Klimawandel China will keine Kohlekraftwerke im Ausland mehr bauen

Der weltweit größte Emittent von Treibhausgasen gelobt Besserung: Chinas Präsident Xi Jinping kündigte an, Invesitionen in Kohlekraft zu stoppen - zumindest im Ausland. Damit fällt der wichtigste staatliche Finanzier aus.
Aufgezeichnete Videobotschaft: Xi Jinping, Präsident von China, spricht zur 76. Generaldebatte der UN-Vollversammlung der Vereinten Nationen in New York

Aufgezeichnete Videobotschaft: Xi Jinping, Präsident von China, spricht zur 76. Generaldebatte der UN-Vollversammlung der Vereinten Nationen in New York

Foto: Bebeto Matthews / picture alliance/dpa/UN Web TV

Als Beitrag zum Kampf gegen die Erderwärmung wird China nach Angaben von Staatschef Xi Jinping (68) keine Kohlekraftwerke mehr im Ausland bauen. "China wird seine Unterstützung für andere Entwicklungsländer bei der Entwicklung von grünen Energien und Energien mit einem geringen CO2-Ausstoß verstärken", sagte Xi am Dienstag bei der Generaldebatte der UN-Vollversammlung in New York. China werde außerdem "keine neuen Kohlekraftwerke im Ausland bauen".

Bei der wirtschaftlichen Entwicklung müsse auf "Harmonie zwischen Menschen und Natur" geachtet werden, sagte Xi in seiner Videoansprache.

China treibt derzeit im Zuge seines Projekts Neue Seidenstraße Infrastruktur- und andere Bauprojekte in zahlreichen Ländern voran – und steht auch der Kohlekraft offen gegenüber. Laut einer Gruppe von Nichtregierungsorganisationen ist die staatliche Bank of China für sich allein genommen der weltweit größte Finanzierer von Kohleprojekten und pumpte seit der Einigung auf das Pariser Klimaschutzabkommen im Jahr 2015 rund 35 Milliarden Dollar in den Sektor.

Kohlekraft in China wächst

China – der weltweit größte Emittent von Treibhausgasen – investiert weiterhin massiv in die Kohlekraft im eigenen Land, um das Wirtschaftswachstum zu sichern. Im vergangenen Jahr wurden Kohlekraftwerke mit einer Gesamtkapazität von 38,4 Gigawatt ans Netz genommen, mehr als dreimal so viel wie im Rest der Welt zusammen. Laut einem Bericht der Expertengruppe Carbon Tracker vom Juni plant das Land zudem 368 neue Kraftwerke mit einer Kapazität von 187 Gigawatt. Das Wachstum der neuen Projekte und der davon ausgehenden Emissionen lasse nach - doch es sei immer noch Wachstum, stellte auch ein im August veröffentlichter Bericht  des Center for Research on Energy and Clean Air sowie des Global Energy Monitor fest. China sorge zugleich für die Hälfte des globalen Zubaus an erneuerbaren Energiequellen. Doch um die wachsende Nachfrage zu befriedigen und zugleich das Klimaziel zu erreichen, müssten sich die Investitionen in Wind-, Sonnen- und Atomkraft noch einmal verdreifachen.

Die chinesische Regierung hat angekündigt, noch vor dem Jahr 2030 die CO2-Emissionen zu reduzieren. Bis 2060 soll das Land CO2-neutral sein. "Dies erfordert enorme Anstrengungen, und wir werden alles daran setzen, diese Ziele zu erreichen", sagte der Präsident.

Lob von USA und Uno

Chinas Ankündigung folgt damit auf ähnliche Schritte zur Eindämmung des Klimawandels, wie sie Südkorea und Japan schon Anfang des Jahres eingeleitet hatten - die beiden Länder waren bislang, mit Abstand hinter China, die Nummern zwei und drei unter den staatlichen Finanziers globaler Kohleprojekte. Der größte Teil wird allerdings aus privaten Mitteln investiert. UN-Generalsekretär Antonio Guterres und der US-Klimabeauftragte John Kerry hatten China aufgefordert, dem Beispiel seiner asiatischen Nachbarn zu folgen.

Kerry begrüßte Xis Ankündigung in einer Erklärung und nannte sie einen "großartigen Beitrag": "Wir sprechen mit China schon seit geraumer Zeit über dieses Thema. Ich bin sehr erfreut zu hören, dass Präsident Xi diese wichtige Entscheidung getroffen hat." UN-Generalsekretär Guterres begrüßte sowohl Chinas Schritt in Sachen Kohle als auch US-Präsident Bidens Versprechen, mit dem US-Kongress zusammenarbeiten zu wollen, um die Mittel zur Unterstützung der Entwicklungsländer bei der Bewältigung des Klimawandels bis 2024 auf 11,4 Milliarden Dollar pro Jahr zu verdoppeln. Die neuen Zusagen seien deutliche Fortschritte. Gleichwohl bleibe noch "ein weiter Weg zu gehen", damit man den bevorstehenden Klimagipfel in Glasgow als Erfolg betrachten könne.

Das Ende 2015 beschlossene Pariser Klimaschutzabkommen soll die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter beschränken und gilt als Meilenstein im Kampf gegen den Klimawandel. Ein kürzlich veröffentlichter UN-Bericht sieht die Erde aber ohne ein radikales Umsteuern auf dem gefährlichen Pfad einer Erwärmung um 2,7 Grad. Die nächste Klimakonferenz COP26 findet vom 31. Oktober bis 12. November im schottischen Glasgow statt.

cs, ak/AFP, dpa-AFX
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