Zur Ausgabe
Artikel 32 / 49
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

CEO of the Future Chefs von morgen

Wer hat das Zeug zum Topmanager? 5000 Kandidaten kämpften im Wettbewerb, 21 schafften es bis ins Finale. Eine hochkarätige Jury kürte die Sieger.
aus manager magazin 8/2008

Kitzbühel im Juni. Mit seinen trutzigen Mauern aus grauem Stein erinnert das einstige "Grand Hotel" am Hang an eine Felsenburg. Die Frühsommersonne strahlt auf glänzende Dächer und rote Holzbalkons, die Luft riecht würzig. Wanderwetter.

Doch eine Handvoll deutscher Topmanager lässt sich nicht locken. Die Herren sitzen drinnen bei Mineral-wasser und Häppchen und lauschen Präsentationen. McKinsey hat eingeladen, im Saal kämpfen 21 junge Leute um den Titel des "CEO of the Future". Sieben Topmanager, darunter Thomas Middelhoff (Arcandor), Werner Wenning (Bayer), Torsten Oletzky (Ergo) und Friedrich Joussen (Vodafone) unterstützen den Wettbewerb als Juroren.

Die Finalisten, 20 junge Männer und eine Frau, haben 5000 Mitbewerber abgehängt. Sie punkteten in einem Online-Strategiespiel rund um die Sanierung des fiktiven Solarzellenherstellers "Solaworx". Sie hielten in regionalen Assessments den kritischen Fragen der McKinsey-Berater stand. Nun nehmen sie die letzte Hürde in Angriff: In Dreiergruppen haben sie Fallstudien erhalten, in denen Strategiefragen der sponsernden Unternehmen nachgebildet sind. Jetzt will die Jury Antworten.

Vorn klappt das vierte Team seine Laptops auf. Es geht um den Einstieg eines Konzerns ins Biomassegeschäft.

Die drei Kandidaten wirken auf den ersten Blick wie alle ihre Mitbewerber. Dunkle Anzüge, polierte Schuhe, Kurzhaarschnitte. Selbstbewusstsein schwingt in jedem Wort. Doch schnell wird klar: Mit denen ist etwas anders. Plötzlich sitzen die Topmanager wieder aufrecht auf ihren Stühlen. Es macht Spaß, den dreien zuzuhören.

Sie sind intensiv in die Materie eingestiegen und liefern ein schlüssiges Konzept: zunächst Konzentration auf Biomassekraftwerke für kleinere und mittlere Kunden, dann Kompetenzaufbau durch Akquisitionen, später eigene Forschung und Entwicklung.

Die Jury hakt nach: Kippt der Business- Plan, wenn Subventionen wegfallen? Nein, das Geschäftsmodell kommt auch ohne staatliche Förderung aus. Ist es sinnvoll, Kraftwerke zur Verfeuerung von Wasserpflanzen zu konstruieren? Die nächste Folie zeigt ausgedehnte Algenfelder am Mittelmeer: ein Indiz dafür, dass aquatische Biomasse Potenzial hat.

Als die Gruppe den Saal wieder verlässt, sind die Unternehmenschefs angetan. Frank Mattern, Deutschland-Chef von McKinsey, spricht von "hoher Eindringtiefe", Thomas Middelhoff lobt das elegante Teamplay. Es deutet sich an: Aus dieser Gruppe kann er stammen, der neue "CEO of the Future."

Seit acht Jahren fahnden McKinsey und führende Unternehmen in Deutschland mithilfe des CEO-Wettbewerbs nach jungen Managementtalenten. Die knapp zwei Dutzend, die es ins Finale schafften, hatten jedenfalls auf dem Papier eine Menge zu bieten: schnelles Studium, Auslandsstation, Praktika. Manche promovieren, einige pflegen abgelegene Hobbys oder engagieren sich: Dabei sind ein "Weltrekordhalter im Merken von Wörtern", der Initiator eines Debattierklubs und die Gründerin einer Klimainitiative.

Doch ein Lebenslauf mit exzentrischen Dreingaben reicht nicht für den CEO-Titel. Bei ihrem Urteil lassen sich die Jurymitglieder von den Anforderungen an den Beruf des Topmanagers leiten: mutige Ideen, originelle Argumente müssen her.

Zahlreiche Finalisten in Kitzbühel tun sich schwer damit. Die Jungakademiker kleben eng an den Aufgabenstellungen, auch wenn diese dem gesunden Menschenverstand nicht sinnvoll erscheinen.

Da soll eine Gruppe als Kundenberater einer fiktiven Großbank einen Investor für ein Unternehmen finden, das sowohl Autos als auch Chips produziert und mit den Chips dreistellige Millionenverluste einfährt. Brav referiert das Team über den Begriff des Anchor Investors - ohne infrage zu stellen, ob es am Markt überhaupt einen Geldgeber für das sperrige Konglomerat gäbe.

Die Jury reagiert leicht bissig: "Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, dass ein Banker sein Mandat auch zurückgeben kann?", fragt Herbert Henzler, als ehemaliger McKinsey-Deutschland-Chef ebenfalls Jurymitglied. Bayer-Vorstandschef Werner Wenning fasst seine Erwartungen so zusammen: "Die Leute müssen sich trauen, auch mal aus der Reihe zu denken."

Eigeninitiative, Kreativität - all diese Eigenschaften fanden die Juroren in den vergangenen Jahren vor allem bei Young Professionals. Als die Jury in diesem Jahr die Sieger verkündet, liegen die Dinge komplizierter. Wie erwartet, räumen Mitglieder des Biomasse-Teams ab. Doch die Preisträger könnten unterschiedlicher nicht sein.

Der eine heißt Marcel Dick (27). Er promoviert nach einer Banklehre an der Frankfurt School of Management und arbeitet nebenher bei der Barclays Bank. Dick hatte gewandt argumentiert und sich von bohrenden Fragen der Juroren nicht beirren lassen.

Der Überraschungssieger aber ist der erst 20 Jahre alte Rasmus Wißmann. Der Stipendiat der Bayerischen Eliteakademie steckt im "FastTrack"-Promotionsstudiengang Mathematik an der TU München und machte mit souveränem Auftreten den Altersunterschied zu seinen Kollegen mühelos wett.

Wißmann und Dick teilen sich den ersten Preis. Sie erhalten Geld für Managementtrainings und werden von Mitgliedern der Jury gecoacht.

Was die Topmanager den Talenten mit auf den Weg geben? Vielleicht auch den Rat, nicht abzuheben. Es soll Gewinner gegeben haben, die ihren Coachs später auf die Nerven gingen mit der Erwartung, nun bitte direkt einen Vorstandsjob angeboten zu bekommen.

Vorjahressiegerin Verena Delius (29) hat ihre Karriere lieber auf eigene Faust vorangetrieben. Zuvor als Finanzexpertin selbstständig, arbeitet sie seit Juli bei Bertelsmann und baut dort ein E-Learning-Portal für Kinder auf. Mit ihrem Coach Wenning hält sie Mail-Kontakt.

Direkt nach dem Wettbewerb lud der Bayer-Topmann die junge Finanzexpertin nach Leverkusen ein und gab ihr einen ganzen Tag lang Einblick in den Konzern. Womit Wenning bei Delius am meisten punkten konnte: "Er hat nicht versucht, mich zu Bayer zu locken."

Eva Buchhorn

Mehr lesen über
Zur Ausgabe
Artikel 32 / 49
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel