Englische Top-Fußball-Liga Nach Liverpool steht auch Manchester United zum Verkauf

Erst feuerte die Eigentümerfamilie Glazer Cristiano Ronaldo, nun suchen sie für Manchester United einen Käufer. Das könnte schwer werden. Denn im Milliardenspiel der Premier League ist auch Konkurrent FC Liverpool auf Käufersuche.
Stellen ManUtd zum Verkauf: Joel und Avram Glazer, Vertreter der Eigentümerfamilie Glazer von Manchester United

Stellen ManUtd zum Verkauf: Joel und Avram Glazer, Vertreter der Eigentümerfamilie Glazer von Manchester United

Foto: OLI SCARFF / AFP

Cristiano Ronaldo (37), haderte schon länger mit Manchester United und der britische Premier-League-Club mit ihm. Was den abrupten Rausschmiss des fünfmaligen Weltfußballers zuletzt beschleunigt haben dürfte, war der jüngste Vorwurf des Portugiesen in einem Interview, die US-amerikanischen Eigentümer seien nicht mehr an "ManUtd" interessiert. Am späten Dienstagabend nun erklärten die Eigentümer in einer Mitteilung , "alle strategischen Alternativen" zu prüfen, einschließlich neuer Investitionen und auch eines Verkaufs des derzeit Tabellenfünften der Premier-League.

"Da wir versuchen, auf der Erfolgsgeschichte des Vereins weiter aufzubauen, hat der Vorstand eine gründliche Bewertung strategischer Alternativen genehmigt", werden Avram (62) und Joel Glazer (55) in der Mitteilung zitiert. Die Familie Glazer hatte den 144 Jahre alten Traditionsclub 2005 für 790 Millionen Pfund erworben.

Seit 2012 ist Manchester United an der New Yorker Börse notiert und derzeit rund 2,5 Milliarden US-Dollar wert. Bereits am Montag und Dienstag hatte die Aktie zugelegt und sprang am Mittwoch nun um gut 10 Prozent in die Höhe . Im Jahr 2018 brachte es der Klub in der Spitze noch auf eine Marktkapitalisierung von 4,3 Milliarden Dollar.

Ob sich so schnell ein Käufer für ManUtd findet, bleibt allerdings abzuwarten. Denn die Auswahl für mögliche milliardenschwere Investoren wird größer – neben ManUtd erwägen auch die Eigentümer des Rivalen Liverpool unter Trainer Jürgen Klopp einen Verkauf. Jim Ratcliffe (70), Multimilliardär und Eigentümer des Petrochemie-Unternehmens Ineos, hatte im November sein ursprünglich bekundetes Kaufinteresse an Manchester United widerrufen. Jetzt melden britische Medien, Ratcliffe erwäge doch einen Einstieg bei dem Klub. Ebenso soll Englands Fußball-Ikone David Beckham (47) Interesse zeigen, sich an einem Konsortium zur Übernahme von ManU zu beteiligen.

Der Mitteilung zufolge beauftragte die Glazer-Familie die US-Investmentbank Raine Group, sich um einen möglichen Verkauf oder externe Finanzierung zu kümmern. Letzteres interpretieren Beobachter ebenfalls als Schritt für eine mögliche Übernahme. Die Bankiers von Rothschild und die Experten der internationalen Anwaltskanzlei Latham & Watkins beraten die ManUtd-Eigentümer bei ihrem Vorhaben.

Die Investmentbank Raine ist in dem Milliardengeschäft der Premier-League keine Unbekannte. Sie wickelte in diesem Jahr bereits den etwa mehr als drei Milliarden Dollar schweren Verkauf des Premier-League-Klubs FC Chelsea an den US-amerikanischen Milliardär Todd Boehly (49) und Clearlake Capital ab. Boehly ist an mehreren Spitzenteams im US-Profisport beteiligt.

Fans machen ManUtd-Eigentümern schwere Vorwürfe

Bei den Fans genießen die Eigentümer keinen guten Ruf. 2005 bereits verurteilten sie die großteils fremdfinanzierte Übernahme durch die Glazers, die dem Klub erhebliche Schulden aufbürdete. Zudem werfen sie den Eigentümern vor, die Familie investiere zu wenig – etwa in den Stadionausbau oder neue Spieler – und kassiere zugleich reichlich Dividende.

Darin begründet sehen die Fans britischen Berichten zufolge auch die lange sportliche Durststrecke, die ManUtd hinter sich hat. Zuletzt gewannen die Profifußballer die Europa League und den Ligapokal im Jahr 2017. Seit Jahren dominieren vor allem Manchester City und Liverpool den englischen Profifußball.

Wollen auch aussteigen: John W. Henry (l.), US-amerikanischer Geschäftsmann und Mehrheitseigentümer des FC Liverpool mit Vorstandchef Tom Werner (r.)

Wollen auch aussteigen: John W. Henry (l.), US-amerikanischer Geschäftsmann und Mehrheitseigentümer des FC Liverpool mit Vorstandchef Tom Werner (r.)

Foto: Mike Egerton / IMAGO/PA Images

Auch die Eigentümer von Liverpool, die Fenway Sports Group (FSG), erwägen nach Aussage von Vorstandchef Tom Werner (72) einen Verkauf. "Wir prüfen einen Verkauf. Aber es gibt keine Eile", hatte Werner Mitte November  erklärt und damit das Anfang November bekundete Verkaufsinteresse der FSG bekräftigt.

Die Fenway Sports Group, der neben den Reds unter anderem das Baseball-Team der Boston Red Sox in der MLB gehört, hatte Liverpool im Oktober 2010 für 300 Millionen Pfund übernommen. Die Investmentbanker von Goldman Sachs, die den möglichen Deal zusammen mit Morgan Stanley einfädeln sollen, schätzen den Wert des 19-maligen englischen Meisters auf etwa fünf Milliarden Dollar.

Liverpool-Trainer Klopp bald mit neuen Chefs?

Angeblich soll es bereits mehrere Kaufinteressenten für die Reds geben, bei denen Trainer Jürgen Klopp (55) noch bis 2026 unter Vertrag steht. Noch 2021 hatten die Amerikaner ein Angebot für umgerechnet 3,4 Milliarden Euro aus dem Nahen Osten abgelehnt.

Liverpool und ManUtd hatten mit anderen europäischen Top-Clubs im April vergangenen Jahres eine europäische Superliga gründen wollen, legten die Pläne dann aber vor allem wegen des massiven Widerspruchs der Fans und anderer Klubs auf Eis.

rei
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