Katharina Slodczyk

Deutsche Bank Comeback der alten Unsitten

Katharina Slodczyk
Ein Kommentar von Katharina Slodczyk
Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing hat sein zwischenzeitlich schon aufgeweichtes Kostenziel kassiert. Das Institut verfällt in alte Muster: Es bekommt seine Ausgaben nicht so in den Griff wie bei Sewings Antritt vor gut vier Jahren versprochen.
Ansprüche gesenkt: Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing hat sein Kostenziel gesenkt. Mal wieder.

Ansprüche gesenkt: Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing hat sein Kostenziel gesenkt. Mal wieder.

Foto: REUTERS

Es ist ein Satz, den Christian Sewing (52) seit seinem Antritt als Chef der Deutschen Bank im Frühjahr 2018 immer wieder gesagt hat – in verschiedenen Variationen: "Wir werden unsere Kostenziele erreichen und das, ohne die Fähigkeit, Erträge zu generieren, zu schwächen." Daran wollte er gemessen werden, denn es seien nun mal die Kosten, die er selbst im Griff habe und die er aus eigener Kraft drücken könne. Spätestens seit Mittwoch ist klar: Sewing ist daran gescheitert.

Nach und nach hat er die Vorgaben für die Kosten bereits aufgeweicht. Und jetzt auch noch das inzwischen arg verwässerte Ziel kassiert. Die Bank verfällt in alte Muster: Sie bekommt ihre Kosten nicht in Griff, solange sie gleichzeitig auch wachsen will. Erklärungen dafür hatte Finanzvorstand James von Moltke (53) viele, als er am Mittwoch die Halbjahreszahlen der Bank vorstellte. Der Ukraine-Krieg, die schwächelnde Wirtschaft, hohe Inflation. Nur eines ließ er unerwähnt – dass auch hausgemachte Probleme dazu beitragen.

Von ursprünglich 22,8 auf 17 Milliarden Euro jährlich wollte die Bank ihre Ausgaben drücken. Das sah der große Rettungsplan vor, den Sewing im Sommer 2019 verkündete. 18.000 Stellen sollten bis Ende 2022 gestrichen werden, um das zu erreichen. Die Mitarbeiterzahl wäre dann auf 74.000 gesunken. Weil es am Anfang gut lief, hatte Sewing sein Kostenziel kurzzeitig sogar verschärft.

Ambitionen heruntergeschraubt

Das alles gehört aber inzwischen der Vergangenheit an. Die Kosten liegen bei gut 19 Milliarden Euro und die Bank hat mehr als 82.000 Beschäftigte. Davon, die Stellenzahl zu senken, ist schon lange nicht mehr die Rede. Und bei den Ausgaben hat Sewing seine Ambitionen deutlich heruntergeschraubt: Das Verhältnis zwischen Kosten und Erträgen soll künftig bei bis zu 75 Prozent liegen. Ende 2021 waren es rund 85 Prozent. Zuletzt hatte Sewing aber 70 Prozent versprochen, und schon das war im Vergleich zu Konkurrenten, die teilweise unter 60 Prozent liegen, arg anspruchslos.

Klar, auf den Bankensektor dürfte einiges zukommen – allen voran die drohende Rezession. US-Institute haben bereits Alarm geschlagen. JP-Morgan-Chef Jamie Dimon spricht von einem "Hurrikan", der am Horizont aufziehe. Dass die Deutsche Bank jetzt vorsichtiger wird und warnt, es werde schwieriger, ihre Ziele – etwa die angepeilte Eigenkapitalrendite von 8 Prozent – zu erreichen, ist nachvollziehbar. Dazu tragen aber nicht nur die Faktoren bei, auf die Sewing keinen Einfluss hat.

Nur keine Selbstkritik

Ihre Kostendisziplin hat die Bank bereits vor etlichen Quartalen schleifen lassen. Bei Bonuszahlungen hat das Institut seine kurzfristige Zurückhaltung komplett aufgegeben, bei wichtigen internen Projekten wie der IT-Integration der Postbank gibt es teure Verzögerungen, mal wieder – ohne dass das für irgendeinen der Beteiligten Konsequenzen hätte. Die Verbesserung der internen Kontrollsysteme verschlingt immer mehr Geld, und ein Ende ist nicht abzusehen. Und ihren aufgeblähten Personalapparat in Deutschland nimmt die Bank hin und hat es offenbar schlicht aufgegeben, sich daran abzuarbeiten.

Stattdessen müssen Dinge wie die Bankenabgabe mal wieder dafür herhalten, dass die Kosten nicht so sinken wie ursprünglich geplant. Dabei ist sie eigentlich ein sehr gut kalkulierbarer Kostenfaktor.

Von den hausgemachten Problemen war am Mittwoch nicht die Rede. Auch so ein Rückfall in alte Unsitten. Nur keine Selbstkritik.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.