchs, stiegen die Erlöse im Reifengeschäft um ein Fünftel auf 3,3 Milliarden Euro. Die operative Rendite (Ebit-Marge) der Reifensparte kletterte von 16,6 auf 17,1 Prozent. Im Reifengeschäft profitierte Conti von einer vorteilhaften Preisentwicklung und einer weiterhin hohen Nachfrage nach Ersatzreifen für Pkw und Nutzfahrzeuge.

Den im April gesenkten Ausblick für das laufende Jahr bekräftigte das Management. So soll der Umsatz zwischen 38,3 und 40,1 (Vorjahr 33,8) Milliarden Euro liegen. Für die operative Rendite stellt der Dax-Konzern eine Spanne zwischen 4,7 und 5,7 Prozent in Aussicht.

Aktie seit Ukraine-Krieg stark unter Druck

Die Conti-Aktie legte in einem leicht erholten Marktumfeld zuletzt um 2,65 Prozent auf 63,44 Euro zu. Mit dem Kriegsausbruch in der Ukraine war das Papier deutlich unter Druck geraten, vorher pendelte der Kurs noch um die 90 Euro. Seit Anfang März nun bewegt sich die Aktie im Wesentlichen in einer Spanne zwischen 60 und 65 Euro, nur kurzzeitig ging es mal über 70 Euro hinaus. An der Börse wird Conti nach der Abspaltung des Antriebsgeschäfts in die neue Firma Vitesco derzeit nur noch mit rund 12,6 Milliarden Euro bewertet. Nur etwas mehr als die Hälfte der Anteile befindet sich im Streubesitz, die Industriellenfamilie Schaeffler hält 46 Prozent an den Niedersachsen.

dri/Reuters, dpa-afxp