Streit beigelegt Im Schlachthaus Tönnies haben sich plötzlich wieder alle lieb

So kann man einen Gesellschafterstreit natürlich auch lösen: Man belässt einfach alles, wie es ist. Genau darauf haben sich die Herren Tönnies im Ringen um den gleichnamigen Schlachtkonzern geeinigt. Sie begraben die Verkaufspläne und beenden das "Zerrüttungsverfahren".
Alles bleibt wie gehabt: Der Schlachtkonzern Tönnies bleibt in der Hand von Clemens (M.), dessen Sohn Maximilian (l.) sowie Robert Tönnies

Alles bleibt wie gehabt: Der Schlachtkonzern Tönnies bleibt in der Hand von Clemens (M.), dessen Sohn Maximilian (l.) sowie Robert Tönnies

Foto: Bernd Thissen / DPA

Der milliardenschwere Fleischkonzern Tönnies bleibt in Familienbesitz. Die Gesellschafter der Unternehmensgruppe Tönnies – Robert, Clemens und Maximilian Tönnies – erklärten am Mittwoch, dass die bisherige Eigentümerstruktur unverändert bleibe. Sie wollten das Unternehmen gemeinsam als Familienunternehmen in die Zukunft führen, ein Gerichtsstreit sei beendet. Oder, wie es in der Mitteilung des Unternehmens heißt: "Zudem erklären beide Gesellschafter-Stämme das Zerrüttungsverfahren für beendet."

Tönnies wolle den Fokus nun auf die Themen Nachhaltigkeit, Klimaschutz und Tierschutz legen. Dabei sollen auch neue Geschäftsfelder wie etwa Tiernahrung oder pflanzliche Fleischalternativen eine wichtige Rolle spielen.

Damit könnte ein Streit zwischen den Tönnies-Gesellschaftern enden, der bereits seit Jahren schwelt. Zuletzt hatte die Nachrichtenagentur Bloomberg im März berichtet, Tönnies stehe vor einem Verkauf. Der geschäftsführende Gesellschafter des Fleischkonzerns Tönnies, Clemens Tönnies, hatte aber schon damals auf den Führungsanspruch der Familie gepocht. Das manager magazin berichtete kurz darauf, die US-Investmentbank Goldman Sachs suche bereits nach Käufern für das Unternehmen .

Tönnies, der mit weitem Abstand größte deutsche Schlachtbetrieb, hatte mit über 16.000 Mitarbeitern im Jahr 2020 eigenen Angaben zufolge einen Umsatz von über sieben Milliarden Euro eingefahren. Im Kerngeschäft befasst sich das 1971 gegründete und durch zahlreiche Zukäufe auch international gewachsene Unternehmen mit der Schlachtung, Zerlegung sowie Verarbeitung von Schweinen und Rindern. Rund die Hälfte der Produktion geht in den Export.

Der Konzern mit Sitz in Rheda-Wiedenbrück in Nordrhein-Westfalen war nach einem Corona-Ausbruch im Stammwerk im vergangenen Jahr in die Schlagzeilen geraten. Über 1500 Mitarbeiter hatten sich mit dem Virus infiziert, das Werk wurde vorübergehend geschlossen.

Clemens Tönnies, der im Mai 65 Jahre alt wurde, kontrolliert etwa 45 Prozent der Anteile, bei seinem Neffen Robert Tönnies liegen rund 50 Prozent. Im Konzern arbeitet auch Maximilian Tönnies, Sohn von Clemens Tönnies, der ebenfalls Gesellschafter ist und rund fünf Prozent der Anteile hält. Er war unter anderem mit der Expansion des Unternehmens im Markt für vegetarische Lebensmittel betraut worden, in dem Tönnies etwa mit den Marken "Vevia" und "Gutfried veggie" vertreten ist.

cr/Reuters