Führungswechsel Ex-Bundesbank-Chef Jens Weidmann wird Commerzbank-Oberkontrolleur

Der langjährige Bundesbankpräsident Jens Weidmann hat eine neue Aufgabe: Er soll Helmut Gottschalk als Vorsitzender des Commerzbank-Aufsichtsrats ersetzen.
Vorzeitiger Exit: Deutlich vor Ablauf seiner zweiten Amtszeit trat Jens Weidmann als Bundesbank-Chef zurück.

Vorzeitiger Exit: Deutlich vor Ablauf seiner zweiten Amtszeit trat Jens Weidmann als Bundesbank-Chef zurück.

Foto: Kay Nietfeld / dpa

Jens Weidmann (54) kennt die Commerzbank aus ganz dunklen Zeiten: In der Finanzkrise vor fast eineinhalb Jahrzehnten war er Wirtschaftsabteilungsleiter im Kanzleramt und Teil eines kleinen Zirkels von Spitzenbeamten, die die Rettungsprogramme steuerten. Dazu gehörten auch Eigenkapitalspritzen für die strauchelnde Bank. Seither ist der Bund größter Anteilseigner des Instituts.

Künftig wird sich Weidmann, der von 2011 bis 2021 Präsident der Deutschen Bundesbank war, wieder sehr intensiv mit dem Geldhaus beschäftigen, aber in einer ganz anderen Rolle: Er soll im Frühjahr nächsten Jahres Aufsichtsratsvorsitzender der Bank werden und damit Helmut Gottschalk (71) ersetzen.

Er habe sich entschieden, nach der nächsten Hauptversammlung im Mai 2023 aufgrund seines Lebensalters nicht mehr für eine neue Amtszeit zur Verfügung zu stehen, teilte die Commerzbank am Samstagabend mit. Deshalb habe er einen geordneten Nachfolgeprozess eingeleitet.

Die Commerzbank bekommt damit den vierten Aufsichtsratschef innerhalb von drei Jahren. Im Sommer 2020 trat Stefan Schmittmann (56) zurück - nach massiver Kritik des US-Finanzinvestors und damaligen Großaktionärs Cerberus. Auf Schmittmann folgte der langjährige Landesbanker Hans-Jörg Vetter (70), der sich im Frühjahr 2021 allerdings aus gesundheitlichen Gründen wieder zurückzog. Gottschalk, früher Chef einer Volksbank und Oberkontrolleur des genossenschaftlichen Spitzeninstituts DZ Bank, wurde sein Nachfolger - aus Mangel an Alternativen.

Gottschalk wurde auch von Führungskräften kritisiert

Von Anfang an gab es Kritik an Gottschalk, zunächst von Investoren, die seine fehlende Erfahrung mit dem internationalen Kapitalmarkt bemängelten. Später auch von Führungskräften, unter anderem weil sich der Aufsichtsratschef zu sehr in operative Angelegenheiten einmische.

Lange Zeit war unklar, ob der Großaktionär Bund einen geeigneten Nachfolger finden würde und ob Gottschalk sich bereits im nächsten Jahr auf einen Rückzug einlassen würde. Denn er hat stets signalisiert, dass er gerne weitermachen würde. Noch im Sommer sagte er dem manager magazin, er sei grundsätzlich zu einer weiteren Amtszeit bereit, wenn das Vertrauen da sei und wenn auch andere Bedingungen wie etwa sein gesundheitlicher Zustand das zuließen.

Zu seiner Entscheidung, sich im kommenden Mai zu verabschieden, erklärte Gottschalk am Samstag: "Die Commerzbank hat mit Wiederherstellung der Rentabilität des Kerngeschäfts in den vergangenen eineinhalb Jahren große Fortschritte gemacht und ist heute wieder in einer robusten Verfassung." Die Bank haben damit gute Chancen für die Gestaltung einer nachhaltig erfolgreichen Zukunft als eigenständige Kraft am deutschen Bankenmarkt.

Weidmann kündigte im Herbst vergangenen Jahres – nur wenige Wochen nach der jüngsten Bundestagswahl – seinen Rückzug bei der Bundesbank an. Ein überraschender Schritt, denn seine zweite Amtszeit wäre eigentlich bis April 2027 gegangen. Im Rat der Europäischen Zentralbank war Weidmann mit seinen Ansichten häufig in der Minderheit. Er kritisierte die Politik des ultrabilligen Geldes und die milliardenschweren Anleihekäufe. Eine stabilitäts­orientierte Geldpolitik werde dauerhaft nur möglich sein, wenn die Währungshüter "ihr enges Mandat" achteten und "nicht ins Schlepptau der Fiskalpolitik" gerieten, schrieb er den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Bundesbank zum Abschied. Zu seiner neuen Aufgabe bei der Commerzbank wollte er sich nicht äußern.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.